Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1901)
- Date
- 1901-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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417 „Sehr angenehm, Eminenz, wenn Du zu uns aus Deinen theologischen Höhen herniedersteigst," sagte Hassenpflug und stellte an seiner rechten Seite einen Stuhl für ihn zurecht. „Wenn wir geistlichen Beistand nöthig haben, brauchen wir jetzt nicht weit zu suchen, wenn Du bei uns bist," meinte der Domäneminister. „Ich werde sofort darum bitten, indem ich Dich ersuche, mir in die Karten zu sehen und mir im Ernstfälle Deinen hochweislichen Rath zu spenden," sagte der Oberst; „was ist Trumpf?" „Richtig Kreuz! auf diesem Gebiet ist Schellenberg ja erste Autorität," sagte lächelnd der Wirth. Schon länger als eine halbe Stunde hatte der Prälat gedankenlos dem Spiele zugesehen und vergebens nach einer Gelegenheit gefahndet, sein Sprüchlein herzusagen. Eben hatte durch einen feinen Trik der Domäneminister den Kavallerieoberst bete gemacht, so daß dieser sagte: „Du Spitzbub', wenn das mit rechten Dingen zuging, will ich, ich weiß nicht was, aber ich werde jetzt die Augen ausmachen,-der reine Jud'!" „Wenn der Wattenbach wirklich etwas gemogelt hat, dann ist die Bezeichnung Jud' viel zu gelinde," sagte der Prälat, „denn es gibt doch auch ehrliche Juden." „Hast Du schon einmal einen gesehen?" fragte der Kavallerieoberst, während er die Karten vertheilte. „Es sind noch nicht vier Stunden her, daß ich einen in meiner Wohnung gesehen und gesprochen habe." „Du hast ihn am Ende gar bei Dir, sieh' doch einmal in Deiner Westentasche nach," bemerkte Hassenvflug. —- „Bei mir habe ich ihn nicht, aber wenn Du willst, will icb ihn Dir morgen schicken." „Das fehlte mir auch noch, was soll er bei mir thun? Aber in's Museum kannst Du ihn schicken, dort sollen sie ihn unter Spiritus legen und ihn für Geld vorzeigen." Die beiden Zuhörer brachen in ein schallendes Gelächter aus; aber der Herr Prälat blieb ernst. „Hat Euch schon einmal ein Jude geprellt?" fragte er ernst. „Bon der Seite habe ich Dich noch gar nicht gekannt," antwortete der Domäneminister, „Du verzapfst wohl heute Menschenliebe, hm?" „Ich habe mich selber nicht von der Seite gekannt, ich habe über die Juden immer und überall so gedacht, wie Ihr, aber was ich neuerdings erfahren habe, hat mich zu einer ernstlichen Revision meines Urtheils oder Vorurtheils geführt." „Sofort wenn die Partie zu Ende ist, mußt Du uns Dein Judenabenteuer erzählen," sagte der Domäneminister. Aber es folgte noch ein Spiel und noch ein zweites, es wäre wohl noch manches andere gefolgt,, wenn der liebenswürdige Hauswirth nicht daran erinnert hätte, daß man der Eminenz die Geschichte abkaufen müffe, die sie zum besten geben wolle. Herr Prälat Schellenberg erzählte nun sein erstes Begegniß mit Bensew vor zwei Jahren, und er that dies mit so viel Wärme und Geschick, daß, als er geendet, der Herr Oberst v. Görne meinte, einen solchen Juden möchte er auch kennen lernen. „Handelt er vielleicht mit Pferden, dann möchte ich gerne mit ihm in Verbindung kommen, denn die Roßhändler, mit welchen ich verkehre — und es sind ausschließlich Christen — haben mich schon so oft über's Ohr gehauen, daß ich's einmal mit einem Juden versuchen möchte." „Sagtest Du nicht vorhin," bemerkte Haffenpflug, „daß Du den Juden erst vor wenigen Stunden gesprochen hättest." „Allerdings sagte ich das, jetzt habe ich den Mann von einer zweiten Seite kennen gelernt, die aber nur unfern Wirth interesiirt, Dir will ich's ein anderes Mal erzählen." „Vor meinen Gästen habe ich kein Geheimniß, und wer A sagt muß B. sagen, also heraus mit Deiner Geschichte Rümmer Zwei, die Sache fängt an, mich zu interesiiren." „Run, wenn Jhr's durchaus wissen wollt, so kann Euch geholfen werden. Ist bei Dir nicht ganz kürzlich vom Vorsteheramte der Israeliten oder vom Landrabdinate eine neue Shnagogenordnung eingelaufen?" (Fortsetzung folgt.) Humoristisches. Mriilimi Tlhulic null U M«. Bortrag, gehalten von Herrn Professor Dr. Gnmpel Hechteles im Verein für jüdische Geschichte und Littteratur zu Pofemuekel. (Originalbericht für den „Israelit".) Vor einem zahlreich erschienenen Publikum hielt am Freitag Abend der eine Stunde nach Sternenaufgang angekommene, hochverdiente, in der Ueberschrift genannte jüdische Gelehrte einen fesselnden Vortrag über das obige Thema. In seiner Einleitung entschuldigte sich der verehrte Redner, daß er sich gerade dieses Thema herausgesucht habe. Aber er habe bereits im Vorjahre an dieser Stelle über Heine und die Juden, vor zwei Jahren über Friedrich den Großen und die Juden, vor drei Jahren über Humboldt und die Juden, vor vier Jahren über Göthe und die Juden u. s. w. gesprochen, daß er schlechterdings kein anderes Thema habe finden können. Er sei überzeugt, daß das verehrte Publikum mit demselben Interesse die jüd. Beziehungen eines ehrsamen Schlossermeisters aus dem Beginn des 16. Jahrhun-