Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1901)
- Date
- 1901-03-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M 10 Der Israelit. Kentral-Hrgan für das orthodoxe Zudentßum. Begründet von Dr. It^mann in mtainj. D-««erstag, de« 7. März S««1 (190l| Leitender Artikeln Lus 3Mn finit uiiii irr.t Rede, gehalten im Talmnd-Thora Verein Zürich. Von xtuä. phil. Hermann Klein—Bern. Eines klaren und offenen Blickes bedürfte derjenige, der es unternehmen wollte, das heutige Judenthum zu schildern, aber die Thräne verschleiert den Blick des Beobachters und wie Nebelgestalten huschen die Söhne Israels an feinem Auge vorüber. Das Judenthum, diese kraftvolle, mächtige Eiche, die den gewaltigsten Stürmen finsterer Jahrhunderte standgehalten hat, ist geschwächt; ein unscheinbarer Strauch ist Alles, was übrig geblieben ist. Das Judenthum hat eine glänzende Vergangenheit; unzählige Namen glänzen im Sonnenstrahle eines unsterblichen Ruhmes; unzählige Helden leben fort im liebenden Gedächtniß dankbarer Enkel, aber die Heroen sind ausgestorben in Jißroel, die Gegenwart ist unsagbar traurig, umso trauriger, als die Trauer keine allgemeine ist. Nur ganz vereinzelt sind die Jirmijahus, die auf den Ruinen des jüdischen Volkes weinend stehen. Kann man diese unheilvolle Metamorphose erklären? Weg mit den Thronen'. Vergessen wir die Qualen der Gegenwart! Erheben wir uns über die Miseren des täglichen Lebens und werfen wir einen Blick aus die lichtumfluthete Vergangenheit unseres Volkes, vielleicht gelingt es uns, einen Strahl mit hinüber zu retten in die Gegenwart, der uns erwärmen und erleuchten kann, vielleicht finden wir dann die Mittel zur Gesundung des Judenthums, vielleicht blüht dann neues Leben aus den Ruinen. Nehmen wir unsere Thora in die Hand und forschen wir nach der Bestimmung des jüdischen Volkes, lernen wir aus ihr unseren Lebensbcruf kennen und schöpfen wir aus ihr unsere Ideale. Bald auf den ersten Seiten finden wir folgende Worte: ins sscrn bom os a'oo'on ns ncoi ncotph s: von ib 12x1 nnnrn ■pnr 'vr m ib nctn ans „Gott führte unseren Stammvater hinaus auf die Straße und sprach zu ihm: Blicke doch hinauf zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst," und er sprach zu ihm, „so werden einst deine Nachkommen werden." In diesen wenigen im Lapidarstil geschriebenen Worten ist die ganze Lebensbestimmung des jüd. Volkes enthalten. Wir wollen uns nur ganz kurz eine höchst merkwürdige und lehrreiche Midraschstelle vergegenwärtigen. Im Jalkut wird erzählt: an py;:a trat? ytpur naxtra nb nus rropn bw idb'p ’c ans \:x cs trctm moK "!2'x ’jxi rrrx an! „Als Josua zur Sonne sprach: Bleibe stehen in Giwaun, da fragte die Sonne, wer soll den Ruhm Gottes verkünden, wenn ich stillhalte? Josua antwortete: Stehe nur und ich werde nwe» sagen." Von der Regelmäßigkeit der Naturerscheinungen können wir auf das Dasein eines Lenkers und Leiters schließen. Täglich geht die Sonne auf und unter. Unzählige Sterne durchkreuzen in unermeßlichen Zügen die Himmelsbläue. Die bleiche Mondsichel erscheint imnier in den Anfängen des Monats. Woher diese Regelmäßigkeit, wenn kein Ordner da ist? Ohne Lenker und Leiter würden wir in einem chaotischen Wirrwar leben. Diese Regelmäßigkeit der Naturerscheinungen zeugt uir eine führende, lenkende Hand. Die Sphärenharmonie ist das Loblied der Schöpfung auf den Schöpfer Wenn nun aber diese Gesetzmäßigkeit plötzlich aushören würde, so wäre die Meinung berechtigt, daß Willkür und Planlosigkeit in der Natur herrschen, es sei denn, daß diese Unterbrechung der Naturordnung aus bestimmten, für jeden erkennbaren Gründen erfolgt?n"ap-! ‘’tp iD-.'rp nos' w an« ":s 0s „Wenn ich plötzlich stillstehe," fragte die Sonne, „wer wird für Gottes Ruhm zeugen?" Wer wird dann noch an eine lenkende und leitende Hand Gottes glauben?