Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-02-28 · Heft 17 (28.2.1901) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 17 (28.2.1901)
Date
1901-02-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449164--52786-2503345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

396 O nein, wie oft standen wir Juden im Laufe der Jahrhunderte am offenen Grabe unserer großen Männer in dumpfer Verzweiflung, weil wir in ihnen unser Alles versunken glaubten, in dem beängstigenden Gedanken mtsy nJD mn hjb rrrt n:a und immer wieder hat die allumfaffende Macht der Vorsehung in ihrer unendlichen Güte uns klar vor Augen geführt die unumstößliche und ungemein tröstliche Wahrheit *6 fww’s /a*?« „Israel verwaiset nicht!" — Gerade die Worte, die ich mir erlaubte, diesen Zeilen gleichsam als Motto voranzustellen, leiteten meine Gedanken auf einen Pfad, der wohl recht dornenvoll und mühsam zu beschreiten sein wird, der mir aber einen Fingerzeig zu geben scheint, wie wir würdig das Andenken eines Willy von Rothschild ehren können und aus ihm vielleicht annähernd die 71212 zu ziehen vermöchten, die jener große Mann durch seine vielumfassende Wohlthätigkeit um sich her besonders nach der Richtung hin verbreitete, die Allgemeinheit in ihrem Wohlergehen zu fördern, der rrn und all' jenen Institutionen empor zu helfen, welche wahrhaft Humanitären Zwecken dienen und das Ansehen des Gesammtjudenthnms zu heben vermöchten. Die Geschichte unseres Volkes hat es tausendfach bewiesen, wie sich die Vorsehung häufig eines Vorganges bedient, der scheinbar geeignet ist, die Existenz unseres Volkes ernsthaft zu gefährden, um uns aus ihm Keime unverkennbaren Heiles entsprießen zu lassen. So war der Antisemitismus, jene Geißel unseres Jahrhunderts, dazu berufen, das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit mehr denn je wachzurufen und zum Ausdruck zu bringen. Ihm entsproß jene eigenartige, wohl nicht in all ihren Theilen genießbare Frucht des Zionismus. Ich kann mich trotz aller Gegenreden der Ueberzeugung nicht verschließen, daß auch diese Bewegung in ihrem Innern einen gesunden Kern birgt. Hat sie doch für viele, bisher ganz außerhalb des Judenthums Stehende, den festen und unumstößlichen Beweis erbracht, daß auch ihr eigenes Heil nur auf dem innigsten Anschluß Aller an alle Juden zu beruhen vermag. Es isi mir gar kein Zweifel, daß mit der Zeit auch aus dieser Erkenntniß — xzS novb ttbe> -pnc ncvb --- mit zwingender Logik für alle Anhänger des Zionismus die zweite Folgerung sich ergeben muß, daß dieser Anschluß nur dann ein dauernder, allen äußeren Stürmen erfolgreich trotzender bleiben kann, wenn der Einzelne auch in seinem äußeren Gebühren sich als Jude fühlt und zu erkennen gibt, daß ein solcher Anschluß sich nur lohne, wenn man selbst auf dem Boden altjüdischer Gesetzestreue stehe, aber 12^ nvnrr by ist der ganze p'S i'p. wenn ich jene zionistische Sentimentalität so nennen darf, hinfällig und gegenstandslos. Wir gerade, wir Juden nach alttestamentarischem Sinne, sind ja stets und auch noch bis heute unentwegt treue Anhänger der Zionsidee gewesen, aber nicht der vorzeitigen, d. h. vor der Zeit in Scene zu setzenden, die uns aus Prophetenmunde als Zielpunkt unseres Golus gesetzt ist. Jetzt oder in absehbarer Zeit, ohne daß jene vorgezeichneten Prämissen sich erfüllt hätten, einen Zionsstaat in's Leben rufen zu wollen, ist vom religiösen Standpunkte als ein werthloses Phantasma zu betrachten. Nun, wenn sich trotzdem für ein derartiges, so sehr in der Luft schwebendes, wenn nicht geradezu aussichtsloses Projekt, unzählige Gönner bereitgefunden haben, in verhältnißmäßig kurzer Zeit das wahrhaft fabelhafte Vermögen von einigen Millionen Pfund Sterling zusammen zu bringen, sollte man da nicht glauben, daß es eine Leichtigkeit sei, eine ebenso große, wenn nicht größere Zahl von Interessenten für ein Unternehmen zu gewinnen, welches eine viel solidere Grundlage bietet, dessen segensspendende Kraft sofort in's Auge springt? — Es gilt dem Andenken Willy von Rothschild eine würdige Folie zu geben, es gilt dem Judenthum und all' seinen wahrhaft Humanitären Anstalten eine stets reichlich fließende Quelle der Unterstützung zu erhalten, die mit dem Tode des Baron wohl nicht ganz versiegen wird, aber in ihrem freien Abfluß für die erste Zeit fraglos wesentlich gehemmt ist. Sollten sich da nicht warmfühlende Herzen und von der Vorsehung mit Glücksgütern gesegnete Glaubensgenossen in reicher Zahl finden, die sich und dem Andenken jenes großen Mannes durch eine größere oder geringere Vetheiligung ein unsterbliches Denkmal, inoimmentum aere perennius zu setzen bereit wären? Man hat es ja des Oefteren gehört, daß im Innern von Rußland so mancher arme Jehudi von dem Wenigen, mit seiner Hände Arbeit sauer Erspartem, kaum zur Befriedigung seiner nothwendigsten Lebensbedürfnisse Hinreichenden, gut und gern alljährlich seinen Obolus beiträgt, um ihn in die Zionsbank fließen zu lassen, deren Erträgnisse ihm sicherlich nicht mehr, aber auck> seinen Kindern nur sehr fraglich zu Gute kommen. Sollte da nicht mancher, auch der ärmste Jehudi Deutschlands, nein der ganzen Welt, sich mit Freuden bereit finden lassen, wenn auch nur mit einem einzigen Beitrag — auch ein winziger Beitrag in beträchtlcher Menge fließend, kann Großes leisten — ein Unternehmen dauernd zu unterstützen, das ihm und seinen Kindern und Kindeskindern bis in die späteste Zeit hinein ein unversiegbarer Born reichsten Segens sein wird? Wäre ein derartiges Unternehmen nicht ein Kiddusch haschem sondergleichen? Mag unsere Mitwelt staunend sehen, wie wir unsere großen Männer ehren! Ich dachte mir also, ganz analog der Zionsbank, die Gründung einer Willy von Rothschild-Bank oder -Stiftung, die sich freilich von jener himmelweit unterscheidet, da ihr Erträgniß voll und ganz schon jetzt der Mitwelt zu Gute kommen soll. Es müßten einwandsfreie Männer aus unserer Haute finance an die Spitze treten, die dem geschäftlichen Theil des Unternehmens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.