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Der Israelit · 1901-03-11 · Heft 20 (11.3.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 20 (11.3.1901)
Date
1901-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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464 des Verblichenen in seiner Beziehung zu seiner Familie, zum Berufsleben und zur Religion. Stuttgart, 7. März. Die Finanzkommission der Kammer der Abgeordneten bewilligte debattelos den Staatsbeitrag zur israelitischen Zentralkirchenkasse mit 41,200 Mk. (wie im Vorjahre.) Infolge Beschlusses der Kammer beschäftigt sich die Regierung mit der Revision der württembergischen israelit. Kirchenverfassung. Braunschweig. Mit der Errichtung eines rituell verwalteten jüdischen Hotels in Harzburg hatte sich abermals der Verwaltungsgerichtshof zu beschäftigen. Der Kaufmann Leopold Tarlowski in Halberstadt war bekanntlich mit seinem Gesuche um Errichtung eines zweiten rituell verwalteten jüdischen Hotels in Harzburg von der Kreisdirektion Wolfenbüttel abgewiesen worden, da ein Bedürfniß hierfür nicht vorhanden sei. Rach dem Ergebnisse des in einer stattgehabten Sitzung gefaßten Beweisbeschlusses gelangte der Gerichtshof zu dem Entschlüsse, die Klage gegen den ablehnenden Bescheid der Kreisdirektion Wolfenbüttel abzuweisen. Bei Errichtung nichtjüdischer Hotels wird bekanntlich die Bedürfnißfrage gar nicht aufgeworfen. Schweiz. Gens, im März. Der Verein „lieu d'Jsrael" war am Purimabend zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war „Beschlußfassung über einen Beitrag zur Gründung eines israelitischen Waisenhauses in der Schweiz." Die Initiative zu einer solchen Gründung ging von der jüdischen Gemeinde in Basel aus. Der dortige Vorsteher, Herr Dreyfus-Reumann, schenkte zu diesem Zwecke 10,000 Fres., dessen Sohn, Herr Dreyfus- Brodsky, 16,000 Fres., eine ungenannte Dame 26,000 Francs, und nun erging an die schweizerisch-jüdischen Gemeinden eine Einladung um Mitwirkung an dem edlen Werke. Die Genfer Gemeinde hat beschlossen, wie offiziös mitgetheilt wurde, eine Summe von 2000 Fres. beizusteuern. Diese Summe wurde erhöht auf 3000 Frcs. durch Entnahmen von je 600 Frcs. aus den Kassen der Frauen-Chewrah und des obengenannten Vereins „lieu d'Jsrael." Leider hatten sich zu dieser außerordentlichen Sitzung nur zwölf Mitglieder von 120 eingefunden. Trotzdem wurde der Beschluß gefaßt. Die Schaffung eines jüdischen Waisenhauses entspricht einem wahren Bedürfniß. Bis heute mußte für solche Kinder ein Unterkommen in großen Entfernungen gesucht werden. Möge mit Gottes Hülfe das Werk gelingen und seinem wohlthätigen Zwecke in jeder Weise entsprechen. Rußland. Wilna. Eine neue jüdische Handesschule dürfte vkmnächst hier eröffnet werden. Um der durch die Maigesetze über die Juden heraufbeschworenen chronischen Schulnoth die Spitze abzubrechen, haben mehrere angesehene jüdische Männer sich zusammengethan, um aus eigenen Mitteln in Wilna eine Handelsschule zu errichten, Die, wie ihre Schwesterschulen in Warschau und Bialystok, jüdischen Schülern in unbeschränkter Anzahl Aufnahme gewähren soll. Als die zu diesem Zwecke eingesetzte .Kommission die zur Erlangung der vom Gesetze vorgeschriebenen Konzession nöthigen Schritte thun wollte, stellte es sich heraus, daß die Wilnaer Juden ihre Rechnung ohne Herrn Witte gemacht haben. Obgleich nämlich die gesammten, zur Unterhaltung der Schule erforderlichen Mittel ausschließlich von Juden aufgebracht worden sind, forderte der Finanzminister dennoch, daß die Zahl der in der neuen Handelsschule auszunehmenden Juden auf 60 Prozent beschräntt werde. Glücklicherweise gelang es der Kommission noch, die Regierung in Petersburg davon zu überzeugen, daß diese Forderung den Juden nur schaden würde, ohne dem Staate den vermeintlichen Nutzen zu bringen. Die Forderung der Regierung würde nicht den Russen, deren Zahl in Wilna kaum drei Prozent übersteigt, sondern den hier ohnehin übermächtigen Polen zu gute kommen. Beide Parteien einigten sich nun auf die Formel, welche lautet: Die Schule nimmt speziell Kinder griechisch-orthodoxer, dem Kaufmannsstande angehörender Eltern auf, und zwar solange, bis deren Zahl 60 Prozent aller freien Plätze erreicht hat. Sollten sich zufälligerweise nicht so viel Schüler dieser Kategorie zur Aufnahme in der Schule melden, so können andersgläubige Schüler an ihrer stelle ausgenommen werden. T. ■> Personalien. <■ (ttimbecheim, 6. März. Trauer und Klage herrscht in unserer Gemeinde; unsere Zierde und Krone ist nicht mehr, denn der langjährige erste Vorsteher Emil David 2. hat nach langem, schweren Leiden, im Alter von 66 Jahren, das Zeitliche gesegnet. Am Montag, 26. Februar, wurde der sel. Verblichene zur ewigen Ruhe bestattet und hatten sich zu diesem Anlaß zahlreiche Personen aller Konfessionen von Nah und Fern eingefunden, um dem theuren Todten die letzte Ehre zu erweisen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Stein aus Worms schilderte in kernhaften, inhaltsreichen Worten das Leisten und Wirken des Verstorbenen, wie er ein treubesorgter Gatte und Familienvater war, wie er mit jeder Faser des Herzens für das Wohl der jüdischen Gemeinde strebte und arbeitete. Wahrlich, ein Mann mit selten edlen Eigenschaften ist dahingeschieden, der es verstand, durch seinen ehrenhaften Charakter und seine rechtschaffene Gesinnung sich bei Jedermann, Reich wie Arm, Hoch wie Niedrig, Jude und Nichtjude, das vollste Vertrauen und größte Achtung zu erwerben. Auch auf dem Gebiete der werkthätigen Nächstenliebe war er hervorragend thätig; manche Thräne half er trocknen, und manche Wunde heilen. Möge der Allgütige der trauernden Gattin und den trauernden Söhnen Trost spenden und das Andenken des theuren Todten zum Segen gereichen lassen.

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