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Der Israelit · 1901-03-14 · Heft 21 (14.3.1901) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 21 (14.3.1901)
Date
1901-03-14
Page
– (sequence 28)
Language
German
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503 Aus dem Geschäftsbericht deS ersten Vorsitzenden geht hervor, daß die vor Jahresfrist in's Leben getretene Pensionskasse des Vereins — Dank der Bemühungen der Wiesbadener und einiger auswärtiger Kollegen — bereits über einen bedeutenden Fonds verfügt. Ein von ihm (Traub) ausgefertigter, an die isr. Einwohnerschaft Wiesbadens bezw. Nassaus gerichteter Aufruf, der diese zu freiwilligen Beiträgen zur neugegründeteu Pensionskasse aufforderte, habe einen über alle Erwartung günstigen Erfolg erzielt. Fast nahezu 200 Mitglieder der isr. Gemeinde Wiesbadens, der sich auch eine Anzahl Auswärtiger anschlosien, sind der Pensionskasie als außerordentliche Mitglieder beigetretcn, die sich zu jährlichen Beiträgen von annähernd 2000 Mk. verpflichteten. Eine nicht zu unterschätzende weitere Summe sei der Pensionskaffe durch einmalige Zuwendungen zugeführt worden. Der unantastbare Fonds verfüge bereits über ein Kapital in der Höhe, daß der Bestand der Kaffe nicht allein als gesichert betrachtet werden kann, sondern diese auch in den Stand setze, schon vom nächsten Jahre ab oorkommendenfalls jährliche Nuhegehälter bis zum Betrage von 250 Mk. bieten zu können. Wenn man nun berücksichtige, daß die ordentlichen Mitglieder jährlich nur 5 Mk. Beitrag zu leisten haben, daß der Verein eigentlich erst seit zwei Jahren in's Leben getreten sei, so könne die Leistungsfähigkeit desselben geradezu als einzig dastehend bezeichnet werden. Tie von ihm — er dürfe dies wohl sagen — mit aller Sorgfalt und Vorsicht eniworfenen Vereinssatzungen seien schon in der am 10. Juni v. I. stattgefundenen Generalversammlung zur Begutachtung vorgelegt worden, und er habe damals schon die Befriedigung gehabt, daß sämmtliche von ihm aufgestellte Paragraphen, ohne irgend welche wesentliche Abänderungen, gutgeheißen und bestätigt worden seien; er habe inzwischen eingetretener veränderter Verhältnisse halber noch weitere zwei Paragraphen eingefügt, und bitte hierzu um so dringender um die Zustimmung der Versammlung. als dieselben vermögensrechtliche Fragen berühren. Die Vereinssatzungen habe er einem anerkannten Nechtskundigen zur Begutachtung vorgelegt und dieser habe sie als mit den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches übereinstimmend befunden. Er werde sie nunmehr redaktionell ausarbeiten und sie dem Wiesbadener Amtsgericht zur Eintragung in's Pereinsregister einreichen; ist diese erfolgt, so wird jedem Mitgliede ein Exemplar der im Druck erschienenen Vereinssatzungen zugestellt werden. Im weiteren Verlauf seines Jahresberichts spricht der Vorsitzende den drei Herren Bezirks-Rabbinern den Dank dafür aus, daß sie mit so vielem Interesse die Bestrebungen der nass, israelitischen Lehrer, fördern und ihnen ein so hohes Maß von Wohlwollen entgegenbringen. Schließlich gab er dem Wunsche Ausdruck, daß gegenseitige Achtung und Brüderlichkeit die Mitglieder des israelitischen nass. Lehrervereins beseele, daß sie alle von bem Gedanken einheitlichen und solidarischen Zusammenwirkens geleitet sein möchten. Mit diesem Wunsch erklärte er die Versammlung für eräisnet. Nach Beendigung des Jahresberichts, dem die Versammelten mit gewannter Aufmerksamkeit folgten, ergriff Koll. K a tz e n st e i n - Schierstein das Wort und sprach dein Vorsitzenden wie auch dem Gesammtvorstande seine Anerkennung aus für die umsichtige und mübevolke Leitung der Vereinsgeschäfte und für die Verdienste, die sie sich uin den Verein erworben. (Als Zeichen der Zustimmung erhoben sich die Mitglieder von ihren Sitzen.) Hierauf tverden die Vereinssatzungen nochmals durchberathen und cn bloc angenommen. Bevor nun das Verbandsthema bezw. das Referat zum Vortrag und -,ur Besprechung gelangte, äußerte sich insbesondere Herr Dr. S i l b e r st e i n in meisterhaiter logischer Rede über das Wesen, die Bedeutung und Ziele der jüdischen Lehrerkonferenzen. Seine geistreichen Ausführungen ließen sowohl een gewandten Redner, als auch den trefflichen Pädagogen erkennen; seine fachmännischen Erläuterungen machten einen erbebenden überzeugenden Eindruck auf die gesammte Zuhörerschaft, und durch seine gedankenreichen Worte verlieb er der Versammlung sozusagen eine gewisse Weibe. Das Verbandsthema lautete: Soll die systematische Religionslehre in der Volks- und Religionsschnle als besonderer tinterrichtsgegenstand behandelt werden? Der Reftrent (Eavell-Wiesbaden) erledigte sich seiner Ausgabe mit außerordentlichem Geschicke und fachmännischer Gewandtheit. Seine Arbeit ist aber um so mehr anzuerkennen, als er nur wenige Tage vor stattgefundcnw (si-'neralversammlung mit der Ausarbeitung des Nestrates betraut worden war. Er vertrat in seinem Vortrag: die Ansicht, daß man wohl systematische Re- '.igionslebre im Anschluß an die übrigen Fächer, wie Gebetübersetzen, Pentateuch oder Bibl. Geschichte ertbeilen tonne, dieselbe aber nicht als besonderen Unterrichtsgegensiand behandeln soll. Als Grundlage zu diei'en' Snsieni empfiehlt er als geeignet, nachdrücklichst den Leitfaden von Dr. Silberstein. Fast sämmtliche Mitglieder betheiligten sich an der an den Vortrag sich anschließenden Diskussion, in die auch die antvesenden Herren Bezirksrabbiner lebhaft eingriffen. In erschöpfender Ausführung besprach insbesondere Dr. Silberstein die historische Entwickelung des systematischen Religionsunterrichts. Als Thesen gingen im Anschlüsse an die Capell'schen Anträge hervor: 1) Der Religionsunterricht ist dem Schüler in Anlehnung an die übrigen Unterrichtsfächer planmäßig unter Zugrundelegung eines Leitfadens (von Dr. Silbersteink zu übermitteln. 2) Auf der Oberstufe soll in

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