Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1901)
- Date
- 1901-03-07
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449166--52851-2503412- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SBer jfsraelif Central-Orga?! für das orthodoxe Judenthum. Atätier für die israek. Schule. 7. März 1901*] lNr. 3. Soll die Religionslehre i« der Volksmd " V ",' als besonderer llnterrichtsatgenstand behandelt werden? Vortrag gehalten im bayer. isr. Lehrerverein (Correferat) von Lehrer 2. Oppenheimer in S n l z b ii r g. Hochgeehrte Versammlung! Nichts vermag mehr und so sehr den Respekt der Menschen anzufachen, treue Anhänglichkeit, Ehrfurcht, Liebe und Ehrerbietung wachzurufen oder einzuflößen, als das schon an und sür sich ehrwürdige Alter — sei es des Menschen, einer Sache oder Gebrauches, vom geringsten, winzigsten Objekte des Hausstandes begonnen, das seit Großvaters Tagen seinen Platz daselbst behauptet, bis zu bewährten Sitten und Gewohnheiten, die wir uns vor langer Zeit aneigneten, überkommen und übernommen haben. Sobald mit den Worten Trennung, Scheiden und Meiden gedroht wird, wirkt schon der bloße Gedanke als ein über dem Haupte schwebendes Damoklesschwert, und die erste Stimme, die dagegen spricht und Beibehaltung und Fortübung des Bisherigen empfiehlt, ist die des Hochachtung gebietenden Alters, und die Gründe der Vernunft. Wahrnehmung und Erfahrung gesellen sich diesen'. Fürsprecher treu zur Seite, folgen ihm auf dem Fuße nach. Auch mir ist's so ergangen, als ich von dem Verbandsthema Kenntniß nahm, ob die fystematifche Religionslehre in der Volks- und Religionsschule als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden soll. Ein unsagbares „Etwas" der Gefühlssprache ergriff das erste Wort hierfür und tönte laut und immer deutlicher hervor, bis es zum klarsten Bewußtsein kam, daß mir das Herz nicht mit dem Verstände, das Gemüth nicht mit dem Kopfe entronnen und in die Brüche gegangen war. Wohl kenne ich den Ausspruch des Dichters zur Genüge, „das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen, und weiß auch, daß „Alter vor Thorheit nicht schützt," und darum wollen wir heute Gericht halten über die so oft als Sünderin bezeichnete und verschrieene systematische Religionslehre, unter deren Definition ich verstanden haben möchte: das kurze und doch alles wesentliche und notbwendige des Glaubens darbietende und umfassende, leicht faßliche 'and doch allen Tiefen der Gotteslehre gerecht werdende, einfach und schlicht objektive und doch so whr die subjektiven Verstandes- und Willensregungen des Menschen in Anspruch nehmende, nach gleichheitkichem Stoffe, nicht lose, sondern im Sachzusammenhange aneinandergereihte, unter pädagogischmethodischen und logischen Gesichtspunkten gruppierte, übersichtliche Kompendium aller Wahrheiten, welche in den Schriften des Codex und vor allem in Bibel und Talmud den Gegenstand unseres Glaubens bilden, die aus das wichtigste beschränkte, gedrängte Darstellung alles dessen, was uns 1) die Religion zur Erkenxtxiß und Aneignung darbietet, Lehren und Weissagungen der Tbora und der Propheten, welche der JSraelit» axzuerkennen verpflichtet ist, „Gottglaube," 2) zur Befolgung anbält, ,.Ge- und Verbote," 3) mit Nachdruck und Lebendigkeit vor die Seele führt, „Sittsxlehrex." Kein Unterrichtsfach hat solche getheilte Ansichten hcraufbeschworen, wie gerade die systematische Religionslehre als besonderer Lehrgegenstand. Während die einen dieselbe für ein Schmerzenskind der Bolks- und Religionsschule ausgeben, mit Lippexdienst und verbildenden Theil der Religionsbelehrung bezeichnen, viel 02819629 5179