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Der Israelit · 1901-03-18 · Heft 22 (18.3.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 22 (18.3.1901)
Date
1901-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WWW WDWWWWWMMMWWWWWWWWWMWWVWWYWWWMWWMWWWWM' 50g keineswegs auf eines sterblichen Königs Befehl, sondern auf das Gebot des allerhöchsten Königs). Diese Betrachtung, die alle Fügungen im Leben als Ausgaben betrachtet, die zu lösen sind durch Entfaltung der zu ihrer Lösung erforderlichen Kräfte und Eigenschaften, sie wurzelt in dem Satze: für jedes Streben gibt es die rechte, geeignete Zeit. Auf der Höhe dieses Standpunktes gibt cs allerdings nichts Böses, in dem Bestehen auch der schwersten Prüfung liegc eine Beseligung, eine Befriedigung, die auch ein Quell reines Glückes ist. Deßhalb nicht aus Leichtsinn, sondern gerade im Lichte der ernstesten Aufsaffung des Lebens, trübt dem Weisen der Gedanke an den Ernst vielleicht kommender Tage die Freude keines gegenwärtigen Augenblicks. — Wir glauben» den Nachweis für die dem Pessimismus vollständig entgegengesetzte Lebensanschauung Koheleths wohl erbracht zu haben. Wie aber löst sich der Widerspruch zwischen diesen Gegensätzen? Denn auch für die peffimistische Anschauung haben wir vollwichtige Belege beigebracht, und ein ernster Autor kann doch unmöglich auf der einen Seite Dies und auf der andern das Entgegengesetzte lehren! Die Lösung liegt unseres Erachtens im Folgenden. Und zwar in der richtigen Auffaffung der Bedeutung des Ausdruckes „unter der Sonn e." Bei einer aufmerksamen Betrachtung ergibt sich nämlich, daß dieser Ausdruck durchaus keine „poetische" Umschreibung für „auf Erden," oder „in der Welt," zur Bezeichnung der Totalität der Erscheinungen ist. Vielmehr ist die Sonne hier, wie sie ja für die Erde der mächtige Faktor ist, der alles in der physischen Welt bedingt, so überhaupt als Repräsentant des ganzen Complexes der physischen Bedingungen gefaßt, die nicht selbst als geschaffen angeschaut werden, sondern in ihrer Selbstherrlichkeit. Tiefsinnig hat jüdische Weisheit als Gegensatz dazu aufgefaßt: „über der Sonne." Denken wir uns Gott hinweg, alles, auch der Mensch nur den Trieben, den in ihm wirkenden Kräften gehorchend, dann hat allerdings das Leben kein Ziel, weil es keinen Inhalt hat, dann gibt es keine Befriedigung, dann sind glücklich zu preisen d i e Wesen, die in ewiger Energie, aber auch in ewigem Kreisläufe sich abmühen; denn ihnen geht das Bewußtsein ab und der Tropfen, der, sich in Bächen sammelnd in Flüffe, zum Meere strömt, der kennt nicht die Oede des ewigen Einerlei, das kein Ziel hat. „Unter der Sonne" ist allerdings alles nichtig, eitel. Gott, den Schöpfer, aus der Welt hinweggedacht, ist alles Menschenthum und Hoffen und Streben eitel. Da vollzieht sich's allerdings, daß die „sich nur unter der Sonne" fühlenden Menschen, wenn sie daran gehen, sieb den Gott „wählen," „klären," auf dem Wege der Spekulation schaffen zu wollen, dazu kommen, nicht nur Gott nicht zu finden, sondern auch sich zu verlieren, zu sehen, daß sie nur eigentlich, trotz alledem und allem, bei den Analogien im Organismus, nach den Ergebnissen der Wiffenschaft — Vieh sind, und „wer iveiß, ob der Geist des Menschen aufwärts steigt." Da wird allerdings auch dem Reichsten und Mächtigsten aller Besitz und aller Genuß nie Befriedigung gewähren, und das Menschengeschlecht tobt den Kampf ums Dasein, und alles Erreichte erweist sich als eitel. Alles, was Kohelet von dieser Nichtigkeit ausgesprochen hat, bezieht sich auf die Menschen, die, ihren Gott nicht erkennend, „u nter der Sonne" ihr Leben vollenden. Darum lautet auch gleich der 2. Vers, der Anfang dieser Betrachtungen: was bleibt dem Menschen übrig, bei allem seinem Mühen, mit dem er unter der Sonne sich abmüht. Diese Worte sind nicht eine Verallgemeinerung, sondern eine ganz scharf zu fastende Beschränkung. Darum wiederholen sie sich in einem Maße, das der gewöhnlichen Auffassung unverständlich bleibt, bei einer Betrachtung unter d i e - s e m Gesichtspunkt aber höchst bedeutungsvoll wird. Denn mit einem Schlage ändert sich die ganze Anschauung, sobald wir über der Sonne, um uns dieser bildlichen Ausdrucksweise zu bedienen, den Herrn und Meister, den Schöpfer erblicken, dessen Werk das Universum, und der über das Thun und Lassen des Menschen wacht. Da sieht Kohelet über allem Frevel, über aller siegreichen Gewaltthat die Hand des Richters, er glaubt nicht bloß, er weiß, daß es eine sittliche Weltordnung gibt, daß Gott, wie wir den Ausspruch zu verstehen haben, dem Gerechten wie dem Frevler das ihnen Gebührende gibt, und er schaut über jeder Menschenthat in Flammenschrift das dort! Darum gewinnt nun auch der erste Satz, mit dem die ganze Betrachtung eingeleitet wird, und der sich nachher in Eap. 12, V. 8 etwas verkürzt wiederholt, einen ganz anderen Sinn. Er bedeutet nicht: „O Eitelkeit der Eitelkeiten spricht Kohelet, o Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel!" in welcher Gestalt er zum geflügelten Worte geworden ist, wobei die dreimalige Wiederholung mit denselben Worten schon hätte stutzig machen können — Koheleth hatte ja selbst nachher in den von uns angeführten Stellen gerade das Gegentheil ausgesprochen —, sondern: das Nichtigste aller Nichtgkeiten, sagt Koheleth, das Nichtigste aller Nichtigkeiten ist (die Behauptung, der Gedanke), daß alles nichtig sei! In dem Leben ohne Gott, das sich nur u n t e r d e r Sonne vollzieht, da freilich ist schließlich alles nichtig, wie das dann weiter ausgesührt wird. Aber ein unter Gottes Auge im Dienste der Pflicht vollbrachtes Leben, in dem ist nichts, nichts werth- und bedeutungslos. Da gilt es, das Auge offen und die Kraft stets frisch zu erhalten, um jedem Zeitpunkt das ihm Gebührende zu leisten. Da heißt es: Cap. Ick, V. 6: Streue am Morgen deines Lebens die Saat, und lasse auch, wenn der Tag sich

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