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Der Israelit · 1901-03-07 · Heft 19 (7.3.1901) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 19 (7.3.1901)
Date
1901-03-07
Page
– (sequence 26)
Language
German
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'453 geschmäht, wird sie von anderen wiederum als bewährtes Hilsmittel in's Treffen geführt und erhöht, das seit mehr denn hundert Jahren die Lücke ausfüllen soll, die durch das zurückegwichene, eigentliche Thorastudium entstand und in demselben Verhältniffe vorwärts schritt und sich ausbreitete, wie dieses im allgemeinen vernachlässigt wurde und abnahm und somit auf eine längst überstandene Feuerprobe zurückzublicken vermag. Fast in unseren sämmtlichen Volks- und Religionsschulen muß sich das spezielle Thoralernen auf Pentateuch und in subordinirtem Grade auf Uebersetzung einzelner Gebetsstücke beschränken, wovon ersterer zwar „theoretisch" der beste und gründlichste Lehrmeister für die sämmtlichen Zweige des Religionsunterrichtes wäre, aber leider nicht ist, noch sein kann, wie es der sel. Direktor Stern richtig ausdrückte, „weil kaum zu überwindende, didaktische Schwierigkeiten der Praxis gegen die in so schönem Bilde auftauchende Theorie energischen Protest erheben. Wo und wie ist nun die Richtigkeit, Wichtigkeit und Wahrheit zu suchen und zu finden? Um vor allem das ureigenste Sein und Wesen der systematischen Religionslehre gründlich zu erfassen, müssen wir auf den Werdegang derselben, auf die Hauptmomente deren geschichtlicher Entwickelung und Entstehung zurückgreisen, um hieraus die allein maßgebenden Lehren und Konsequenzen zu ziehen. Lassen wir den Blick des Geistes in die Ferne schweifen und verweilen wir zunächst mit kurzer Rast unter Führung der Geschichte des jüdischen Volkes von Bäck bei der Moses Mendelssohn'schen Periode, so kann dies nicht geschehen, ohne von der allseitig konstatierten Thatsache Notiz zu nehmen, daß die Schriften dieses Gelehrten einen kaum geahnten Umschwung herbeiführten. Bis dahin war man hauptsächlich bestrebt, alle Größe auf talmudischem Gebiete zu suchen, da schon die Schmach der Verachtung, die Verkennung seitens der Mitbürger, der Ausschluß von allen Aemtern, die Entbehrung gewöhnlichster Menschenrechte, die Verbannung in Ghettos, der Druck von allen Seiten den Jehudi dazu verhielten, zu seiner Welt, zum Studium seiner Lehre, zur Befolgung ihrer Gesetze mit dopelter Liebe zu flüchten, und Wonne, Trost, höchsten Lebensgenuß und Befriedigung darin zu suchen und zu finden, und wie ein goldener Faden zieht sich durch alles Rathen und Thaten, Handeln und Wandeln, Fluthen und Bluten, Dulden und Verschulden jener finsteren Zeit immer der Hoffnungsstrahl auf ein höheres Schicksal hindurch, der Glaube an jene verborgen waltende und schaltende, allgewaltige und unabwendbare Macht, der alles unterworfen ist, der sich alles beugt. Moses Mendelssohn zeigte, wie man der jüdischen Religion und ihren Satzungen unverbrüchlich treu bleiben und doch in den Born der allgemeinen Wissenschaft und Bildung sich versenken kann, und neue! Bahnen eröffneten sich, als seine Pentateuchübersetzung erschien, und es zur Ehrensache wurde, hierin unterrichtet zu werden. Er führte aber nicht bloß eine Wandlung und Wendung auf geistigem Gebiete seiner Glaubensgenossen, sondern auch in der Stellung der Gristlicben Bevölkerung zu denselben, die Juden als Menschen anzuerkennen, herbei, Dichter und berühmte Staatsmänner leisteten das Uebrige und die französisebe Revolution räumte vollends mit jenen Vorurteilen auf, so daß die Morgenröthe der Freiheit und Gleichberechtigung für Israel zu dämmern ansing. Mendelssohn hatte begonnen, die Glaubensgenossen aus der Erstarrung zu wecken, in welche sie, gezwungen durch die Macht der Umstände, versunken waren, um sie für den Eintritt in das Geistesleben ihrer Zeit zu erziehen. Seine Schüler setzten das unternommene Wert fort und fanden bei Gesinnungsgenossen in Berlin. Prag und Wien eifrige Unterstützung, und ihre Thätigkeit richtete sich speziell auf Verbesserung der Jugenderziehung. Der erste Schritt nach dieser Hinlicht war die 1778 gegründete Freischule, für welche David Friedländer den Plan entwarf, welcher andere in Dessau, Seesen, Breslau, Wolfenbüttel nachfolgten und an Stelle der Chedarim traten. Die Uebersetzung und Kommentirung der biblischen Bücher wurde fortgesetzt, und ein tieferes Verständniß derselben herbeigeführt. (Geschichte von Beck.) Zu jenen vorerwähnten Männern gehörte auch Herz Homberg, Hauslehrer bei Mendelssohn, später Aufseher sämmtlicher Schulen in Galizien und zuletzt Schulrath in Prag, welcher die „erste" systematische Religionslehre verfaßte, herausgab und als Schulbuch einführte. Dieselbe führt den Titel: „Jmre schefer" und besteht aus zwei Theilen: 1) Religion, 27, 2) Moral, 21 Gruppen umfassend, hebräisch, resp. Loschon hakodesch mit jüd.-deutscher Uebersetzung, in deren Vorrede es wörtlich heißt: „Die Bücher der heil. Schritt und des Talmud enthalten allerdings alle Pflichten des Israeliten gegen Gott, gegen sich selbst, gegen die Nebenmenschen, gegen Obrigkeit und Vaterland, allein diese Werke sind sehr weitläufig, die Lehren mit soviel anderen Satzungen verflochten, so daß es überaus schwer, einer großen Zahl der Jugend nunmehr fast unmöglich ist, sich eine vollständigen, gründlichen Begriff des Judenthums zu bilden, jene Vorschriften aufzusuchen, aneinanderzureihen und in ein geordnetes Glaubenssystem zu bringen; ihr Wissen besteht daher aus lauter Bruchstücken. Ein gleiches Bewandtniß hat es mit dem moralischen Unterrichte. Diejenigen, denen die Verhältnisse nicht erlauben, sich dem Talmudstudium ausschließlich zu widmen, müssen in jedem Betracht zurückbleiben, und es fehlt ihren Begriffen an der gehörigen nöthigen Verbindung ebensosehr, als an der erforderlichen Klarheit. Der weibliche Theil der Jugend, der zum hebräischen und rabbinischen Studium nicht herangezogen werden

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