Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1901)
- Date
- 1901-03-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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MM 420 Die Ausführung des ConcerteS war excellent, selbst die Preise exquisit: Logen für neun Personen 200 Mk., Mittelbalkon 20 Mk., Mittelparquet 10 bis 15 Mk., und wäre die so berechtigte Mißstimmung über die Berfolgung der Juden — nicht in Rumänien, sondern in Westpreußen — nach den Auslassungen der antisemitischen Richter etc., nicht so groß, die neue König!. Oper hätte sicher die Besucher nicht fassen können. Das aufgestellte Programm war folgendes: 1. Theil: Die Reste der altgriechischen Tonkunst. (Heidnische Tempelpriester.) Einleitung: Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis" von Gluck. 1) Delphischer Hymnus, aus dem zweiten Jahrhundert v. d. gew. Z. 2) Hymnus an den Sonnengott, aus dem ersten Jahrhundert der gew. Z. 3) Hymnus an die Rachegöttin, aus dem zweiten Jahrhundert d. gew. Z. Zwischenmusik: Opfermarsch aus „Alceste" von Gluck. 4) Pindars Ode an die Leier, gedichtet im fünften Jahrhundert v. d. gew. Z. 5) Anakreontisches Lied, auf einer Grabsäule aus dem ersten Jahrhundert d. gew. Z. 6) Ode an die Muse, aus dem 2.—4. Jahrhundert d. gew. Z. 2. Theil: Altchristliche Gesänge; lateinisch. (Katholische Kirche: Mönche.) 1) Klagelied Jeremiae als Probe ältesten christlichen Gesanges. 2) Hymnen von S. Ambrosius. 3) Hymne von S. Gregor. 4) Hymne „Creator atme siderum." 3. Theil: Alte hebräsche Gesänge; 'v r\"b nin bbrt hebräisch. (Synagoge (td, Einleitung: Ouvertüre zu „Joseph in Egypten" von Mehul. 1) Lobgesang der Kinder Israel am Rothen Meere. Rach Ueberlieferung der sephardischen Gemeinde in London. 2) Der 100. Psalm, Wechselgesang nach deutscher Ueberlieferung. 3) Berum aulom (dem höchsten Gott), Solo. 4) Danklied. Rach französischdeutscher Ueberlieferung. 5) Umzug beim Schlußfest. 6) Halleluja, Psalm 149. Buk, im Febr. (Israelitischer Wohlthätigkeits-Berein.) Bor einigen Tagen fand im Grätz'schen Saale Hierselbst eine Versammlung des Israelitischen Wohlthätigkeitsvereins statt. Die Sitzung wurde vom Vorsitzenden, Herrn Lehrer Spieldoch, mit einer patriotischen Rede eröffnet, in welcher er auf die 200jährige Krönungsfeier, sowie auf die Gestaltung der Lage der Israeliten unter den preußischen Königen hinwies. Es folgte ein Hoch auf den Kaiser. Nunmehr wurde der Jahres- und Kassenbericht erstattet. Danach betrug die Einahme: 594.99 Mk., die Ausgabe: 397.80 Mk., Bestand: 197.19 Mk.; Armenfonds: Einnahme: 122.89 Mk., Ausgabe: 25.79 Mk. Der Verein zählt 60 Mitglieder und besteht seit etwa 81 Jahren. Für Arme wurde vom Vorstande und den Repräsentanten eine größere Summe zu Brennmaterialien bewilligt. München, im Febr. Das in dem Jahresberichte des „Verein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten" pro 1899 und in vorangegangenen Berichten beklagte wirthschaftliche und soziale Elend unserer Glaubensbrüder im Osten Europas, hat leider im abgelaufenen Jahre keine Besserung erfahren. Die allbelannte Massenauswanderung armer Juden aus Rumänien verursachte der Vereinskasse in der ersten Zeit beträchtliche Mehrausgaben, bis durch Bildung von Hülfskomitees in den verschiedenen Städten diese Angelegenheit in geregeltere Bahnen geleitet wurde. Durch die in Folge der Haltung der Behörden nothwendig gewordene Umkehr vieler Flüchtlinge wurde der Verein wieder vielfach in Anspruch genommen. Trotz der Einschränkung der Geldunterstützungen an notorische Vaganten und selbst an würdige Arme, tourden im Jahre 1900 3264 (1899 2686) Personen mit Geld im Betrage von Mk. 10,749 (im Vorjahre Mk. 8944.50) unterstützt. Kostbillets erforderten einen Aufwand von Mk. 1135.40, gegen Mk. 868.70 im Vorjahre. — Die gegen das Vorjahr um Mk. 700 gestiegenen Mitgliederbeiträge, sowie die hochherzigen Schenkungen seitens hiesiger Gemeindemitglieder — denen die Vereinsleitung im Rechenschaftsbericht wärmsten Dank ausdrückt — konnten unter den geschilderten Umständen nicht verhindern, daß der Jahresabschluß des Vereines einen Fehlbetrag von Mk. 3500 ergab, welche Summe dem Vereinsvermögen entnommen werden mußte. Der Vereinsvorstand richtet an die Mitglieder die dringende Bitte, ihre Jahresbeiträge entsprechend zu erhöhen und in diesem Sinne auch in weiteren Kreisen zu wirken, da nur so der Verein seiner Aufgabe, dem Bette! in Privathäusern zu steuern, gerecht werden kann. — Im Rechenschaftsbericht pro 1900 wird dem aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Herrn Wilh. Vogel, der durch eine lange Reihe von Jahren in mustergiliigster Weise das Amt eines Vereinskasiiers versehen, der aufrichtigste Dank für seine opferwillige und hingehende Thätigkeit erstattet. An seiner Stelle wurde vom Ausschuß Herr Privatier Hermann Gift cooptirt. Durch Todesfall verlor der Verein im Jahre 1900 siebzehn männliche und vier weibliche Mitglieder, denen ein dauerndes Andenken gewahrt werden wird. Vereinnahmt wurden 1900: Mitgliederbeiträge Mk. 7050.05, Zins. 378.21, Sammlungen 1334.90 Mark, Schenkungen und Legate Mk. 1150, zusammen Mk. 9913.16. Verausgabt wurden: Geldunterstütz- Ungen an 3264 Personen Mk. 10,859, Kostbillets Mk. 1135.40, Gehalte Mk. 800, Druckkosten, Regie etc. Mk. 305.30, zusammen Mk. 13,099.90.