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Der Israelit · 1901-03-14 · Heft 21 (14.3.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 21 (14.3.1901)
Date
1901-03-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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493 Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 1.1. Marz. Das „Centralkomitee der Bereinigten jüdiscyen Gerneinden des heil. Landes in Jerusalem" senvet uns einen dringenden Aufruf zur kräftigen Unterstützung für das kommende Peßachsest. In Folge der noch immer herrschenden Krankheiten sei die Noth auf's höchste gestiegen. Wir schließen uns dieser Bitte an und hoffen, daß schleunigst zahlreiche Spenden eingehen werden. Mühlhausen i. E., 6. März. Vor ungefähr einem Jahrzehnt faßten einige Männer den löblichen Entschluß, im Hause des verehrten Herrn Jaques Mayer hier einen Gemoroh-Schiur in's Leben zu rufen. Herr Rabbiner Schiiler in Vollweiler hat auf deren Ansuchen sich als Lehrer erboten. Trotzdem dieser Schiur aus Rücksicht für einige Theilnehmer, die während der Woche geschäftlich verhindert sind, nur an Sonntag Nachmittagen stattfinden konnte, hatten wir doch das Glück, am letzten Sonntag den „Sium" von mip rrcs zu veranstalten. Diese Feier fand im Hause des Herrn Bloch-Dreyfuß in würdiger Weise statt. Gegen 4>- Uhr versammelten sich die Theilnehmer des Schiur und dessen ehrwürdiger Rabbi, um den Traktat res* zu vollenden und pr~ zu beginnen. Nach Vollendung des Abendgottesdienstes wurde unserem allverehrten Lehrer als kleine Anerkennung ein prachtvoller Sessel, nebst Widmungsurkunde in unserer heiligen Sprache verfaßt und von allen Schiur- Mitgliedern unterzeichnet, überreicht. Bei dem darauf folgenden Festessen begrüßte der Gastgeber die Gäste im Allgemeinen und insbesondere drückte derselbe Herrn Rabbiner Schüler im Namen Aller den herzlichsten Dank aus, daß er es niemals versäumt, bei Regen und Sturm, bei Wind und Wetter, uns Gelegenheit zu geben, seinen klaren Vortrag über k-e; nicht nur, sondern auch sein reiches und erprobtes in allen Theilen unserer Thora zu Theil werden zu lassen. Wahrlich, das Wissen des Herrn Rabb. Schüler wäre würdig, einer größeren Gesellschaft, als wir es leider sind, gewidmet zu werden. Sodann hielt unser hochgeehrter Rabbi eine längere, tiefdurchdachte Rede, die alle Anwesenden zu einer wahren Begeisterung hinriß. Herr Rabbiner B l u m von hier führte aus, wie sehr es ihn freue, daß in hiesiger Gemeinde sich noch Männer fänden, die die alttraditionelle Fahne noch hoch hielten und zeigten, daß die Thora auch in Mülhausen noch gepflegt wird. Herr Dr. Meyer, eines der eifrigsten Mitglieder unserer Chewrah, sowie noch andere Herren brachten mit Beifall äufgenommene Toaste aus. Es war bald Mitternacht, als sich die Gesellschaft mit dem Bewußtsein, einen herrlichen Abend zu Ehren unserer heil. Thora verlebt zu haben, trennte. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redakteur, noch den Wunsch auszusprechen: Möge es Gott geben, daß es unserem hochverehrten Lehrer Herrn Schüler, sowie allen Theilnehmern vergönnt sein möge, die kommende ppn 'L2 in gleicher Gesundheit zu lernen und zu vollenden, wie nrtpN‘2: und möge sich die Gesellschaft noch vergrößern. fex pn?.t min b'^nb.7 O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien. Einen erfreulichen Gegensatz zu den Vorgängen in der deutschen Fortschrittspartei bieten jene im Polenclub. Dort hat der Obmann Ritter von Jaworski die Mitglieder mit folgenden Worten begrüßt: „Wir sind treue Söhne unseres angestammten Glaubens, nur lieben unsere Kirche mit treuem Herzen, aber begrüßt seien in unserer Mitte unsere Parteigenossen fremden Glaubens. Dieser darf kein Hinderniß für die staatsbürgerlichen Rechte bilden." Es wäre freilich zu wünschen, daß auch innerhalb der galizischen Landesgrenzen die Thaten der herrschenden Partei und der von ihnen abhängigen bureaukratischen Organe den erleuchteten Worten des Polenführers entsprechen. Budapest. Der „Pester Lloyd" schreibt: „Im abgelansenen Jahre war die Zahl Derjenigen, die den jüdischen Glauben verlassen haben, eine große. Beim Rabbiner Dr. Samuel Kohn haben nämlich 144 Erwachsene ihren Austritt aus dem Verbände der jüdischen Konfession angezeigt, welche Ziffer die Höhe von 200 erreicht, wenn auch die minderjährigen Kinder hinzugerechnet werden. Unter den Uebergetretenen befinden sich zumeist Ministerialbeamte, Lehramtskandidaten und Studirende. Nur einen geringen Bruchtheil der obigen Ziffer bilden Jene, die sich keiner Konfession anschlossen, sondern als konfessionslos sich erklärten. Letztere rekrutirten sich zumeist aus der Klasse der kleinen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Brovy, 6. März. Am 13. v. Mts. erblaßte am jüdischen Firnramente ein Stern erster Größe, eine Leuchte Israels, das geistige Oberhaupt unserer Gemeinde. Herr Oberrabbiner Jsak C h a j e s hauchte nach kurzem Leiden im schönsten Mannesalter seine reine Seele aus. Dieser in Gott verklärte, conservative gotterleuchtete Rabbi war eine der größten talmudischen Autoritäten der Gegenwart. Es gab keine spezifisch jüdische Frage, an deren Lösung er nicht irgendwie Antheil genommen hätte. Als geistiger Leiter der hiesigen Orthodoxen hielt er einerseits fest an den Satzungen des jüdischen Glaubens und trat kräftig ein, wenn sie gefährdet waren, anderseits war er nicht abhold der modernen Bildung, die er selbst im reichsten Maße besaß. In der Gemeinde hatte er eine sehr einflußreiche Stellung, er stand an vielen gemeinnützigen und wohlthätigen Instituten obenan. Daher erfreute

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