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Der Israelit · 1901-03-04 · Heft 18 (4.3.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 18 (4.3.1901)
Date
1901-03-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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413 Von nira hat uns die Schrift das Bild aufbewahrt, wie er beim Anblick der großen Erscheinung, als sich 'chm Gott im flammenden Dornbusch offenbarte, sein Antlitz barg, cina xt '2 aus Scheu, zum Ewigen hinzuschauen. Weil Moses (lautet ein Midraschwort) demüthig sein Antlitz vor Gottes Herrlichkeit verhüllte, wurde er mit dem Lichte höherer Erkenntniß begnadigt. Grade die Demuth und der Herzensadel führten ihn zum Glauben und zur wahren Gotteserkenntniß. Das Licht, das sein Herz erwärmte, hat seinen Geist erleuchtet; aus der Wurzel der Demuth wuchs der Baum der Erkenntniß empor, und aus dem Quelle der Stammesliebe ergoß sich der Strom der Wahrheit. Als daber jener Ungläubige den Talmudweisen Raba fragte: „Warum habt Ihr vor yetpr mw: gerufen?" erwiederte er ihm treffend: xira'^2 p':a"! f:x. „An uns, die wir in Herzensreinheit wandeln wollen, erfüllt sich der Weisen Wort: ann a^ir na*n das Streben nach Vollkommenheit leitet die Redlichen auf die Bahn der Wahrheit. An Euch, die Ihr Euren sinnlichen Neigungen nachgehen wollt, erfüllt sich die Wahrheit: Lnv" anrn p^c', „die Treulosigkeit zerstört die Arglist." Hättet Ihr auch zuerst yetw gesprochen und das Bessere als die Wahrheit erkannt, so würdet Ihr dennoch, auf das Bessere nicht achtend, dem Schlechteren folgen. Es ist nicht der unrichtige Gedanke, der Euch zum schlechten Lebenswandel verleitet, es ist der schlechte Lebenswandel, der Euch auf schlechte Gedanken bringt. Der Einfluß des Herzens auf den Geist und des Lebenswandels auf die Lebensauffassung tritt in folgender Erzählung des Talmud hervor: R. Aschi, der von der jüdischen Nachwelt als rpn -nee Redakteur des Talmud gefeiert wird, kam im Laufe seiner Mischnaerklärungen zu der Mischna im letzten Eavitel des Traktats Sanhedrin: bx->2" bz yrrvb p^n anp tr. „Alle Israeliten haben Aniheil an der zukünftigen Seligkeit, folgende jedoch bilden eine Ausnahme: n^a axnx ai?ni\ Bei diesen drei Königen machte er Halt und sagte: P“ana rrnc: ine*». „Morgen eröffnen wir unseren Vortrag mit unserem Collegen, mit Männern, die nicht minder gelehrt waren, als wir, denen aber trotzdem die Himmelsvforten verschlossen blieben. Der Vortrag war zu Ende. Der Meister verließ den Lehrsaal, Hunderte von Zuhörern ergossen sich auf die Straßen. Tie Nacht brach herein und R. Aschi sank ermüdet auf sein Lager nieder. Plötzlich öffnet sich die Thüre: nv:a xnx, König Menasie, der Para bPx -nein ein Götzenbild im Tempel errichtet hatte, steht vor ihm und fährt ihn stolz an: „Wie? pan Deine Collegen, Deiw's Vaters Collegen nennst Du uns? n*pa xana K'jrer; xarr'aP. Weißt Du denn, an welcher Stelle das Brod anzuschneiden ist, wenn man x’aran sagen will?" 1 Menasse spricht nicht von leiblicher, sondern von geistiger Nahrung, von b’tbx anp von dem Brode c^aix mw 'axPae>, das die Geister genießen. „Hast Du," fragt Menasse, „an dieser trs:n n-rye an diesem Seelenmahl theilgenommen? Hast Du jemals gestrebt, die Heerstraße der Gewohnheit verlassend, dem Welträthsel in Antlitz zu sehen? Weißt Du denn überhaupt, an welcher Stelle dieses Vrod anzuschneiden ist, wo der erste herzhafte Schnitt geführt werden muß, ehe man den x^an nennen kann, wovon man bei der Betrachtung über Tirnra we die Uranfänge des Seins ausgehen muß?" x;rr xP. „Das weiß ich nicht! Mit dieser Frage habe ich mich nicht befaßt," erwiederte R. Aschi. „Du, der Du niemals aus dem engen Raum der Halacha naPn Pp mox herauszutreten gewagt, erkühnst Dich, uns rrrry abzusprechen, die wir durch brandende Meereswogen mächtige Staatsschiffe sicher geleitet haben! Hall Du Dich doch nur mit pap iri den xav: nvin halachischen Controversen des Abaji und Raba befaßt, während wir über ‘m; -iz“ über die großen Welträthsel forschend, die gefalteten Geistessittiche ausgespannt den Flug zur Sonnenhöhe der Wahrheit versucht haben!" H na;x. „O bitte, belehre mich doch!" ries R. Aschi, xpi'K -atpa *P x;tm -napi, „morgen will ich die neue Wahrheit der Welt in Deinem Namen verkünden." xPnra cnpn xwn p"x. „An der Stelle," erklärte Menasie, „ist das Brod anzuschneiden, an der es am vollständigsten ausgebacken ist, über die das Feuer seine mächtigsten Gluthen ergossen, p*yn rr.pnnn VTitrpm. Die Prämissen, von denen man ausgeht, müssen vollgereiste Wahrheiten sein, Prinzipien, die die Feuerprobe der Erfahrung bestanden, die in ihrer Klarheit und Bestimmtheit jeden Zweifel ausschließen. •xn >p:a raran "irxa P"x „Du gehörtest", rief R. Aschi staunend aus, „zu den erleuchtesten Geistern Deiner Zeit, a’iryP w'"pa xp rc. Wie aber konntest Du in den Abgrund des Götzendienstes sinken?" (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 26. Febr. Heute, am Nachmittag des 7. Adar, versammelten sich die Dozenten und Hörer, Kuratoren und Gönner des Rabbiner-Seminars zu einer Trauerfeier für den dahingeschiedenen Freiherrn Carl Wilhelm von Rothschild s. A. Nach dem Minchagebet trug der Rektor, Herr Dr. Hosfmann, Psalm 1.6 und 91 vor. Alsdann bestieg Herr Rabbiner Dr. Berliner die Kanzel, um die Gedenkrede auf den

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