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Der Israelit · 1901-03-18 · Heft 22 (18.3.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 22 (18.3.1901)
Date
1901-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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510 neigt, die Hand nicht sinken. — Und süß ist das Licht, und eine Freude der Augen, die Sonne zu schauen (die ganze Innigkeit der Freude am Leben), denn wenn der Mensch auch viele Jahre lebt, so soll er aller froh werden, und wenn er der dunklen trüben Tage denkt, so viel sie auch sein mögen, so ist alles (Trübe), was an ihnen ihn trifft, nichtig. Freue Dich, Jüngling, deiner Jugend und lasse dein Herz dich beglücken in den Tagen deiner Jugend, wenn Du aber in den Wegen deines Herzens gehen wolltest und nach dem Blicke deiner Augen, so bedenke stets, daß Gott mit dir über Alles in's Gericht gehen wird. Alle Lebensfreude erfülle sich stets auf dem Boden des Pflichtbewußtseins. Cap. 12, 1. ff.: „Und bleibe eingedenk deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugend, daß nicht die Tage kommen, an denen du sagst: ich habe kein Wohlgefallen an ihnen; bevor für dich sich verdunkeln die Sonne und das Licht und der Mond und die Sterne, und die Wolken wiederkehren nach dem Regen." Nun folgt die herrliche Schilderung des Alters, des Schwindens der Kräfte, wo die „Müllerinnen feiern, denn sie sind wenig geworden, und sich verfinstern die Seherinnen durch die Fenster," und die einzelnen Organe nicht mehr recht fungiren — und zum Schlüsse: „denn heim geht der Mensch in seine ewige Heimath — und draußen schon heben sie Klage an." „Und während der Staub zurückkehrt auf die Erde, so wie er gewesen, kehrt der G e i st zurück zu Gott, der ihn gegeb en." Und dabei wagt man noch immer zu sagen: die alttestamentliche Anschauung, die in Koheleth so herrlich sich äußert, habe von einer eigentlichen Unsterblichkeit, von einem Leben nach dem Tode nichts gewußt, das sei erst von Anderen gelehrt worden! So spricht Koheleth, oder vielmehr wie es hier zum Abschlüsse heißt: nbnpn die alles sammelnde, alle Erfahrung zusammenfassende Stimme: „Das Nichtigste aller Nichtigkeiten ist: daß alles nichtig sei." Das Ende, der Abschluß, das zusammenfassende Resümee lautet: Alles, d. h. die den Menschen tragenden Grundgesetze seines Lebens und die höchste Wahrheit von Gott ist nicht ein Ergebniß der Speculation, sondern ist vernommen, gehört, offenbart: „Gott fürchte und seine Gebote hüte, denn das ist. darin besteht der ganze Mensch. Denn jegliches Thun wird Gott in's Gericht bringen über alles Verborgene, ob es gut sei oder bös." Mit diesem Ausblick in's Jenseits, wo alle Räthsel gelöst, alle Fragen beantwortet werden, alle Dissonanzen sich auflösen, klingt Koheleth harmonisch aus. Nie bat ein Mann alle Momente klarer erkannt, nie ergreifender geschildert, die den Menschen irre machen und zum trübsten Pessimismus bringen könnten. Niemand aber hat je auch, wie er, alle diejenigen Momente erkannt und ausgesprochen, die, aus dem lebendigen Gottesbewußtsein quillend, auf dem Grunde I des felsenfesten Gottesvertrauens den Menschen zu einem entschiedenen, thatkräftigen, nimmer erlahmenden, in ungetrübter Lebensheiterkeit sich vollendenden Leben aufsordern und ihn die Wege dazu lehren, in Besonnenheit und Selbstbeherrschung und Gleichmuth durch's Leben zu wandeln, als „Hüter der Pflicht, für den es nichts Böses giebt." Und so dürfen wir es denn aussprechen, fußend auf der tiefsten lleberzeugung der Erkenntniß: Nicht ein Pessimist war Koheleth, sondern mit jeder Fiber seines Wesens der größte, bewußteste, herrlichste O p t i m i st. Zeitungsnachrichten und Correspondenzcrr. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem siebten Jahresbericht des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" entnehmen wir: Die Zahl der sich anmeldenden Schülerinnen wächst fortwährend, so daß die Prüfung der Kandidatinnen auf ihre Tauglichkeit dem Vorstande eine große Verantwortung auferlegt. Trotz der sorgfältigsten Auswahl und der häufigen Ablehnung ist doch hie und da ein Mißgriff unvermeidlich. So mußte auch in diesem Jahre von den vier aufgenommenen Schülerinnen nach Ablauf mehrerer Monate der Lehrzeit eine davon wegen mangelhafter Qualifikation wieder entlassen werden; hingegen wurden im Laufe des Jahres drei bisherige Schülerinnen aus Grund des von den ausbildenden Aerzten ausgestellten Reifezeugnisses vom Vorstand in die Zahl der Vereinsschwestern ausgenommen. Durch die neuaufgenommenen Schwestern ist die Zahl unserer Vereinsschwestern nunmehr auf 22 gestiegen. Ihre Thätigkeit ist außer der Privat- und Armenpflege dahier und in Ausnahmefällen auch auswärts der Hospitalpflege im Israelitischen Gemeindehospital und im Gumpertz'schen Siechenhause dahier, sowie im Krankenhause der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg gewidmet. Auf Wunsch der Ver- 'aaltung des letzteren wurde im Laufe des Jahres noch eine dritte Schwester demselben überlassen. Hingegen waren wir außer Stande, den Wünschen der Gemeinden von Pforzheim, Mannheim und Heilbronn um Ueberlassung von Schwestern für die dortigen Privatpflegen nachzukommen. So lange die Zahl unserer Schwestern neben dem Hosvitaldienst für die hiesige Privatpflege noch nicht genügt, glaubt der Vorstand sein Arbeitsfeld noch nicht nach auswärts ausdehnen zu sollen. BreSlau, 14. März. Die Wirkungen der „wissenschaftlichen" Ritualmord-Vorträge des antisemitischen Pfarrers Krösell in Kloxin auf das minder urteilsfähige Publikum illustrirt recht anschaulich folgender Gerichtsbericht des „Pyritzer Kreisblattes":

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