Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1901)
- Date
- 1901-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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413 Verblichenen zu halten. Aus dem reichen Inhalt geben wir in Folgendem einen kurzen Auszug: Aus der Fülle des Stoffes, den der 7. Adar für die hohe Bedeutung unseres Lehrers Mose bietet, sollen, so führte der Nedner aus, nur zwei Momente hervorgehoben werden, seine überragende Größe einerseits x'z: myj ntrca ap x^ und scheinbar diesem widersprechend, seine Vorbildlichkeit für die Folgezeit. Hinsichtlich des ersten Momentes erinnerte Redner an die Behandlung dieser Frage seitens der jüdischen Religionsphilosophen, in Bezug auf den zweiten Punkt gab er eine Erklärung des Midraschwortes: nsi 'na rp :rcxn nraa cs :nay ntrcai 'na lraxn ncxK' *aa pcxc :Sxa vx^c nyna paxon Sar n^ca: aAyn n^: Mose gleich habe der Verblichene über alle Menschen hervorgeragt, Mose gleich könne er ein Vorbild abgeben für alle kommenden Geschlechter. Wenn Redner berufen wäre, die Trauerrede zu halten, so verdanke er es dem llmstande, daß er so oft der Vertrauensmann und Vermittler des großen Mannes in seinem alles umfassenden Wohlthun gewesen, xm trp1? tpn Ay n'b-n yn\ Freilich, es werde ihm nicht gelingen, diesem Manne in einem Hesped gerecht zu werden, doch nabna nra^ anxb ava ,'ca gerade das, wäre ein gutes Zeichen, wenn es nicht gelingen sollte, ein reiches, weltumfassendes Leben in wenigen Worten zu charakterisier:, wenn die Fülle der Züge Einen überwältige, man nicht wisse, was man hervorheben solle. In Erfüllung von ,-in'ay: m\n sei dies Leben nicht minder bedeutsam gewesen, als in der Bethätigung von cnan, doch nur dies letztere Moment, die weltumspannende, alles berücksichtigende Ausübung von Thaten reiner Menschenliebe wolle er zu schildern versuchen. Und nun berichtete der Redner eine Reihe schlichter Thatsachen, die die Hörerschaft zu Thränen rührten. Zu der Zeit, in der selbst weniger bemittelte Leute ihre Erholung in Vergnügungen und Festlichkeiten suchen, des Abends von 9—11 Uhr, am Schluß eines anstrengenden Tagewerkes, saß er mit seinem Almosenier in ernster Berathung zusammen und ließ sich über jedes Gesuch, das eine bestimmte Höhe überschritt, Vortrag halten. Kein Gesuch durfte ungelesen in den Papierkorb wandern. So viel Freude gewährte ihm diese Thätigkeit, daß vor einigen Jahren, als er in Folge einer Krankheit apathisch geworden war, ihm der Arzt zur Hebung seines physischen Zustandes die Wiederaufnahme dieser Abendsitzungen empfahl. Die Bethätigung dieser Menschenliebe war getragen von echt jüdischem Geiste. Sie vollzog sich im Stillen. Wer hat ie erfahren, daß der Dahingegangene 48 hervorragenden Talmudgelehrten fünf Mal im Jahre zu den Festen je Ml. 300 — jährlich Mk. 1600 — sandte? Einst trat, um ein großes Haus vor dem Ruin zu schützen, ein Komitee zusammen, und wandte sich zunächst an den Freiherrn. Die Mitglieder desselben konnten nicht umhin, über die ihrem Erwarten nach verhältnismäßig kleine Summe ihrer Enttäuschung Ausdruck zu geben. Er schwieg. Erst später erfuhren sie von dem Geretteten, daß ihm von dem Freiherrn schon vorher eine ebenso große Summe zugestellt worden war, wie sie das Komitee zusammenzubringen sich anheischig gemacht hatte, daß er das Doppelte zur Regulierung benöthigt hätte. Seine npnjt war getragen von echt jüdischem Geiste. Sie sollte nicht Almosen sein, sie sollte stützen, neues Wirken und bedeutsame 'Werke in's Leben rufen. Synagogen und Gemeinden hat er erhalten, die Wissenschaft gefördert, die Stätten, aus denen die Lehrer und Leiter des Judenthums hervorgehen, mit seinen Gaben beschenkt. Zum unauslöschlichen Dank ist ihm das Rabbinerseminar verpflichtet, das er seit Gründung alljährlich fürstlich bedacht, an dessen Gedeihen und Entwickelung er liebevoll Antheil genommen. Ließ er sich doch über die Hörer der Anstalt vom Redner allmonatlich Bericht erstarten. Seine npnar war getragen von echt jüdischem Geiste, denn sie erstreckte sich nicht nur auf sein Volk, sie erstreckte sich auf die gesammte Menschheit. Aus den vielen Thatsachen, die der Redner erzählte, sei nur der eine wahrhaft ergreifende Vorfall berichtet. Die Zeitungen brachten die Nachricht, daß ein Arbeiter in der Nähe von Darmstadt von einem Baum erschlagen worden sei, die Frau infolge dessen in eine Nervenheilanstalt gebracht werden mußte, und ein Säugling hilflos in der einsamen Hütte liege. Der Freiherr las diese Notiz und beauftragte sofort seinen Vertrauensmann mit der Ueberführung des Kindes, um das sich Keiner gekümmert hatte, in eine Pflegeanstalt. Gegen Abend trat plötzlich große Kälte ein. In der Nacht ließ der Freiherr seinen Vertrauensmann wecken, um zu erfahren, ob Betten und Decken für das Kind nach der Hütte hinausgesandt wären. Ein solches Leben, so schloß der Redner, sei die sicherste Bürgschaft für die Wahrheit des Unsterblichteitsglaubens, hier empfinden wir die Tiefe der Worte Gabirols: „Dein die beiden Welten, die Du von einander geschieden, die eine zum Wirken, die andere zum seligen Frieden. Dein der Lohn, den Du den Frommen beschieden und aufgespart, Du sahst, daß er gut sei, drum hast Du ihn aufbewahrt." An die bedeutsame und ergreifende Trauerrede schloß sich der Vortrag des Psalm 90 und eines vom Rektor verfaßten hebräischen Gebetes, in dem derselbe die Wirksamkeit des großen Mannes schilderte und dem Danke der Anstalt in bewährter Meisterschaft Ausdruck gab. Das Mariwgebet beschloß die des großen Mannes würdige Trauerfeier. Kattowitz, O.-S. Das Stiftungsfest der xnan cbm n-pai xwnp wurde am *nx m my in der üblichen Weise gefeiert. Vormittags fand in der Synagoge Gottesdienst, verbunden mit einer Seelen-