Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1901)
- Date
- 1901-03-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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431 der Erziehung erst in der Zukunft reifen, daß darum j in diesem Beruf ungeduldiges Erwarten, stürmisches j Verlangen gerade im Interesse des Fortschrittes und i der gedeihlichen Entwickelung vermieden werden muß, - das Saatkorn wird schon aufgehen, die Frucht reifen, j Gewiß kann die Lehranstalt zu Burgpreppach jetzt nach ' 25 Jahren mit Befriedigung jedem Unparteiischen das - Urthcil überlassen, ob das von dem selbstlosen, unerj müdlichen Begründer, Rabbiner Abraham Hirsch s. A., J in den Boden gelegte Saat-Korn eine Hilfe in der \ Ferne gezeitigt hat. Ihm. dem Unvergeßlichen, auf dessen Grund seine Nachfolger, die Herren Dr. Deutsch und Tr. Bamberger, eifrig und gewissenhaft weiter gebaut haben, war es leider nicht vergönnt, den immer weiter sich vervollkommnenden Ausbau der Anstalt, ihren geistigen und materiellen Fortschritt, selbst zu scha-uen; Ve Anstalt selber und ihre jetzigen Beamten laden ihre Freunde mit diesem Bericht ein, die Verwirklichung des "pv-rs ir-'w'w dieser in der Ferne erfolgten „Hilfe" selbst zu konstatieren. Nicht nur, dass die Anstalt von der stattlichen Zahl ihrer 550 Schiller ungefähr der Hälfte eine gründliche Vorbildung für ihren künftigen heiligen Lehrerberuf gegeben bat, so daß dieselben in die verschiedenen Lehrerseminarien Deutschlands ausgenommen wurden und andauernd ausgenommen werden, und nach erfolgrer Absolvirung des vorgeschriebenen seminaristischen Lehrganges als treue Wächter der Gemeinden und bewährte Jugendbildner wirken, hat sie vielmehr in die Herzen einer ebenso großen Anzahl von Jünglingen, die in anderen Lebensstellungen thätig sind, eine ächte Gottesfurcht zu pflanzen sich bemüht und in deren Seelen einen Fonds von Thorawissen zu senken verstanden, dessen Vorhandensein in unserer an Thoralvissen armen Zeit in den einzelnen Gemeinden gewiß ebenso wohlthätig als heilsam empfunden wird, wie die Erfüllung der erstgenannten Aufgabe. Das segensreiche Wirken der Anstalt wurde denn auch erkannt und anerkannt. Das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wird, zeigt sich in dem materiellen Wachsen der Mittel. So erfreulich die immerhin stattliche Summe des vorhandenen Anstaltsvermögens indessen auch sein mag, es reicht nicht aus, um noch harrende Aufgaben der Lösung zuzuführen. So ist eine fast unabweisbare Nothwendigkeit die durch hygienische Rücksichten gebotene Neueinrichtung von Schlafsälen, der Ausbau, die Fundirung der Lehrerpensionskasse, deren Verpflichtungen zur Zeit noch durch die Hauptkasse zu decken sind. Es wird daher die Aufgabe des neuerwählten Distriktsrabbiners unb Schulvorstandes sein, das Interesse der bisherigen Freunde zu erhalten und neue Freunde zu gewinnen-, er wird sie für die treffliche Anstalt gewiss, finden. Der Bericht gedenkt in dankbarer Anerkennung des früh verstorbenen tüchtigen Lehrers M. Plaut s. A. und widmet den jetzt in anderen Stellungen wirkenden früheren Lehrern der Schule herzliche Worte des Dankes. Die Anstalt hat im Berichtsjahr die stattliche Anzahl von 59 Schülern zu verzeichnen. Der Bericht bringt eine ttebersicht über die Lehrbücher, Lehrpensen, über den Bestand der Bibliothek und naturwissenschaftlichen Lehrmittel, Beigaben, die gewiß vielseitiges Interesse in Anspruch nehmen werden. Der finanzielle Theil schließt bei einem Kassebestand von Mi. 2596.50, und einer Bankanlage von Mk. 1090, mil Mk. 17,419.94 in Einnahme- und Ausgabe-Konto ab. Als Unterstützung an bedürftige Zöglinge winden im Rechnungsjahr Mk. 2640.30 verausgabt. — Wir schließen mit dem Wunsche, daß die Anstalt unter Gottes Schutz bei fortdauerndem Vertrauen ihrer Freunde weiterhin nach Innen und Außen wachsen und gedeihen inöge. S. Oesterr. -Ung. Monarchie. Budapest. Wie wir seiner Zeit gemeldet haben, hat Frau Baronin Klara Hirsch für Ungarn ein Legat von zwei Millionen Kronen zur Errichtung einer Stiftung bestimmt, aus deren Zinsen Unterstützungsbedürftigen zinsenfreie Darlehen zur Begründung einer Eristenz, in besonders zu berücksichtigenden Fällen auch Schenkungen und Subventionen, verliehen werden. Nach den? vom „Egyenlöseg" publizirten Berichte sind nach Abzug von 17,520 Kronen Verwaltungskosten (d. i. mehr als zwölf Prozent des Stiftungserträgnisses') 127,870 Kronen für wohlthätige Zwecke verwendet worden. 317 Petenten erhielten zinsenfreie Darlehen, 188 Personen wurden Unterstützungen votirt und 7-5 Unterrichtszwecken dienenden Institutionen wurden Subventionen ertheilt. Am besten bewährte sich dir Institution der zinsenfreien Darlehen, die in kleinen Raten rückzahlbar sind. 70 Prozent der fälligen Raten wurden schon im Verwaltungsjahre zurückgezahlt. Vemerkenswerth ist. daß die Rückzahlungen freiwillig ohne jeglichen Zwang erfolgen. ' Um die Benefizien der Stiftung haben sich 8500 Petenten beworben. von denen sieben Prozent — ohne Rücksicht auf konfessionellen Unterschied — günstig erledigt wurden. — Viktor Jstoezy, der einst berühmte antisemitische Agitator, der noch vor anderthalb Jahrzehnten zu den populärsten und gefeiertesten Männern des Landes zählte, ist tief gesunken, sehr tief, so daß er seinen Lebensunterhalt in Debreezen von Haus zu Haus hausirend sucht. Jstoezy hat kürzlich das Buch des römisch-jüdischen Schriftstellers Josefus Flavins übersetzt und sucht dieses Buch an Mäcene abzusetzen. Wirklich, es haben Bücher ihre Geschichte und auch antisemitische Agitatoren. Der alte Josefus Flavius hätte es sich nicht gedacht, daß nach zwei Jahrtausenden ein Antisemit mit ihm hausiren gehen werde, ebensowenig wie der Jstoezy des Tisza-Eßlarer Prozesses, daß er mit einem Juden hausiren werde.