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Der Israelit · 1901-03-07 · Heft 19 (7.3.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 19 (7.3.1901)
Date
1901-03-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L. Jahrgang. Erste Aeitage zu M 19 des „Israelit Literarisches. Apparat,ytm Erlernen dei> hebräischen Lesens, konstruirt von Marx in Gunzenhausen. Als die Tagesordnung der Generalversammlung des jüdischen Lehrervereins für Bayern im Jahre 1899 die Vorführung eines Leseapparates in Aussicht stellte, stand ich, wie auch andere Kollegen, etwas skeptisch einer Neuerung gegenüber. Gibt es doch eine Legion von Fibeln, sowohl solche aus der Zeit des seligen Buchstabirens und Lautirens, wie auch nach synthetischer analytischer und Normalwörter-Methode, so daß jeder Lehrer die Wahl, aber auch die Qual hat, hier das Rechte zu finden. Doch die Vorführung und Erklärung des einfachen, wie sinnreichen Apparates fand solchen Beifall, daß auf Wunsch der Versammlung Kollege Marr sich bereit erklärte, seine Konstruktion zu Buh und Frommen der israelitischen Schulen vervielfältigen zu lasten. In einer größeren Anzahl von Ncligions- und Volksschulen in Bayern wird seit Jabressrist dieser Leseapparat verwendet. Der Verfasser dieses Artikels benützt ihn in der Volksschule und hak dabei so gute Erfahrungen gemacht, daß er die allgemeinere Einführung im Interesse eines sachgemäßen, methodischen Leseunterrichts empfehlen möchte. Der Apparat besteht aus einem mehrzeiligen Holzrabmen, in welchen die Buchstaben eingefügt werden, einem Buchstabenordner, enthaltend Konsonanten und Vokale in entsprechender Anzahl und einer Gebrauchsanwcisung. Der Preis beträgt 10 Mk., und ist sehr niedrig, wenn man bedenkt, daß neben dem Apparat Fibeln nicht mehr nöthig sind, was eine Ersparniß für die Eltern bedeutet, welche die geringen Anschaffungslosten bald aufwiegt. Welche Vortheile bietet nun der Apparat? Gewiß bat jeder Lehrer beim Fibellesen den Mißstand schon empfunden, daß er sich nie an die ganze Klaffe wenden kann. Er muß jeden Schüler besonders unterrichten, wäbrend die übrigen Kleinen unbeschäftigt bleiben muffen; das Mitlesen der Klaffe ist erst der Eriolg langwieriger Nebung. Hier ist das Problem der Beschäftigung der ganzen Klasse glücklich gelöst, weil der Blick aller sich auf die Buchstaben richtet, welche so klar, korrekt und groß sind, daß auch entfernt sitzende Schüler sie lesen können. Die ähnlichen Buchstabenformen n und n,; und :fwt und i i und "i, - und c und c bereiten beim erßen LeKunterricht aus der Fibel große Schwierigkeiten und noch in den höheren Klaffen machen sie viele Korrekturen nöthig. Die großen Buchstaben des Apparates aber führen den Unterschied der Charaktere so deutlich vor, daß sie sich bald dem Auge und dem Gedächtniß einvrägen. Da der Lehrer seine Uebungen selbst zusammenstellt, ist er nicht mehr an den Lehrgang einer Fibel gebunden, der ihm im einzelnen vielleicht nicht behagte. Er kann vor allem den öden Geistesdrill vermeiden, wie ihn die sinnlosen Buchstabenverbindungen so vieler Fibeln üben. Viel Zeit und Mühe erspart die Anwendung des Leseavvarates. Schon nach einmonatlichen Uebungen konnte ich mit den Kleinen zum Lesen im Gebetbuch fortschreiten, ein Erfolg, den ich bei Verwendung der Fibel erst nach ea. drei Monaten erzielte. Auch bei der Darbietung der Grundzüge der hebräischen Grammatik ersvart der Apparat dem Lehrer viel Worte und viel Schreiben. Zum Schluffe möchte ich nicht unerwähnt laffen, daß wir es hier mit keinem Geschäftsunternehmen zu thun haben. Kollege Marx verzichtet auf jeden Vortheil aus dem Verkauf der Apparate, der volle Reinertrag fließt der Unterstützungkasse für israelitische Lehrerwittwen und -Waisen in Bayern zu. Es soll mich freuen, wenn auch außerhalb Bayerns die Kollegen an jüdischen Volks- und Religionsschulen einen Versuch mit dem Apparat machen wollten; sie würden damit die eigene Arbeit verringern, ihre Alphabetkandidaten wiirden mehr Lust und Liebe am Lesen finden — und zu gulerleht würde ein edles Werk gefördert. S. Dingfelder, Ansbach. Max Jmigmann. „I r r f a h r t e n." Jüdisches Epos in acht Gesängen. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. (Pr. 1 Mk.) Max Jungmann ist der Name eines neuen jüdischen Dichters. Soeben ist er mit seinem Epos, das den Titel „Irrfahrten" führt, vor die Oeffentlichkeit getreten. Mit dieser Dichtung ist die neuere, schöngeistige Litteratur um ein werthvolles Werk bereichert worden. In flüssigen Versen wird das Bild eines jungen Menschen entworfen, dem das Schicksal nicht günstig gesinnt war, der von den Stürmen des Lebens hart mitgenommen wird und schließlich durch Selbstmord endet. Man kann leicht ersehen, daß die Darstellung des Helden nicht die Hauptsache des Stückes ist, sondern daß sie vom Verfasser zur Kundgebung seiner Ansichten über manche Verhältnisse im Judenthum benutzt wurde. Es berührt svmpathisch, wie er bald in ernster, bald in humorvoller Weise die Bestrebungen des Reformjudenthums geißelt, das nichts Höheres kennt, als die christlichen Einrichtungen möglichst auf den religiösen Kult der Juden zu übertragen. Von der zionistischen Bewegung, die jetzt

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