Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1901)
- Date
- 1901-03-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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434 Bensew mußte unwillkürlich lächeln; aber der Herr Prälat fuhr unverdrossen fort: „So schlimm wird's wohl nicht werden, ich habe mit Absicht etwas übertrieben. Aber es ist möglich, daß sich Se. Excellenz über Personen, auf die Ihr sehr wenig haltet, überaus anerkennend ausspricht, oder umgekehrt, versteht Ihr mich, da dürft Ihr nicht opponiren und corrigiren wollen, sondern sagt immer nur: „Zu Befehl, Excellenz!" Bensew nickte zustimmend und sein Instruktor fuhr fort: „Jetzt komme ich zur Hauptsache. Ihr habt, darüber dürfen wir uns nicht täuschen, in der ganzen Angelegenheit keinen leichten Stand. Ihr kommt ohne Auftrag, als gewöhnlicher, unbekannter Dorfjude in die Residenz und verlangt von Sr. Excellenz, dem Staatsminister, nichts Geringeres, als er solle dem Borsteheramte und Landrabbinate entgegen treten, die doch anerkannte staatliche Behörden sind. Füglich muß auch der Minister eine so ungewöhnliche Handlungsweise doch irgendwie begründen. Wenn er seine Unterschrift unter die Snnagogen-Ordnung verweigert und sie wandert in den großen, ministeriellen Papierkorb, dann werden bald ihre Gevattern auf die Motive dringen. Er braucht sie nicht anzugeben; aber diese Leisetretcrei ist nicht Sache Sr. Excellenz. Soll er aber die Wahrheit lagen, daß er seine Macht nicht zur Förderung von Bestrebungen hergeben will, welche die Religion untergraben und zerstören, statt sie zu fördern und zu erhalten, so liegt die Frage auf der Hand, von wo dem Minister diese Wissenschaft kommt. Der Minister ist durch mich von der Wahrheit Eurer Darstellung überzeugt, daran braucht Ihr nicht zu zweifeln, aber er kann trotzdem nicht Vorsteheramt und Landrabbinat ohne weiteres vor den Kopf stoßen, weil der Herr Heinemann Bensew es so haben möchte. Euch wäre cs wahrscbeinlich selber nicht lieb, wenn die Herren erführen, wer ihnen die ganze Bescheerung gebracht hat, nicht wahr?" „Gewiß nicht!" „Wir müssen die Sache daher in folgender Form machen: Ihr geht zu Sr. Excellenz und gebt Antwort, auf was Ihr gefragt werdet. Hauptsache ist, daß Ihr den Widerstreit der verschiedenen Richtungen bei den heutigen Juden so darstellt, wie Ihr es bei mir gethan habt. Dann verlangt Ihr nicht, Se. Excellenz solle die Genehmigung der Synagogen-Ordnung verweigern, das wäre von einem simplen Dorfjuden eine zu große.Kühnheit. Ihr bittet, Se. Excellenz möge vor der Entscheidung den Entwurf einer anderen cabbinischen Autorität vorlegen und nach deren Gutachten entscheiden. Ihr müßt dann Zusehen, daß Ihr, wenn Ihr nach einer solchen Autorität gefragt werdet, oder wenn die Frage nicht erfolgt, von selbst ein oder zwei Rabbiner namhaft macht, die auf dem Boden des alten einzigen Judentbums stehen. Es müssen natürlich außerhessische, aber jedenfalls deutsche Rabbiner sein. Auf diese Weise ist der Minister gedeckt und Ihr seid aus dem Spiel und die ganze Sache wird sich viel leichter und glatter machen; verstanden?" „Vollkommen, — ick bewundere die fürsorgende Weisheit Ew. Eminenz, die alles bis in die kleinsten Einzelheiten in Erwägung gezogen hat für den bevorstehenden Schritt, von dessen Gelingen und Mißlingen die relgiöse Zukunft der hessischen Judenheit so wesentlich abhangen wirb." (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag;» und Donnerstag;», jede»««! te mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Mau abonnnt ganzjährlicy» halbjährlich odcr vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. If. Steinarker, Leipzig, Notzplatz J6.— Inserate 25 Pfennig die vierAespaltene Peützeile oder deren Raum. 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Inhalt der ersten Beilage: Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Köln. Jnowrozlaw. Roseuberg. Darmstadt. Oesterr. Ung. Monarchie: Aus Mähren. Rußland: Bialystok. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Brief aus Galizien. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Posen, boblenz. Schweiz: Davos-Doif. — Vermischtes. Pädagog. Beilage: Soll die systematische Religionslehre in der Volks- und Religionsschule als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden d Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit* Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Berlaa der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«