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Der Israelit · 1901-03-04 · Heft 18 (4.3.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 18 (4.3.1901)
Date
1901-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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415 „Im Auftrag der Frau Therese Wassermann gestatten wir uns, zum Andenken an den am 4. c. verstorbenen Herrn Privatier Elkan Wassermann Mk. 1000 mit der Bitte zu übersenden, solche für Wohlthätigkeitszwecke nach Gutdünken zu verwenden, jedoch mit der Einschränkung, daß solche Fälle, die der gemeindlichen Unterstützung unterliegen, davon ausgeschlossen bleiben." Der Magistrat-sprach in der Sitzung vom 14. dss. für di? von schönem Wohlthätigkeitssinn zeugende Spende seinen Dank aus. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Hunovorf, l. Adar. Am zweiten Rosch-Chodesch- Abend iand im Schoße unserer altehrwürd. Gemeinde eine wahrbafte -ttc dr." rrrvc statt. Anläßlich des von unsenr Schaß Gbewrah vollzogenen Abschlusses von mr rrcs wurde von einigen der rührigsten Mitglieder derselben ein Festessen veranstaltet, das für die daran Betheiligten in überaus befriedigender Weise verli-s. Die abgehaltene Sijumfeier ist aus dem Eirunde bemerkenswerth und auch für weitere, für unsere heilige Lehre noch warmfühlende Kreise von Interesse, weil dieselbe die durch Gottes Hülfe erreichte Erstarkung des gesetzestreuen Judenthums auch innerhalb unserer Gemeinde documentirt. Dieselbe stand einstens in der Reihe der ersten Gemeinden Ungarns und zählte in ihrer Mitte immer einen Kreis von Männern, die sich durch Bethätigung von Gottesfurcht auszekchneten, und die Erhaltung der heiligen Thora zur Lebensaufgabe machten. Durch den Umschwung der politischen Verhältnisse und die Erschwerung der materiellen Eristensbedingungen indessen, machte sich auch in der hiesigen Gemeinde, wie in so vielen des Landes, eine Periode des Niederganges und geistigen Verfalles geltend, wodurch unsere seit langen Jahren blühende Schaß Ehewroh ungefähr vor einem Dezennium gezwungen wurde, ihre ersprießliche Thätigkeit einzustellen. Am letzten Sukotfeste beschlossen nun die uns noch gebliebenen und durch geringen Zuzug von auswärts verstärkten Bne Thora, die geistig nutzbringende Institution zu neuem Leben zu erwecken und es gelang ihnen endlich, sich als rrcn-c"tr zu reeonstrniren. Im Hinblicke auf die mehrjährige Stagnation des Vereins bat somit die gestrige Feier eine doppelt weihevolle Bedeutung. Der Abend verlief höchst animirt und wurde durcki verschiedentlicbe, zur Sache gehaltene m'n gewürzt Gust. Austerlitz. Schweiz. Genf, im Febr. Die Stadt Genf zählt nach der diesjährigen Statistik 1076 jüdische Einwohner, der Kanton Gens besitzt deren ca. 1400 auf eine Gesammtbevölkerung von 180,000. — Die edle und sinnige Weise, wie das 70. Geburtsfest des Herrn Rabbiner Dr. R ü l s gefeiert wurde, erinnert in Gens an das vierzigjährige Amtsjubiläum unseres Herrn Grand-Rabbin W., welches vor Jahresfrist hier stattfand. Während dort u. A. eine Stiftung gegründet wurde zu Gunsten der Armen, wurden hier Beiträge in Baar gesammelt und die Gesammtsumme in der Höhe von einigen sieben- bis achttausend Franken, in gute Obligationen umgewandelt, sind dem Jubilar in feierlicher Weise in der Synagoge übergeben worden als persönliches Geschenk. Ein französisches Sprüchwort heißt: .un patron a 1 *s SiTvitfMivs nn*i1 niönit'-V Man könnte in Umsetzung diessr Phrase sagen, ein Rabbiner steht an der Spitzderienigen Gemeinde, die er verdient und umgekehrt. linier Herr Grand-Rabbin sieht sich leider einer, in religiösen Dingen ungemein gleichgültigen Gemeinde gegenüber. Die Synagoge steht, außer an hoben Festtagen, stets leer, denn zum Sabbatgottesdi-ust sönde stch nie Minjan zusammen, wenn nicht einig? arme Juden dazu bezahlt würden. Das Beispiel solcher Gleichgültigkeit kommt von oben herab, denn die Herren Vorsteher der Gemeinde halten ihre Geschäfte offen nicht nur am Samstag, sondern auch am N.osch'Haschanah und Jomkippur. Ganz so weit haben es noch nicht alle Inhaber jüdischer Geschäfte gebracht, aber daß dieselben mit dem Verhalten dieser Herren Vorsteher einverstanden sind, beweist die vor einigen Tagen erfolgte Wiederwahl dieser Vorsteher, aus eine Amtsperiode von drei Jahren. (An der Wahl betbeiligten sich übrigens kaum ein Drittel der Wähler.) Ein anderes Beispiel unglaublichen Jndifferentismns bestätigt folgende Thatsache: Im Anfang Januar 19on starb in Paris Herr Baron Adolf von Nothschild. Derselbe hinterließ zu Gunsten der armen JMen von Genf 10,000 Frk., ferner der jüdischen Gemeinde von Genf zur Gründung einer jüdischen Schule ein- Summe von 60,000 Frk. Run ereignete stch das Merkwürdig-, daß die jüdische Gemeinde diese Legate au.s den Zeitungen erfahren hat, daß sie selbst aber bis zur Stunde noch nicht zusammen berufen wurde, um offiziell von diesen Legaten in Kenniniß gesetzt zu werden oder darüber zu bestimmen. Es kümmert sich aucb k-in Mensch darum. was mit dieser Summe geschieht, und arn wenigsten denken die Juden daran, ihre Kinder in eine iüdische Schule zu schicken. Daß unsere Kinder kaum noch hebräisch lesen können, gibt den Barometer für die Lust zur Religion und jüdischen Unterricht. Was das Armengeld anbetrifft, ist dasselbe wahrscheinlich durch den Herrn Grand-Rabbin nach bestem Wissen und Gewissen unter arme Juden, vielleicht auch Nichtsuden vertheilt worden, aber der Vorwurf kann Niemand treffen, daß die Sache an die große Glocke gehängt worden wäre. Zum Dank für diese großherzigen Legate wurde am 7. Februar die Jahr- ,^eit des Todestags des verstorbenen Herrn Barons in d-r hiesigen Svnagoge gefeiert, aber diese Jahrzeitfeier wurde Niemanden angezeigt und die erstaunte jüdische

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