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Der Israelit · 1901-03-14 · Heft 21 (14.3.1901) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 21 (14.3.1901)
Date
1901-03-14
Page
– (sequence 20)
Language
German
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494 er sich auch des vollsten Vertrauens seiner Mitbürger, unter denen er lebte und wirkte. Wie sehr der Verblichene stch die Sympathien, die Hochachtung und Werthschätzung der hiesigen Bevölkerung erwarb, zeigte das imposante Leichenbegängniß, an dem sich Hoch und Nieder betheiligten, die gesammte jüdische Bevölkerung, die Stadtrepräsentanten, die Vorsteher der Aemter, ohne Unterschied der Konfeffion. Im Trauerhause sprach der Schwager des Dahingeschiedenen, Herr Alter S ch a p i r e, herzergreifende Worte des Abschiedes. Hieraus setzte sich der großartige Leichencondukt zuerst nach der großen Synagoge in Bewegung, wo Se. Ehrw. Herr Rabbiner S ch m e l - k e s aus Lemberg eine tiefergreifende Trauerrede hielt; hier sprach auch ein zweiter Rabbiner und ein noch in jugendlichem Alter stehender Sohn des Verklärten. Auf dem Wege zum Gottesacker wurde bei dem Gebäude der Talmud-Thora angehalten, deren Freund, Beschützer und Förderer der Verblichene seit Jahren war, und wieder ward von einem auswärtigen Rabbiner ein Hesped gehalten. Ein Gleiches geschah auch beim Vorübergehen an den Thoren eines Bethauses. Am offenen Grabe sprach noch im Namen der Kultusgemeinde ihr würdiger Präsident, der allgemein geachtete Herr Lasar Bloch, und gab dem vielseitigen Schmerze durch einen rührenden, tiefergreifenden Nachruf Ausdruck. In der ganzen Stadt waren die Handlungen gesperrt und in den Straßen brannten florumhüllte Laternen; es war ein Tag der Trauer für unsere Stadt. Möge diese so große, innige Theilnahme der trauernden Familie, den tiesbetrübten Angehörigen Troll gewähren. Das Andenken des Frommen bleibe uns in Ewigkeit zum Segen, er ruhe sanft in Frieden! Amerika. Newvork, 25. Febr. Soeben komme ich von der Kcdächtnißfeicr, die von einigen hiesigen orthodoxen Gemeinden zu Ehren des leider dahingeschiedenen sel. Barons E. W. v. Rothschild abgehalten wurde, zurück. Die sehr eindrucksvolle Feier fand in der Synagoge der Gemeinde Zichron Ephraim (Weil's Schul) statt. Reden wurden gehalten von Herr Rabbiner Dr. M a i s n e r von der Adath Jsroel (69. Straße) in Deutsch, Herrn Rabbiner Dr. Drachmann von der obengenannten Gemeinde und Herrn Rabbiner Dr. H. Pereira Mendes, dem Chacham der portugiesischen Gemeinde Scheerith Israel, in Englisch und schließlich von dem berühmten Jargonredner Dr. Marslinskv in Mammeloschen, wie er sich ausdrückt. Betont wurde von den ersten drei Rednern insbesondere die Frömmigkeit und die Pflichttreue des Verstorbenen, sowie der außerordentliche Werth, den ein solches Beispiel für die Mitwelt hat. Dabei mußten die Herren Redner von Gott ein gleich hervorragendes Exempel für die hiellge Jugend erbitten, um ihnen stets und ständig den Werth des Gesetzesstudiums und der Sabbatheiligung vor Augen zu führen. — Herr MatSlinskv gedachte inbesondere der stets bereiten Hand des verstorbenen Barons, in dem er sich an den Text der Mischnah in nxs hielt, die von dem mit Namen gekannten Oelbaume spricht, bei dem --zv niemals angeht. Ein solcher Oelbaum, dessen Frucht stets vom Del? triefte und c%z'x: revc. dessen Thaten stets gut und rein waren, und schließlich der stets nahe bei der Kelter gestanden, dessen Hülfsbereitschaft für die Verfolgten und Zertretenen sprichwörtlich war — wird und soll niemals vergessen werden. Herr L u b l i n s k y , der Cantor der Zichron Ephraim, schloß die Feier mit einigen entsprechenden hebräischen Gebeten. Außer den genannten Gemeinden betheiligten sich noch die alte deutsche Gemeinde Orach Ehaim von der 61. Straße und Kehal Jeschurun Peikes (82. Straße) Schul an der Feier. Zn unserem Bilde. Mit dem Ruhm des Wiener Hofburgtheaters ist der Name des großen Schauspielers Adolf Sonne n t h a l s , des genialen Vertreters sogenannter Salonrollen, in denen er Vollendetes geschaffen, der im modernen Schau- und Lustspiel durch seine meisterhafte Darstellung dem jüngeren Geschlechte voranleuchtet, auf's Innigste verknüpft. Es hat wohl wenige Schauspieler in alter und neuer Zeit gegeben, die ein so mannigfaltiges Repertoir aufzuweisen hatten, als er. aber seine Meisterrolle ist stets „Nathan der Weise" geblieben. Es ist Sonnenthal wahrlich an der Wiege nicht vorgesungen worden, daß er einst ein gefeierter Menschendarsteller werden und Dank seiner klassischen Leistungen sogar in den Adelstand erhoben werden würde, denn er war ursprünglich für das Schneiderhandwerk bestimmt, indem er — geboren 1834 in Budapest — in Folge plötzlicher Verarmung seiner Eltern das ehrsame Metier eines Kleiderkünstlers ausüben mußte; aber Bogumil Dawison, der das große Talent Sonnenthals rechtzeitig erkannte, wies ihm die rechte Bahn, die zu den Höhen des Erfolges und Ruhmes führen sollte. Es sei hier noch bemerkt, daß Sonnenthal sein Talent stets in der uneigennützigsten Weise in den Dienst der jüdischen Wohlthätigkeit gestellt und sich nie geweigert hat, bei entsprechenden Veranstaltungen mitzu wirken. In jüngster Zeit hält er in der Wiener jüdischen Museumsgesellschaft öfters Vorträge. Literarische Notiz. „Zeit-Lexikon" nennt sich ein neues, originelles und durchaus zeitgemäßes Unternehmen, das vom Februar d I ab in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinen wird. Es soll in jedem Monat in lexikali cher Anordnung alles zusammenfassen, was sich aus fämmtltchen Gerieten des modernen Kulturlebens während des betreffenden Monats an Bedeutendem und Wissenswertem ereignet.

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