Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-03-11 · Heft 20 (11.3.1901) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 20 (11.3.1901)
Date
1901-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449167--52867-2503429
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

466 X. Verwundert schauten sich die Cavaliere an, als der zuletzt eingetretene, unscheinbare Jude vom Lande zuerst zur Audienz befohlen wurde. Niemand aber war von dem Rufe mehr verwirrt und betroffen, als Bensew selber. Knoten und Schleife seines Halstuches waren noch immer nicht in Ordnung, ja sie hatten widerspänstigere Formen als je angenommen, als just der Ruf erscholl, der ihn vor den Minister lud. Obwohl er nur ein paar Schritte bis zur geöffneten Thüre des Arbeitskabinettes hatte, blieb ihm doch Zeit und Muße genug, an alles Mögliche und Unmögliche zu denken, die Audienz ausgenommen, zu der er nunmehr zugelaffen war. Zunächst svann er den Gedanken weiter, der sich ihm schon beim Eintritt in das Vorzimmer aufgedrängt hatte, daß nämlich diese Welt einem solchen Vorzimmer gleiche und daß der Eintritt in den Empfangssaal dem durch den Tod vermittelten Uebergang in die Ewigkeit entspreche. Der unerwartete plötzliche Ruf, der ihn vor den Minister so rasch beschied, daß er nicht einmal sein Halstuch mehr vorher in Ordnung bringen konnte, erinnerte ihn an das Wort des Königs Salomo: „Kein Mensch beherrscht den Geist, den Geist zurückzuhalten" und auf die Erklärung, welche die Weisen des Midrasch zur Stelle geben, wonach sich die Worte auf die Todesstunde beziehen, in welcher sich der Geist vom Körper trennt, und dem Menschen kein Augenblick länger zu säumen vergönnt ist, bis er sein Haus bestellt und seine Rechnung mit dem Leben beglichen hat. Auf diese Weise dachte Bensew viel mehr an Gott und sein Walten, als an den kritischen Moment seiner Audienz und das gab ihm eine Ruhe, Festigkeit und ein sicheres Auftreten, um die ihn mancher Höfling hätte beneiden können. Seine Ercellenz der Staatsminister von Hastenvflug saß. dem Eintretenden den Rücken zuwendend, an seinen: Schreibtisch, in die Durchsicht von Akten vertieft und ließ Benseio einige Minuten warten, ohne irgend welche Notiz von ihm zu nehmen. Dann sprang er plötzlich auf, stellte sich direkt mit einem durchdringenden Blick vor Vensew hin und fragte ihn, daS Auge scharf aut ihn gerichtet, mit lauter, barscher Stimme: ..Was will Er eigentlich hier?" Beniew parirte den Blick, der unter den buschigen Augenbrauen auf ihn herniederglühte, und sprach: „Ich wollte mir die Frage erlauben, ob so ein geringer Mann, wie ich es bin, ein hohes Ministerium auf die Gefahren aufmerksam machen dürfe, welche die lurbesfische Judenheit in Folge der neu einzuführenden Sunagogen-Ordnung bedrohen?" Diese wenigen Worte hatten den Erfolg, daß der Minister seine scharfen, fixirenden Blicke sofort sistirte und in einer ganz anderen, fast väterlich milden Tonart erwiederte: „Gewiß, bei uns gilt nur Wahrheit und Recht und es ist uns daher lieb, wenn wir aufmerksam gemacht inerten. Wenn Ihr Israeliten Euren Kultus selber zu Grunde gehen lastet, so können wir ihn nicht halten." (Fortsetzung folgt.) Wochen-Galenüer Freitag, 15. März, 2t. Adar. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr7 - Min. Samstag, 16. März, 25. Adar. p-nn 's n"mc, mps Nipp. Sabbat-Ausgang in Mainz 7 Uhrwo.Mtn. — Berlin 6 Uhr 53 Min. — München 6 Uhr 58 Min. — Hannovers Uhr 07Min. — Stuttgart 7 Uhr 15 Min. — PragG UhrS50 Min. — Straßburg 7 Uhr 20 Min. — Posen 6:Uhr 41'Min. Der „Israelit" erscheint vSclieutlich iwelm»! , MoHtagi und Donnerstags, jedesmal te MiNdestes» zwei Bogen. P-.ei» pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend HSHer. Mas abonnirt ganzjährlicy. halbjährlich »dcr vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Dnchhandrl verkehrt durch V. #. Slrinackev, Leipzig, Notzplatz sö. — Inserate 25 Pfennig die viergespLltene Petitzeile »der deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direkte Francozchenduna unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Auslano 1s Marl, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 3l5. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, «an bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalteu. Stellensuchende erhalten aus Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franeo zuaesaudt. t^enfs stunden wir aus Wunsch die Zahlung deS JnsertionSbetragS an anher Stelle Befindliche biS nach Erlangung einer solche«. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Das Judenthum einst und jetzt. (Schluß.) — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a Dt. Hamburg. Breslau. Bereut. Insterburg. Stuttgart. Braunschweig. Schweiz: Genf. Personalien: Gimbsheim. Feuilleton: Beim Minister. (For'etzung.) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Ter Abfall vom Judenthum im Lichte moderner Litteratur. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Nordhausen. Blätter für jüdische Geschichte und Literatur. Verantwortliche Redactton Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.