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Der Israelit · 1901-03-07 · Heft 19 (7.3.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 19 (7.3.1901)
Date
1901-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Feuilleton 432 P a l ä st i n a. Jerusalem. (2rauerfeter für Baron Willy Don Rothschild s. A.) Seit Moses Montefiore hat Keiner die jüdische Bevölkerung von Jerusalem mit so viel Wohlthaten überhäuft, wie der verstorbene Baron Willy von Rothschild. Zu seinen Armenhäusern, welche zu den schönsten Gebäuden der Stadt zählen, wird demnächst ein mit großer Munificenz ausgestattetes Badehaus hinzutreten. Daneben hat der Verblichene fast alle Wohlthätigkeitsinstitutionen der Stadt in großmüthigster Weise unterstützt und außerdem Tausenden von Privatpersonen, speziell aber den jüdischen Gelehrten resp. deren Waisen und Wittwen, regelmäßige Unterstützungen gewährt. Dafür hat auch seit Moses Montefiore der Tod eines Juden nie so viel aufrichtige Trauer hervorgerufen, wie das Ableben des Baron „Wilhelm des Frommen." Als die Trauerkunde am 6. Februar durch schwarze Plakate in Jerusalem bekannt gemacht wurde, gerieth die ganze Stadt in große Bestürzung. Zwei Stunden später waren sämmtliche Läden der Stadt geschloffen und eine ungeheure Volksmenge strömte in die beiden großen Synagogen der Stadt, wo unter Leitung der beiden Dberrabbiner von Jerusalem große Trauerfeier stattfanden. In der sephardischen Synagoge theilte Ehackam-Baschi Rabbi Eljaschar in einer ausdrucksvollen Ansprache seinen weinenden Zuhörern das schmerzliche Ereigniß mit, woraus Chacham Burla, der Aw Beth-din der Sephardim den Hesped hielt. In der großen Synagoge der Aschkenasim wurde die Feier von Rabbi Samuel Salant eingeleitet, während der Hesped von dem ehemaligen Raw von Dubrowno. dem Rabbi Saul Hurwitz, gehalten wurde. Einen imposanten Eindruck machte es, als beim Sprechen des Gebetes ccm *6o die vieltausendköpfige Menge sich zum Zeichen der Trauer aus die Erde setzte. Am folgenden Tage wurden Trauerseierlichkeiten in sämmtlichen anderen kleineren und größeren Bethäufern Jerusalems abgehalten. T. Persien. Teheran. Die Reise des Schah Mussaser Eddin nach Europa beginnt jetzt sichtbare Früchte zu tragen. Das Ministerium des Aeußeren wurde bereits nach europäischem Muster reoganisirt und zwanzig junge Männer aus den besten Familien Persiens wurden behufs ihrer weiteren Ausbildung nach Europa entsendet. Für seinen eigenen Sohn, den Thronfolger, hat der Schah durch Vermittelung der persischen Gesandtschaft in Petersburg einen ruffischen Erzieher sich verschrieben. Die Mahl siel auf einen Studenten der asiatischen Sprachen, einen Karaiten, welcher sein bedeutungsvolles Amt als Erzieher des zukünftigen Schah bereits angetreten hat. T. U8dm Minister. Von ■gtoßert Kcrrrkein. n] „Ja du lieber Himmel, da fragst Du mich zuviel. Die Eingänge von dieser Behörde gehen alle an den landesherrlichen Eommissar; der liest sie und legt sie mir, je nachdem, was sie enthalten, zur Unterschrift vor. Ich unterschreibe dann diese Sachen, laffe mir auch manchmal einen kurzen, mündlichen Bericht darüber erstatten, aber das dauert oft Monate lang bis zur Erledigung; bekannt ist mir zur Zeit gar nichts davon, aber warum interessirt Dich das?" „Ihr scheint Alle nicht zu wissen, daß es unter den Juden, ganz so wie bei uns, zwei verschiedene Richtungen gibt, ja. man darf geradezu sagen, zwei verschiedene Konfessionen. Denn die Unterschiede z. B. zwischen Protestantismus und Katholizismus sind reine Spielsächelchen gegen die tiefgehende Klust, die zwischen den alten Juden 8NU8 phrase und denjenigen besteht, die sich Resormjuden nennen, und den Fortschritt und die Lossagung von den alten Satzungen des Judenthums als Parole ausgeben." „Was sagst Du da von Fortschritt und Aufklärung, so was gibt's doch bei uns in Heffen-Kaffel nicht?" In Haffenpflug war der Reaktionär, der Büreaukrat, der ausgesprochene Gegner jeden Fortschritts bei diesen Worten erwacht. „Erzähle doch einmal weiter. Dein Jude fängt an, mich zu intereffiren." Prälat Schellenberg war jetzt im richtigen Fahrwasser, und als er nach einer Viertelstunde seinen Bericht beendet hatte, sagte Hassenpflug: „Den Malsselder Synagogen-Aeltesten mußt Du mir einmal schicken: ich suche schon so lange nach einer Gelegenheit, den Kasseler Juden eins einzubrocken; jetzt bietet sie sich ganz ungesucht." „Was haben Dir denn die Kasseler Juden gethan?" fragte der Domäneminister. „Du fragst auch noch? Sie führen mich ja schon so nnd so viele Jahre am Narrenseile herum, und wenn ich heute Abend hier nicht gehört hätte, wohin sie eigentlich zielen, ich hätte sie ja für lauter stock-orthodoxe Talmudjuden gehalten. Einen schönen Streich habe ich ihnen schon einmal gespielt, den sie mir nicht so bald vergessen werden." „Was war denn das?" fragte der Prälat. „Als der vorige Landrabbiner starb, ich glaube, es war im Jahre 42, da ließen sie die Stelle sechs, sieben Jahre oder noch länger unbesetzt. Auf wieder-

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