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Der Israelit · 1901-03-14 · Heft 21 (14.3.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 21 (14.3.1901)
Date
1901-03-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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481 Die Herren p"-x wie auch die Geschäftsstelle des „Israelit" werden zur Uebernabme von Spenden gerne bereit sein oder können solche direkt an den Vorstand der Doresch Zion und Blumenthals-Schule gesendet werden. R. Feuilleton. eim M inist er. Von Wobert Känkein. 13s Ermutbigt durch dieses herablassende Entgegenkommen schilderte nun Bensew die Verhältniffe und Zustände fast mit denselben Worten, wie er es Tags vorher bei dein Herrn Konsistorialpräsidenten gethan hatte und schloß mit der Bitte, die Synagogenordnung einer rabbinischen Autorität zur Begutachtung zu unbreiten und diesem Gutachten gemäß über den Entwurf zu entscheiden. Der Herr Minister war den Ausführungen Bensew's mit sichtlicher Aufmerksamkeit gefolgt und hatte ihn oft durch Fragen und Bemerkungen unterbrochen, aus welchen Bensew das Interesse des Ministers für den Gegenstand der Unterredung folgern durfte. „Könnt Ihr mir einen Rabbiner nennen, mit dessen Urtheil Ihr Euch zufrieden gebt?" fragte darauf der Minister. „Wenn das hohe Ministerium das Gutachten von Rabbiner Samson Raphael Hirsch, dem früheren Oberlandesrabbiner von Mähren, jetzigem Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. einholen wollte, so wäre meine gehorsamste Bitte vollkommen erfüllt." „Run, dann reicht mir Euer Anliegen schriftlich ein und ich werde dann meine Entscheidung treffen. Ihr seid entlassen." Bensew kehrte direkt zu seinem Gönner, dem Herrn Conststorialrath Schellenberg zurück und berichtete ihm genau den ganzen Verlaus der Unterhaltung, die etwa L0 Minuten gewährt hatte. Er unterdrückte die gewichtigen Bedenken über den Erfolg seiner Sendung nicht, und sagte seinem Beschützer geradezu, daß er sich den Ausgang der Sache anders und zwar besser gedacht hätte, nachdem er einen so einflußreichen Fürsprecher in der Person des Herrn Prälaten gehabt habe. Dieser aber erwiederte lächelnd: „Ihr habt wohl geglaubt, daß der Minister auf Ihre Darstellung hin das ganze Vorsteheramt mit dem Landrabbinat in die Luft sprengen würde?" „Das glaubte ich nicht, aber daß Se. Excellenz in so verbindlicher, anerkennender Weise über diese Behörden und einzelne ihnen angehörende Persönlichkeiten sich äußern würde, das hat mich unangenehm überrascht. Ich wäre dieser Auffaffung ganz entschieden entgegen getreten, wenn Ihre Ermahnung nicht gewesen wäre, mir keinerlei Widerspruch zu gestatten." „Da habt Ihr gut daran gethan. Der Minister wollte Euch gegenüber seine Unbefangenheit feststellen, damit es nicht den Anschein hat, als ob er aus persönlicher Abneigung gegen die Mitglieder dieser Behörden Euch zu Willen sei. Dieses Lob ist für den, der Se. Exeellenz kennt, der beste Beweis, daß er Euren Wunsch voll und ganz erfüllen wird. Verlaßt Euch darauf und seid unbesorgt." „Run habe ich noch das schwere Bedenken mit der schriftlichen Eingabe. Ich kann sie nicht aufsetzen, unser Herr Rabbiner muß die Hand frei haben und darf üch daher in den Hanoel nicht mischen. Einen hiesigen Advokaten will ich damit nicht betrauen, weil ich dann nicht sicher bin, ob er verschwiegen genug ist; vielleicht falle ich gerade einem in die Hände, der mit den Herren, die ich bekämpfen muß. auf besonders gutem Fuße steht, das wäre schlimm!" „Ei," erwiederte der Herr Prälat, „da ist leicht Rath geschafft. Die Eingabe muß Euer Pfarrer aufsetzen und abschreiben, dann unterschreibt Ihr sie und schickt sie sobald als möglich an das Kurfürstl. Staatsministcrium. Das ist Euch Euer Pfarrer schuldig, und wie ich ihn taxire, wird er sich glücklich schätzen, diese Dankesschuld abzutragen." „Ew. Eminenz treffen immer das Rechte. Unser Herr Pfarrer ist in der That am besten dazu geeignet und er thut es gern; das weiß ich. Run aber, ehrwürdiger Herr, nehmen Sie meinen innigen Dank für die große Gnade und Herablassung hin, die Sie mir erwiesen haben. Möge der himmlische Vater alle die heißen Segenswünsche zum Guten erfüllen, die ich für Ihr Wohl zum Himmel emporsende. Ich verabschiede mich mit den Worten aus Ruth: „Möge Gott dein Wirken vergelten und möge dein Lohn vollkommen sein, von Gott, dem Gotte Israels!" „Amen!" sagte der Herr Konsistorialpräsident, drückte Bensew warm die Hand, und mit der Bitte, ihn jederzeit wieder aufzusuchen, wenn er seiner bedürfe, ließ er Bensew seines Weges ziehen. Bensew eilte leichten, geflügelten Schrittes seinem Dorfe zu, brennend vor Verlangen, dem Freunde Alles zu erzählen, was er Merkwürdiges in den zwei jüngsten Tagen erlebt hatte. Der Herr Pfarrer wartete schon den ganzen Rachmittag ungeduldig auf die Rückkehr des Freundes, und als derselbe immer noch nicht kam, ging er ihm entgegen, getrieben von dem Verlangen, alles, was sich zugetragen, sobald als möglich zu erfahren.

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