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Der Israelit · 1901-03-07 · Heft 19 (7.3.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 19 (7.3.1901)
Date
1901-03-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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428 fnvr ici« 'Jxi Ttnx qh „Bleibe nur," sagte Josua, ^,ich will der Welt künden, wozu diese Unterbrechung nöthig war. Mein und meines Volkes Gesang wird in die weite Welt hinausschallen; unser Jubel wird der Mitwelt künden, daß Gott es war, der diese Unterbrechung herbeigeführt, daß Gott, der Lenker und Leiter des Weltalls, auch unser Gott ist, daß Er Seine Herrschergewalt dazu benützt, Seine Natur Seinen Kindern dienstbar zu machen." Inrtr im« ’Jxi Ttnx an Nickt dein bedarf es mehr für Sein Dasein zu zeugen, ich, das Volk Jißroel, lege durch mein Dasein Zeugniß für ihn ab, Zeugniß für Seine Waltung. „Blicke doch hinauf zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst," so sprach Gott zu Abraham. Wie beim Anblick der leuchtenden Himmelskörper in der Menschenbrust eine Ahnung vor der Alles lenkenden und leitenden Hand Gottes aufdämmert, -jy-n 'yp 712 iS tvx'' so wird auch das jüdische Volk werden im Laufe der Zeiten — ein lebendiges Denkmal der Gottesherrschait auf Erden. Das jüdische Volk hat alles Leid und Ungemach überdauert, aus dem Jammer und Elend ist es immer reiner und gereinigter hervorgegangen, ein immer leuchtendes Beispiel für die Menschheit, ein immer klarer Beweis für die Herrschaft Gottes. Wenn wir nur in ganz großen Umrissen uns die thränenreichc Geschichte des jüdischen Volkes vergegenwärtigen, wenn wir nur daran denken, wieviel unsägliches Leid dieses Volk erfahren, wenn wir jene traurigen Kapitel aus der Geschichte vor uns aufschlagen, aus denen jede Zeile von blutigen Metzeleien spricht, wo weder Alter noch Geschlecht berücksichtigt wurde, wo das greise Haar kein Erbarmen, die Schwäche keine Schonung, das zarte Kinderlallen kein Mitleid fand, und wenn wir schließlich wissen, daß dem Juden die Luft, die er einathmet, mißgönnt wurde, Pfeile des Hasses hinter feinen Schritten herflogen und die Verachtung sich stets an seine Fersen heftete, wenn wir dies bedenken und das jüdische Volk dennoch bestehen sehen, dann sagt uns und den Andern ein sicheres Gefühl, daß dieses Volk einen Talisman besitzt, der es sicher geleitet und es schützend und schirmend seinem Ziele zuführt. Und was ist dieser Talisman? Das Buch, in dem die Gesang gewordene jüdische Volksseele sich ausspricht, ertheilt uns die Antwort auf unsere Frage, "jjn ’inaK tx ww “[min H'b. „Wäre die Thora nickt meine Lebensbeschäftigung gewesen, ich wäre längst durch mein Elend zu Grunde gegangen." Wäre das jüdische Volk in der Sorge um das tägliche Brod ganz aufgegangen, und hätte es sich nicht vielmehr immer einen Raum gelassen, wohin der wüste Lärm um Brod, die oftmals rohen Ausbrüche des instinktiven Erhaltungstriebes keinen Eingang fanden, so hätte es schon längst das Geschick aller numerisch schwachen Völkerschaften ereilt, es wäre zu Grunde gegangen im öffentlichen Getriebe. Das jüdische Volk hatte nicht die natürlichen Anlagen, sich im Kampfe um's Dasein zu erhalten. Diese Fertigkeiten wurden ihm erst durch die himmelschreiende Rohheit der Bekenner der Religion der Liebe angezüchtet; — und auch dazu waren Jahrhunderte nöthig. Unser armes, heiliges Judenthum war rein, milde und vertrauensselig. Das jüdische Volk hatte seine Plätze und Stätten, wohin kein Laut von außen drang, wohin seine Söhne nach dem aufregenden Kampfe im Weltengewühle flüchten konnten, und die Spannung löste sich hier in sanfte Harmonie; kein noch so leiser Mißton störte hier die harmonische Thätigkeit des seines Judenthums sich bewußt gewordenen Mannes. Es waren dies die c'tr-Hc \-ie, in denen die Thora gelehrt und gelernt wurde. Hier herrschte Ruhe, heiliger tiefer Gottesfriede. Der gequälte, verfolgte Jude vergaß hier seinen Schmerz, die Thoraworte waren Balsam, der die brennenden Schmerzen seines wunden und verwundeten Herzens linderte; wie auf Adlerfittigen wurde er emporgehoben, entrückt der qualvollen Gegenwart, entrückt den Miseren des täglichen Lebens, emporgetragen in das Reich der Ideale. Hier wurde er sich seines wahren Werthes bewußt, hier fand er nach allem Lärm und aller Disharmonie — Ruhe und Harmonie. Von hier schöpfte er die Kraft, den Stürmen, die auf ihn einbrausten, Trotz zu bieten. In den hochgehenden Wogen der Leidenschaften war ihm seine Thora der Leitstern, die Leiter, durch die er die höchsten Stufen des sittlich-reinen Menschenthums erklomm. — Sie werden dieses Judenthum kennen, das ich hier geschildert habe. Es war dies das Ghettojudenthum; die Bewohner der armseligen, baufälligen Häuschen. Wie glücklich und stolz waren diese Kinder des Elends. Diese Parias der Gesellschaft waren glücklich, sie beneideten keinen Fürsten; glückliche, zufriedene Herzen schlugen da in diesen schmucklosen Hütten. Hatten sie doch dasjenige, was ihnen werthvoller war denn Gold und Silber; sie hatten ihre Thora, ihren Gott und ihren Glauben. Und auch stolz waren diese Verspotteten; stolz auf ihre glorreiche Mission, stolz auf ihre glänzende Vergangenheit, stolz sogar auf ihre Gegenwart. Denn das Bewußtsein ihres Werthes war wach und lebendig in ihren Herzen. Sie wußten, daß Gott sie erwählt hat, für ibn zu zeugen, daß sie Lehrer der Menschheit waren und sind. Sie wußten, daß von den dunklen und lichtlosen Ghettogäßchen Licht hinausströmt in die sonnige Welt. Ihr Licht beschämte die Sonne und machte den Mond schamroth, rrx2S -jba nonn ntpm 71:2hn Tticrr, D’^tsnTC denn Gott regierte damals, Er hatte Diener, die Sein Licht verbreiteten, das strahlende, überwältigende Licht Seines c'bt^'T leuchtete. Ja, die Ghetti waren ein geistiges Ein Großer in Israel, ein König im Reiche des Geistes, klagte, als die Ghettomanern fielen, daß Jeruschalaim nun zum dritten Male zerstört wurde.

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