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Der Israelit · 1901-03-14 · Heft 21 (14.3.1901) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 21 (14.3.1901)
Date
1901-03-14
Page
– (sequence 27)
Language
German
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501 werden, während die Unordnug auf diesem Gebiete ganz besonders wie eine Uhr ohne Zeiger ist, die geht und geht, und keiner weiß, wie spät es ist. „Gebraucht die Zeit, sie geht so schnell von hinnen, doch Ordnung lehrt euch Zeit gewinnen." (Göthe.) Solchermaßen dient die system. Religionslehre als besonderer Unterrichtsgegenstand zur Erläuterung, Ergänzung, Erweiterung, Vertiefung und Verwerthung des in den übrigen Religionsfächern behandelten oder vorkommenden Stoffes, gemäß den Worten des Gedichtes: „Rastlos vorwärts mußt Du streben, Nie ermattet stille stehn, Willst Du die Vollendung seh'n, Mußt in's Breite Dich entfalten, Soll sich Dir das Werk gestalten; — In die Tiefe mußt Du steigen, Soll sich Dir das Wesen zeigen." Darum sei das Material, der Stoff der system. Neligionslehre das einfachste, und daher ist er auch für alle: er sei das gewiffeste, höchste und beste. Er ist vorhanden wie die Luft, welche die Lunge einathmet, ohne es zu wissen, wie Berg und Thal der Heimath, die von Jugend auf gesehen, doch erst zu sehen gelernt werden müssen, wenn man sie recht sehen will. Er ist da, wie das Kleid, dessen Druck der Mensch, der es trägt, nur svürt, wenn er seine Aufmerksamkeit darauf richtet, dessen Mangel aber sofort die Empfindung der Kälte in ihm erzeugt. Er fordert nur Anleitung zum Sehen. Hören, Schmecken und Fühlen, und siehe da, die Sinne funktioniren — und er offenbart sich dann dem Herzen durch seine eigene Kraft und Autorität. „Das Sehen (und Hören) führt zum Denken; das Denken wird zur That," sagt der Talmud. Womit kann aber die Veranschaulichung und Erläuterung, Ergänzung und Vertiefung geschehen? Nur durch die hervorgebrachten Wirkungen! Da die Dinge der Gegenwart zu individuell ssnd und nur subjektiv abgeschätzt und gewürdigt werden, müssen wir auf solche der Vergangenheit zurückgreifen. die schon abgeschlossen vor unsere Augen treten. Jene Ergebnisse haben in erster Linie zur Erläuterung hohen j Wecth und können nie entbehrt werden, setzen aber das > Bekanntsein mit den allgemeinen Regeln, den Grund-! und Leitsätzen voraus, ohne daß solche, wie beispielsweise irgend ein Naturgesetz, als fremd- und fernliegende Abstraktion erfaßt werden dürfen. Mancher Lehrer führt große Beweise und glaubt hierdurch Propyläen erbaut zu haben! Wer aber die Kinder genau kennt, der denke sich einmal, was sie davon halten würden, wenn dieselben die Ankunft eines Regenten erwarten, und der Lehrer wollte ihnen mitten in ihrer leicht begreiflichen Spannung erst den Nachweis liefern, daß jener Herr auch wirklich der Regent ist! Ebenso verhält es sich zum Exempel mit dem Begriffe „Gott"! Ist die Erklärung des Glaubens an die Spitze des Unterrichtes zu stellen, so darf ohne Frage an die Spitze der Gebote nicht eine Lehre von Gott und Seiner Eigenschaften gesetzt werden! Dies ist mit einem Werke, mit der Anschauung zu verknüpfen! Daher wäre es bei aller Gründlichkeit und Vertiefung ein großer Fehler, den Stoff zu zerpflücken, wie eine Blume, ebensowenig, wie dies bei einem schönen, inhalt- und lehrreichen Gedichte erlaubt ist. Die system. Religionslebre schließt sich deßhalb der Erklärung des Pentateuch in unmittelbarer Aufeinanderfolge der Unterweisung in den religionsgesetzlichen Bestimmungen des überlieferten Iudenthums in aller Kürze und Sachlichkeit an, wie es auch im Talmud heißt: Ein guter Lehrer iss. wer seinen Schülern alles kurz und bündig beibringt. Hierbei kann das Auswendiglernen der wichtigsten Sätze nicht umgangen und einem Kinde diese Mühe nicht erspart werden, und „da beißt kei Maus kei Fad' ab," wie man in Schwaben sagt, denn dies sind gleichsam die Merk-, Erinnerungs- und Denkworte für die Stoffe, die das Kind erfaßt hat, wie der große Napoleon sagte: „Ein Kopf ohne Gedächtniß, iss wie eine Festung ohne Besatzung." (Fortsetzung folgt.) Verein isr. kehrer im ehemaligen L)erzog1hum Nassau. (Generalversammlung am 20 November v. I. in Ems.) Die Versammlung war sehr gut besucht. Es waren die meisten der Mitglieder erschienen. Anwesend waren ferner die Herren Bez.-Rabbiner Dr. Silberstein, Dr. Landau-Weilburg und Dr. Weingarten-Ems, sowie auch der Präses der isr. Cultusgemeinde in Ems, Herr Thalheimer, als Vertreter des dortigen Kultusvorstandes. Die Sitzung begann Nachmittags 3 Uhr. Nachdem der erste Vorsitzende des Vereins, Coll. Frank- Wiesbaden, in herzlichster Weise Vegrüßungsworte an die Versammelten gerichtet hatte, die in ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser ausklangen und in welches die Anwesenden begeistert einstimmten, wurde zur Tagesordnung geschritten, die folgende Punkte enthielt: 1. Jahres-Geschäftsbericht (erstattet vom ersten Vorsitzenden). 2. Statutenberathung (Schluß). 3. Verbandstbema (Res. Cayell-Wiesbaden). 4. Vereinsthema (Referent Lomnitz-Lahnstein u. Korreferent Oppenheimer-Hadamar). 5. Freie Diskussion über Vereinsangelegenheiten.

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