Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1901)
- Date
- 1901-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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511 „Der Invalide Kaeding aus Sabow halte am Abend des 2. Januar nach der Rückkehr aus dem Plath'schen Lokale, woselbst ein Vortrag des Herrn Krösell stattfinden sollte, den gerade aus seiner Wohnung tretenden Kaufmann Kargauer mit den Worten: „Das ist ja auch ein Jude!" mit einem Stocke geschlagen. Der Angeklagte wird wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung zu einer Woche Gefängniß und zu den Kosten des Verfahrens verurtheilt." Der Beweis für den Zusammenhang zwischen der Tbat und den aufreizenden Reden des Pfarrers Krösell dürfte demnach, wenn auch aus dem Bericht nicht recht ersichtlich ist, ob an dem betreffenden Tage der angekiindigte Portrag stattgefunden hat, kaum noch zweifelhaft sein. Es wird abzuwarten sein, ob das Gericht auch die entsprechenden Konsequenzen auf Grund des sozialdemokratischen Rednern gegenüber so oft zur Anwendung gelangenden S 130 Str.-Pr.-O. ziehen wird. — Wrcschcn, Prov. Pos., 14. März. In Nr. 20 des „Israelit" ist aus Mainz der großen Liebenswürdigkeit Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich Erwähnung gethan worden. Dies veranlaßt mich ebenfalls, Ihren geschätzten Lesern Folgendes mitzutheilen: Zum Geburtstage der Kaiserin Friedrich gratulirte ich derselben Namens meiner Schwägerin, die auch am 21. November 1340 geboren wurde, und darauf erhielt ich nachstehendes Antwortschreiben: Schloß Friedrichhof, 27. Nov. 1900. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich lasten für die, im Aufträge Ihrer Schwägerin, der Frau Weiß in Leipzig, zum 21. November übermittelten Glückwünsche danlen. Auf Allerhöchsten Befehl Graf Seckendorf, Oberhofmeister Ihrer Majestät. An Herrn Lehrer H. Wolfs in Wreschen. Bonn, 17. März. Am 6. d. M. ist hier nach schwerem Leiden unser Rabbiner Dr. F. C o h n gestorben. Derselbe erfreute sich allgemeiner Beliebtheit in der Gemeinde. Ein geborener Anhalter, hat der Verstorbene zuerst in Oels und dann hier in Synagoge und Schule unermüdlich gewirkt. Ein unabsehbarer Trauerzug gab am 8. dss. dem Verstorbenen das letzte Geleite. Unter Denen, die dem Dahingegangenen die letzte Ehre erwiesen, sah man den Oberbürgermeister Spiritus, den Rektor Geheimrath la Valette St. George, zahlreiche Professoren, die Lehrer des städtischen und königlichen Gymnasiums, an ihrer Spitze die Direktoren Dr. Hölschner und Contzen, katholische und evangelische Geistliche, Volksschullehrer, kurz, Vertreter aller Stände. Nachdem Kantor Baum ein Klagegebet gesprochen hatte, bielt Rabbiner Dr. Frank- Köln vor der Babre eine tief empfundene Ansprache. Weitere Nachrufe widmeten dem Todten Rabbiner Dr. R o s e n t b a l - Köln und Kantor Baum. München, 12. März. In der festlich beleuchteten, durch Blattpflanzen und herrliche Dekorationen gezierten Synagoge versammelte sich heute Vormittag 10 Uhr die Gemeinde, um an der Feier anläßlich des achtzigsten Geburtsfestes S. Kgl. Hoh. des Prinz- Regenten Luitpold theilzunehmen. Als Vertreter der städtischen Behörden waren vier Beamte in Amtstracht zugegen, außerdem erschienen die hiesigen jüdischen Beamten und Consulen in Uniform. Eröffnet wurde der Festgottesdienst durch den machtvoll wirkenden, für diesen Zweck von Herrn Prof. Haffelbeck eomponirien Psalm 21. Unter der umsichtigen, erprobten Leitung des Herrn Cantor Frei und durch die wirkungsvolle Wiedergabe des Cantor-Solos seitens des ersten Cantor, Herrn Emanuel Kirschn e r , erfuhr die Composition eine vortreffliche Ausfübrung. Den ersten Vers des vorerwähnten Psalmes legte Herr Rabbiner Dr. Werner seiner, von patriotischem Schwung, von heiliger Begeisterung durchglühten Festrede als Text zu Grunde. Er führte unter Anderm aus. wie Gemüth und Geist sich verbunden haben, um beute auch in allen Gotteshäusern, im gesammten schönen Bayernlande, den gottbegnadeten Mann zu feiern, der neben so vielen mannigfachen Tugenden und seltenen Vorzügen, den höchsten Schatz, ein lew tow sein Eigen nennt. Ihm, der erst jetzt wieder seinen Wahlspruch: „das Gemeinwohl ist das höchste Gesetz," durch Niederschrift bekräftigte, ihm gelten die Gebete, die ans den Herzen von Millionen treuer Unterthanen ohne Unterschied gesellschaftlicher Stellungen, unbekümmert der verschiedensten Parteirichtungen und auch ohne Unterschied des Bekenntnisses, zu dem einig einzigen Vater aller Menschen emporsteigen. Anknüpfend an die Legende vom König David, an dessen Bett eine Harfe hing, deren Saiten in der Nacht von selbst zu tönen begannen und wundersame Melodieen hervorzauberten, schloß der Redner seine mächtig wirkende Rede mit dem Hinweise, daß das Volksgemüth jener von selbst erklingenden Harfe gleicht. Nicht weil es soll, sondern weil es aus innerstem Antriebe will, jubelt heute Bayerns Land und Volk seinem Regenten entgegen, und all' dieser Jubel tönt aus in die Worte: Jechi Hamelech! Mit dem vom Chor vortrefflich gesungenen Psalm 72 — ebenfalls von Herrn Professor Hastelbeck für diese Feier eomvonirt und mit Absingung der Prinzregentenhymne fand die erhebende Feier ihren ebenso würdigen, als glänzenden Abschluß. Mannheim, 11. März. Anläßlich der Errichtung eines Erematoriums am hiesigen Platze hat unser Svnagogenrath beschlossen, daß der Stadtrabbiner bei etwaigen Verbrennungen die Leiche in's Crematorium zu begleiten und dort die Einsegnung vorzunehmen habe. Im Sechsunddreißiger Ausschuß, wo die Sache besprochen wurde, machte ein Herr seinen gegentheiligen Standpunkt geltend und bedauerte insbesondere, daß der Synagogenrath einen Zwang auf den Rabbiner