Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-03-11 · Heft 20 (11.3.1901) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 20 (11.3.1901)
Date
1901-03-11
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449167--52882-2503444
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 alles? Von den armen Gliedern der wahren Christen, die den Neuchristen wenig oder gar nichts nehmen. Die Waise weint, die Witwe schreit, alle Glieder gedeihen nicht; warum? Weil der Magen, der jüdische Händler, Richter oder Advokat sich vollgestopft und ihnen allen das Mark ausgesogen hat. Philon der Jude sagt von ihnen, dass sie dem Vicekönig Pilatus glichen, der Christus verurteilte; von diesem aber sagt er, er sei so geldgierig gewesen, dass er alles für Geld verkaufte: Gerechtigkeit, Aemter, Schmach und sogar den Tod. — Und ich frage: wie können die armen Glieder wieder zu ihrer Kraft kommen und zu ihrem früheren Wohlstand? Da gibt's kein anderes Mittel, als den Magen zu reinigen.“ — Weiter heisst es: „P. Gregorio in der 10. Predigt über die Evangelien sagt von ihnen, dass sie von hartem Herzen sind, härter als die Elemente. Und er beweist dies, indem er sagt, dass der Himmel seinen Herrn kannte, indem er ihm einen Stern entgegenschickte; das Meer erkannte ihn an, denn es liess sich von ihm betreten; ebenso die Erde, denn als der Heiland starb, erbebte sie. Die Sonne versteckte ihre Strahlen, die Wände bekamen Risse bei seinem Tode, und sogar die Hölle gab ihre Toten zurück. 8. Cypriano sagt, die Welt hätte die jüdische Treulosigkeit nicht dulden können und die Elemente hätten mehr Gefühl gezeigt als sie, die doch ihrer Natur nach mitleidiger hätten sein sollen. Sie haben die Bosheit ihrer Väter geerbt und sind gerade noch wie diese.“ Die Anklage, dass die Juden den Stifter - des Christentums gekreuzigt hätten, bildet überhaupt eines der wichtigsten Argumente gegen sie, das widerholt hervorgehoben wird. Hier ist der Gewährsmann des glaubenseifrigen P. Francisco ein jüdischer Rabbiner, Carrafa, der zum Christentum übergetreten war. Dieser widerspricht der Behauptung der Juden, dass die Römer jenes Urteil gefällt und vollzogen hätten. Nein, sagt er, die Juden waren es, und alle zwölf Stämme waren dabei (!). Der gelehrte Mann führt sogar wörtlich das Urteil an, das man im Jahre 1580 in Aquileja fand. Man entdeckte es auf wunderbare Weise inmitten eines wunderschönen Steines; in diesem Stein waren zwei Kästchen, eines aus Eisen, und in diesem eisernen ein anderes von sehr feinem Krystall, worin der Urteilsspruch in hebräischer Sprache auf Pergament geschrieben zu lesen war. Als Zeugen des Urteils sind unterschrieben: Vertreter der römischen Behörden, der Pharisäer (!), des Hohepriesters und der 12 Stämme Israels! Dass es damals gar keine gesonderten 12 Stämme Israels mehr gab, stört diesen Historiker ebensowenig, wie die? Merk Würdigkeit, "dass die Pharisäer neben den römischen Behörden figuriren. Dass übrigens derartiger Unsinn wie die Auffindung eines^solchen Urteilsspruches in Aquileja geglaubt wurde, kann uns durchaus nicht wundern, wenn wir sehen,' was die'Antisemiten heutzutage dem Glauben ihrer Leser zumuten. Also die Juden sind es gewesen ,$jdie|ihn kreuzigten und ihm den Tod gaben, und’deshalb, so fährt der Verfasser^nun fort,' liegen'folgende Flüche auf den 12 Stämmen: „Die vom Stamme^ Juda'waren es, welche unseren Herrn verrieten, und deswegen sterben 30 von diesem Stamme »jedes Jahrg auf hinterlistige Weise, weil sie alle Verräter sind. Die vom Stamme Reuben nahmen ihn im Garten gefangen und haben deshalb den Fluch auf sich, dass,Halles,^ was sie säen,?'vertrocknet und nicht zum Vorschein kommt. Deswegen ist keiner von ihnen Landarbeiter oder Gärtner. Sie sind nur in den Aemtern der Väter* als Kaufleute etc. thätig. Ein"weiterer^Fluch| ist, dass, wenn sie tot und begraben im Felde^liegen, wie es unter ihnen Gebrauchest, und^man jungfräuliche Erde sucht, die noch nie bebautest, man gefunden hat, dass auf ikren^Gräbern»nie etwas wächst, wenn^es*auch~*gesät ist. Die vom Stamme (Gad fsetzten ihm« die Dornenkrone auf, und’15 Dornen drangen ihm ins Gehirn und in die Rückseite des Halses. Allen aus diesem Stamme entstehen in jedem Jahre am 25. März vom Morgen bis zum Abend an ihrem Körper 15 schmerzhaftes Wunden, die den ganzen Tag bluten. Aus dem Stamme Ascher war derjenige, der dem Heiland ins Gesicht schlug, und alle von diesem Stamme haben den rechten Arm um eine Handlänge kürzer als den linken, und die Hand und die Finger sind verwachsen und verkrüppelt. Die vom Stamme Naphtali brachten ihre Kinder in einen Schweinestall, und als man Christus gebunden aus dem Hause des Kaiphas brachte, sagten die Juden zu ihm, er mochte doch prophezeien, wer in diesem Stalle sei. Sie thateu dies, um sich über ihn lustig zu machen. Er aber erwiderte ihnen: Es sind eure Kinder. Darauf sagten sie: Nein, es sind nur Schweine, worauf er antwortete: Gut, wenn es Schweine sind, so sollen sie Schweine sein. Und plötzlich verwandelten sie sich in Schweine, liefen nach einem See und ertranken alle darin. — Deshalb nun kommen alle, die zu diesem Stamme gehören, mit vier Fangzähnen wie die Schweine auf die Welt. In Rom, sagt Carrafa, sah ich einen Mann, Joseph genannt, der Fangzähne wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.