Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1901)
- Date
- 1901-03-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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430 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 3. März. Am 24. v. Mts. feierte der „Asriel-Verein" in der Adaß-Jisroel-Gemeinde das Fest seines 26jährigen Bestehens. Der Verein, der zur Zeit anläßlich des 26jährigen Rabbiner-Jubiläums des verewigten Dr. Israel Hildesheimer gegründet wurde und seinen Namen trug, bezweckt durch Darlehen und Unterstützungen kleinen Gewerbetreibenden und Unbemittelten aufzuhelsen. Die Mitglieder des Vereins, sowie auch viele der Gemeinde, fanden sich Abends zu einen, Festmahle zusammen. Nachdem der Vorsitzende, Herr M. S ch r a g e n h e i m , die Gesellschaft begrüßt und im Nanien des Vorstandes den zwei Jubilaren, Herrn Dr. Berliner als Gründer und Herrn Jul. Kalmus als Schatzmeister des Vereins seit seiner Begründung, das in Lebensgröße ausgeführte Bild des verewigten Dr. Hildesheimer, welches in kostbaren Rahmen gefaßt, auf einer Widmungstafel die Ernennung zu Ehrenmitgliedern trug, überreicht, hielt Herr Dr. Berliner die Festrede, in welcher derselbe die Entstehungsgeschichte des Vereins schilderte und auf die jetzige Wirksamkeit desselben hinwies und weitere Kreise zum Eintritt in denselben aufforderte. Die Tafelrunde blieb bis zu später Stunde bei ernsten und heiteren Reden beisammen. Um den Verein in den Stand zu setzen, seine Thätigkeit noch zu erweitern, ist es wünschenswerth, daß sich noch viele neue Mitglieder demselben anschließen. Breslau, 3. März. Es war ein selten großer Leichenzug, der sich heute Mittag durch unsere Straßen bewegte: es war auch eine seltene Frau, der wir das letzte Ehrengeleit gaben. Frau Nanette Simonsohn, eine Tochter Rabbi Israel Freimann's. eine Enkelin Rabbi Jaeob Ettlinger s. A., mußten wir in dem jugendlichen Alter von 38 Jahren zu Grabe führen. Die Verstorbene war treu den Traditionen ihrer großen Ahnen, ein echtes wri n&x; aufrichtige Frömmigkeit, verbunden mit kluger Lebensauffassung, Herzensgüte, die in aufopfernder Hingebung nicht allein für ihre Familie, sondern auch für Fremde ihre schönste Befriedigung fand, waren die Eigenschaften, mit denen sie geschmückt war. Dem großen Verlust gaben auch in ergreifenden Worten Ausdruck die ehrwürd. Herren Rabbinen Dr. Rosenthal-Breslau, Dr . Freimann-Holleschau und Dr. Bamberger-Schildberg. Möge jV'Bci die schwergeprüften Hinterbliebenen trösten und ihnen Kraft verleihen, den herben Verlust zu ertragen, künftig alles Unheil von ihnen fernhalten. Magdeburg, 1. März. Mit der Blutthat von Polna hat sich heute die Strafkammer zu befassen. Gleich anderen antisemitischen Blättern hatte auch die hier erscheinende „Sachsenschau" ihren Lesern vorerzählt, daß der Mord in Polna unzweifelhaft ein „Ritualmord" sei, daß der Schlächter Moritz Kurzweil in Wien damit in Verbindung stehe, denn es sei nachgewiesen, daß Kurzweil nach dem Morde ein Packet Bluttügelchen an den Rabbiner Goldberger gesandt habe u. s. w. Die Kolportage dieser Räubergeschichte kam heute dem verantwortlichen Redakteur des obengenannten antisemitischen Blattes, Carl Faßhauer, theuer zu stehen, denn in Folge des Strafantrages des beleidigten Herrn Kurzweil verurtheilte ihn die Strafkammer zu 400 Mk. Geldstrafe. Ter Angeklagte hatte gar nicht den Versuch gemacht, den Beweis der Wahrheit anzutreten, sondern nur versichert, er habe Kurzweil nicht beleidigen wollen. Bei der llrtheilspublikation machte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Meyer, auf die Unsitte der „Presse, bei jedem einigermaßen Aufsehen erregenden Strafprozeß die öffentliche Meinung tendenziös beeinflussen zu wollen," zum Gegenstände einer abfälligen Kritik. Konist, 0. März. Wegen Beleidigung des Schlächtermeisters Adolf Levy hatte sich dieser Tage Frau Martha Roß, die bekanntlich im Maßlof-Prozeß wegen wissentlichen Meineides in zwei Fällen zu 2\\> Jahren Zuchthaus verurthcilt worden Ivar, vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Frau Roß hatte am 21. Mai v. I. zu mehreren Personen, als Adolf Levy an ihnen vorüberging, gesagt: „Da geht der Mörder." Die Angeklagte bestritt nicht, die Aeußerung gethan zu haben, behauptete aber in der Verhandlung, Adolf Levy habe sich ihr gegenüber selbst bezichtigt, was dieser natürlich auf das Nachdrücklichste bestritt. Frau Roß wurde zu 20 Mk. Geldstrafe oder vier Tagen Haft verurtheilt. Sie hatte sich durch die ihr von den Levyschen Eheleuten zugefügte Bezeichnung „Lügnerin" beleidigt gesuhlt und die Widerklage erhoben, wurde aber mit dieser kostenpflichtig abgewiesen. Auö Nnterfrankeri. Die wackere „Israelitische Vrävarandenschule Talmud-Thora" zu Burgpreppach versendet soeben ihren 26. Jahresbericht. Sie sieht von einer öffentlichen Feier dieses silbernen Jubiläums ab, der allgemeinen Weise ihre Huldigung versagend. Indessen entschädigt der Berichterstatter, der inzwischen als Provinzialrabbiner nach Hanau berufene, verdienstvolle Leiter der Anstalt während der letzten sechs Jahre, Herr Dr. Bamberger, die Freunde und Gönner der Anstalt durch einen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung, das Werden und Wachsen dieser zum Segen der Gesammtheit gewordenen Lehranstalt. Referent hörte einmal seinen unvergeßlichen Lehrer, Rabbi Israel Hildesheimer s. A., in einer feurigen, der Erziehung gewidmeten Predigt, das prophetische Wort des Jeremias "jrtrc „Sieh, ich helfe dir in der Ferne" in geistreicher Weise in der Art deuten, daß der Allgütige durch den Mund des Propheten darauf Hinweisen wollte, daß die Früchte