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Der Israelit · 1901-03-07 · Heft 19 (7.3.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 19 (7.3.1901)
Date
1901-03-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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--T 433 holte Reklamationen seitens des Ministeriums traf immer die stereotype Antwort ein, sie gäben sich alle Mühe, aber sie hätten dir richtige Kraft noch immer nicht gesunden. Mir kam das sonderbar vor, daß sich für Kassel kein Landrabbiner finden lassen solle. Ich recherchirte und hörte nun Zu meinem Erstaunen, daß die suverklugen Leutchen immer auf die Feiertage einen anderen Rabbiner Zur Probepredigt kommen ließen; für sonst im Jahre konnten sie ihn leicht entbehren. Für die Feiertage hatten sie aber den Genuß, jedesmal einen anderen Prediger Zu hören, der sie nichts kostete und das Gehalr für den Landrabbiner konnten sie auf diese Meise die ganzen Iabre hindurch für sich behalten. 'Als ich das erfahren hatte, stand mein Entschluß fest, ihnen die Wahl Zu erleichtern. Ich ging gerade Zur Kur nach Kissingen, gehe am Samstag dort in die Synagoge, uni den Rabbiner predigen Zu hören, und als ich ihn als einen ganz acceptablen Prediger fand, so ließ ich ihn Sonntags kommen und fragte ihn, ob er Lust hätte, Landrabbiner von Kassel zu werden. Der Herr war ganz verblüfft, er ward sofort von mir enaaairt, unb ich ließ nach Kassel meinem landesherrlichen Kommissar berichten, er solle dem Vorsteheramte mittheilen: 1iad6uiu8 papam. d. h. auf deutsch, wir haben einen Landrabbiner. Auf diese Weise habe ich mich um die Seelsorge meiner Juden verdient gemacht, aber daß der Rabbiner mir das so lohnt, daß er unter die Reformer und Aufwiegler geht, das werde ich ihm auch gedenken. Also, Deinen Juden schickst Du mir morgen früh um Zehn, bis dahin werde ich mich noch informiren, ob wirklich eine neue Synagogenordnung zur Bestätigung vorliegt; das Andere wird sich finden." Der Gegenstand fesselte die Herren noch den ganzen Abend, so daß sie erst durch die anderen Gäste an die vorgerückte Nachtstunde erinnert werden mußten. IX. Punkt acht Uhr am andern Morgen stellte sich Bensew bei seinem Gönner ein. „Euer Weizen blüht," rief ihm der Prälat entgegen. „Se. Exeellenz hat Euch zu einer Audienz um zehn Uhr besohlen." „Gehen Eure Eminenz mit?" „Wo denkt Ihr hin? Das paßt sich nicht; Se. Exeellenz wollen nur Euch empfangen. Ich muß Euch aber noch ein vaar kleine Winke mi-tgeben. Also i ch gehe nicht mit; ich gebe Euch aber eine Visitenkarte mit den Morten : „Zur Empfehlung für den Synagogen- Aeltesten Heinemann Bensew aus Malsfeld" mit. Die Karte lege ich in ein Briefkouvert mit der Aufschrift: „An Se. Ereellenz den Minister von Hassenpflug" und Ihr gebt die Karte beim Portier am Ministerial-Gebäude ab. Man wird Euch dann in ein Vorzimmer führen, dort wartet Ihr, voraussichtlich' mit andern, bis der Hussier Euren Namen ruft und Ihr tretet dann wrekt in das Arbeitskabinet Sr. Exeellenz ein. Habt Ihr verstanden?" „Vollkommen, Eminenz." „Ihr dürft das nicht übel nehmen, wenn ich Euch das alles so umständlich darlege, aber bei den großen Herren kommt es sehr viel auf Kleinigkeiten an, und Ihr habt doch gewiß noch niemals eine Audienz bei einem Minister gehabt, wie?" „Nein, Eminenz, bei einem Minister noch nicht, aber schon bei einem König." „Was sagt Ihr da, Ihr eine Audienz bei einem König. Ihr scherzt, bei welchem König?" Bensew hatte nicht das Aussehen, als ob er scherze, er war in diesem Augenblick auch sehr wenig zum Scherzen aufgelegt, und mit feierlichem Ernst, der gar nichts Gemachtes an sich hatte, erwiederte er: „Beim König aller Könige, dem Heiligen, gepriesen sei er Er. Bei ibm habe ich täglich drei Mal Audienz, wenn ich Ihm Morgens, Mittags und Abends mein Gebet vorbringe. Es ist noch kaum mehr als eine Stunde her, daß ich bei Ihm Audienz hatte. Dort habe ich mir die Kraft, den Muth und die Einsicht erbeten, auch vor irdischen Größen Seine heilige Sache zu vertreten. Daß Gott mein Gebet erhört hat, dafür ist mir die Leutseligkeit Bürgschaft, mit welcher Ew. Eminenz sich herablassen, um einem schlichten Dorfjuden die Winke mitzutheilen, die für den nächsten Schritt mir so sehr nothig sind. Ich kann dafür meinen Dank wob! nickst besser aussvrechen, als durch die Versicherung, daßich mir alles sorgfältig merken und es gewissenhaft befolgen werde." Die weisen und doch so ungekünstelt bescheidenen Worte Bensew's verfehlten ihren Eindruck nicht auf den edlen Prälaten und dieser fuhr in seiner herzlichen Weise fort: Se. Ereellenz luird von der Welt vielfach verkannt und falsch beurtheilt. Der feste, unerschrockene Mannesmuth, mit welchem er sich der Strömung einer leichtlebigen Feit entgegeninirft, um ihre unberechtigten, gefährlichen Ausschreitungen zurückzudämmen, haben ihm viel Feinde und heißen Kampf gebracht. Dadurch hat er sich im Laufe der Zeit eine gewisse Rauheit in seinem äußeren Wesen und Auftreten angeeignet, die Viele den edlen Kern verkennen läßt, den diese rauhe Hiille birgt. Es ist sehr möglich, daß er auch heute Euch rauh anfahren wird, aber laßt Euch dadurch nicht einschüchtern, denn ich wiederhole Euch, Eure Sache steht so gut, wie Ihr es nicht besser wünschen könnt." „Ich danke Ew. Eminenz von ganzem Herzen." „Run noch eins. Widersprecht niemals Sr. Exeellenz: das können die hochgestellten Persönlichkeiten am wenigsten leiden. Nehmen wir z. V. an, Se. Exeellenz, erkundigte stch nach Eurem Wohnort, und er sagte, daß ihm Malsfeld als der Ort bekannt sei, in welchem der Himmel grün ist und die Bäume blau sind, in welchem die Kühe jeden Morgen per Luftballon auf die Weide fahren, und ähnliches mehr, so sagt Ihr weiter gar nichts, als: „Zu Befehl, Exeellenz!"

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