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Der Israelit · 1901-03-04 · Heft 18 (4.3.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 18 (4.3.1901)
Date
1901-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L. Jahrgang. Aeitage zu M 18 des „Israelit". Zeitungsnachrichten unv Correspondenzen. Deutschland. Mainz, I. März. (Gedächtnißfeier für Baron W i l h e l m Carl von Rothschild In der Synagoge der israelitischen Neligionsgesellschaft waren heute Vormittag die Schüler und Schülerinnen unserer Unterrichtsanstalt, sowie aas Lehrerversonal zu einer Trauerkundgebung für den unvergestlichen Baron Willy von Rothschild versammelt. Cs hatten sich zu derselben der Vorstand, Ausschuß und der Schulrath der Jsr. Religionsgesellschaft, sowie die Cltern der Schüler eingefunden. Nachdem Herr Cant. O v p e n h e i m e r in gefühlvoll erhebender Weise Psalm 90 recitirt hatte, gab Herr Rabbiner Tr. B o n d i in gedankenreicher Rede ein anschauliches Bild des theuren Dahingeschiedenen. Redner setzte besonders den versammelten Kindern auseinander, welch' großes Interesse der verstorbene Baron für die Ausbildung der Jugend im Allgemeinen und für ihre religiös? im Besonderen zu allen Zeiten und an den verschiedensten Orten kund gegeben habe. Auch der hies. Unterrichtsanstalt sei er seit ihrer Gründung ein Gönner und Freund gewesen. Anknüpfend an den Schlußvers der Megilah schilderte der Redner die herrlichen Tugenden des Dahingeschiedenen, seine Selbstlosigkeit, sein unermüdliches Wohlthun, seine Hingabe an das Thorastudium, Alles in Allem seine unerschütterliche Treu? dem Gottesgesetze gegenüber. Wie wir das Purimfest in erster Linie uns zu einem Freudentage gestalten sollen, indem wir an diesem Tage die Genoffen erfreuen, die Armen aus Noth und Elend befreien, so suchte der große Mann, der uns leider allzuschnell genommen wurde, die Freuden des Lebens darin, daß er nach Möglichkeit durch freundliches Entgegenkommen, reich? und wirksame Unterstützung erfreuend, tröstend und helfend kür alle Kreise zu wirken suchte. Ein solches Beispiel weckt Nacheiferung. Die edle Gattin, die in Liebeswerken stets mit ihm wetteiferte, sie sucht in die Lücke einzutreten und bemüht sich, uns Allen den großen Verlust möglichst wenig fühlbar sein zu laffen. Der Cantor recitirte Psalm 91, ein Vorsteher der Neligionsgesellschaft sprach das Kaddischgebet und die eindrucksvolle Feier war beendet. Berlin, 27. Febr. (Wohlthätigkeits- Concert zum Besten der Verwundeten in China und der verfolgten Juden in Rumänien.) Auf der Höhe der Theater- und Cvmertsaison stehend, haben wir gestern Abend eines der originellsten Conrerte gehört, die in der Metropole jemals aufgeführt worden sind. Originell die Veranlassung, originell die beiden Hauptentrepreneure, noch origineller aber das Programm. „Wohlthätiakeits-Concert im neuen Königl. Opern-Theater," so lautete die Ankündigung. Bekannt war aber, daß die eine Hälfte des Reinertrags den „Chinakämpfern," die andere aber den „verfolgten Juden in Rumänien" bestimmt war, oder mit anderen Worten: unsere tapferen deutschen Krieger, welche die Boxer in Ostasien verfolgen, sollen davon eine Liebesgabe erhalten, und unsere Glaubensgenossen, die von viel blutgierigeren „rumänischen Boxern" verfolgt werden, sollen ebenfalls daran partizipieren. Die Consequenz einer solchen Zusammenstellung haben die antisemitischen Zeitungen auch sehr wohl empfunden, darum schrieen sie Zeter und Mordio, als sie hörten, daß der General- Intendant der Königlichen Schauspiele, Se. Excellenz Graf von Hochberg, vereint mit dem von ihnen bestgehaßten Dr. Hirsch Hildesheimer, gewissermaßen das Protektorat übernommen. Wie glänzend das Auditorium, wie wohlgelungen die Ausführung und wie hoch der Reingewinn war, das kommt hier nicht in erster Reihe in Betracht, sondern der „Kiddusch haschem." Wohlverstanden: wir meinen nicht die besondere Ehre, daß die beiden Genannten zusammen in einem Komitee wirkten, sondern daß die Wohlthätigkeitsbestrebungen der Juden, die ja längst bekannt sind, auch gewissermaßen offiziell anerkannt werden, das gibt dem hochinteressanten Unternehmen ein wohlthuendes Gepräge. Das Programm führt uns in seinem ersten Theil in einen griechisch-heidnischen Tempel, im zweiten Theil in di? älteste christliche Kirche, und last not im dritten Theil in die — Synagoge. Altgriechisch, Lateinisch und Hebräisch, zum Theil in der Originalsprache, waren für Manche unverständlich, die Musik aber, die internationale und interconfessionelle Sprache, hat alle Herzen bewegt, alle Zuhörer mit Begeisterung erfüllt. Die heitere, lebensfrohe Stimmung der Griechen, der Schöpfer der schönen Künste, die düstere, pessimistische Lebensanschauung der Mönche und die Elegien der jüdischen Liturgie brachte uns das Programm zum Gebär. Das Ganze war inscenirt und interpretirt von dem Professor der Musik, Herrn Oskar Fleischer, dirigiert von dem Leiter der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche, Herrn Professor Freudenberg. Als Solisten wirkten mit Frl. Vera G o l d b e r g und Herr Arton von R o o y. Alles interronfessionell bis auf die Besucher, darunter sich, einem on dit zufolge, auch einige — Christen befunden haben.

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