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Der Israelit · 1901-03-14 · Heft 21 (14.3.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 21 (14.3.1901)
Date
1901-03-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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484 WMWWWWWWMWWWWWM Dieser Umstand ist der Kernpunkt, der uns lediglich bestimmt, auf diese Publikation zurückzukommen. Als oor einigen Jahren die Dreifuß-Affaire V'Xju,- war und die Erregung der Gemüther in Gehastia-citen, Zurücksetzungen und Vergewaltigungen v'n Juden und des Judenthums in Paris und in ganz Frankreich zum Ausdruck kam, damals glaubten wir einen Augenblick, daß diese schmerzlichen Erfahrungen voie nichrs sonst geeignet sein dürften, eine Wendung \’\m Besseren innerhalb der französischen Judenheit anzubahnen. Es fehlte auch nicht an einer Anzahl von Aeußerungen u. sonstigen Symptomen, welche für diese Annahme sprachen und wir gaben derselben in einer Reihe von Aufsätzen in Nr. 92 ff. des vorigen Jahrgangs Ausdruck. Die unter so günstigen Ausspicien angebahnte Wendung zum Besseren ist jedoch in Wirklichkeit nicht über die ersten Anfangsstadien hinausgekommen und ist dann spurlos im Sande verlaufen. Die trüben Erfahrungen waren nicht intensiv genug, um die französische Judenheit zur Besinnung zurückzuführen. Aus dem kleinen Kreise der Bekenner des orthodoxen Judenthums in Paris liegen uns Aeußerungen vor, welche im Hinweis aus die Fälschung der jüdischen öffentlichen Meinung, wie sie in den erwähnten „Unioersartikeln" versucht wird, gänzlich an einer Wendung zum Bessern verzweifeln. Je begründeter diese Befürchtung auch sein mag, um so gebieterischer tritt an die ';*cx wwL? in Paris die Pflicht heran, für unsere verrathene, heilige Sache den Handschuh aufzunehmen, den Leidenschaft, Leichtsinn und Unwissenheit ihr täglich auf's neue hinwerfen. Sie haben lange genug, gewiß schon zu lange, auf die Impulse, Entschließungen und Maßnahmen gewartet, welche etwa höheren Orts zur Rettung des Judenthums in Frankreich geplant werden. Von dieser Seite wird man, wie die Dinge liegen, auf unabsehbare Zeit keinen Schritt erwarten dürfen, welcher die schwindende Lebensseele dem jüdischen Volkskörper in Frankreich erhalten wird. Der Geist des Leichtsinns und Abfalles, wie er sich in diesen Betrachtungen breit macht, eignet sich schlecht zur Erhaltung und Regenerirung des bedrohten Judenthums in Frankreich. Man wird diesen destruktiven Geist durch keine Widerlegungen und Abhandlungen, iiberhaupt nicht durch papierne Thaten und bloße Worte hintanhalten. nvvQ bti-o Yen |'x. Nicht das Wort, die That, die lebendige, begeisterte und begeisternde That wird allein die Kraft besitzen, dem Abfall mit Erfolg entgegenzutreten, der täglich größere Dimensionen innerhalb der französischen Judenheit annimmt. Was die Treuen thun müßten, die treu zu Gottes heiliger Sache stehen, welche von der großen Masse in Hellen Haufen verlassen wird? Dasselbe, was sie auch thäten, wenn sie sich in irgeno einein Dorfe zusammenfänden, in welchem außer ihnen keine jüoische Seele athmet, welcher der Ernst der Zeit zu Herzen geht. Sie müßten sich, wie viele oder wenige ihrer auch sein mögen, zu einem Verein, einer Gesellschaft, einer jüdischen Gemeinde konstituiren, welche alle für ein jüdisches Gemeinwesen erforderlichen Institutionen schafft, und zwar vollständig unabhängig von den bereits bestehenden Einrichtungen der Pariser jüdischen Gemeinde. Was die Treuen schreckt, das ist ihre Winzigkeit, ihre materielle Schwäche, ihre geringe Zahl und Leistungsfähigkeit im Vergleich zu dem Gemeinwesen, von dem sie sich lossagen und dem sie mit der ganzen Ueberzeugung ihrer Seele und dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft entgegentreten müßten. In dem Augenblick, in welchem die Hohlheit dieser materiellen Scheingröße in ihrer ganzen Nichtigkeit erkannt und gewürdigt wird, ist der Grundstein für die Belebung und Erstarkung des orthodoxen Judenthums in Paris gelegt. So lange aber der Respekt vor der bundesbrüchigen Masse und ihren Wortführern jede entschiedene Regung zum Besseren im Keime erstickt, so lange ist und bleibt unsere heiligste Angelegenheit bei ihren eigenen Anhängern verlassen und verrathen. Ein gesetzestreues, von Gottesfurcht durchdrungenes Minjan genügt, um den Kamps aufzunehmen und ihn siegreich zu Ende zu führen. Wie die Dinge in Frankreich heute liegen, so lagen sie vor 30, 40 und 60 Jahren in vielen großen Gemeinden Deutschlands. Die Trennung selbstständige Constituirung gesetzestreuer Minoritäten war es und ist es, die ihnen überall den Sieg errungen und die Möglichkeit geschaffen haben, in ihrem kleinen Kreise wenigstens die Zukunft des Judenthums zu retten. Die gesetzestreuen Elemente in Paris sollten sich die Rührigkeit der Feinde unserer Thora zum Beispiel nehmen. Sie sollten, ohne einen Gegner anzugreifen, ohne irgend Jemand wegen seiner religiösen Ansicht zu verdächtigen und zu bekämpfen, sich einander anschließen und eine streng-orthodoxe Gemeinde bilden, einen geeigneten geistigen Führer dafür berufen und Hand in Hand mit demselben alle Schritte und Wege thun, um ihr gefährdetes Judenthum sich und ihren Kindern zu erhalten. Wie klein auch die ersten Anfänge sein mögen, wie wenig auch das zählige Häuflein dpt Treuen dem großen Troß imponiren möge, Gottes Allmacht ist keine Minorität zu klein und unansehnlich, um ihr segnend, schützend und stützend zur Seite zu stehen. Eine solche mit reiner Gesinnung und reiner Hand vollzogene Trennung wird in Paris dieselben Wunder bewirken, auf welchen die ähnliche Bestrebungen in Deutschland zurückblicken dürfen. Aber diesen ersten Schritt zur wackeren That müssen die gesetzestreuen Jehudim in Paris selber thun. Sie müssen mit der Begeisterung, welche die Ge-

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