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Der Israelit · 1901-02-28 · Heft 17 (28.2.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 17 (28.2.1901)
Date
1901-02-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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4L Jahrgang. Iweile Anlage zu 17 des „Israelü". Leitender Artikei Eine Anregung. San R e m o, im Februar irj ra-ix bjf'n 'vp'nK tbo “px^fvic i'Vv m*. Es war Sonntag Nachmittag, einer jener wunderbaren Rivieratage, an denen die glitzernden Strahlen der südlichen Sonne uns ganz vergessen lassen, daß wir im Januar, also eigentlich mitten im Winter, leben. Im leichten Sommerkleide pflegte ich auf offener Veranda der Siesta, in langen Zügen den würzigen Duft einsaugend, der der üppigen Natur um mich herum entströmte. Ich erwartete meinen Freund, mit dem ich verabredet hatte, den reizvollen, weil eigenartigen Klängen einer Versaglieri-Kapelle zu lauschen; in der Rechten hielt ich den Secolo, auch ein Gebilde des Südens, eines der vielen mit großer Verve und Stentorstimme aus freier Gasse angepriesenen Tagesblätter, die es in wahrhaft meisterhafter Weise verstehen, auf vier engbedruckten Folioseiten in volltönenden Phrasen einem -absolut nichts zu sagen. Schon wollte ich unbefriedigt bas Blatt aus der Hand legen, da blieb mein Auge wie gebannt auf einer kleinen, fünf Worte haltenden Zeile haften. Die Lettern tanzten mir vor den Augen, zu Tode erschreckt fuhr ich in die Höhe, das Blatt entfiel meiner Hand.-Die Nachricht kam mir zu unerwartet und hatte mich aus all' meinen Himmeln gerissen. Wie mechanisch griff ich nochmals nach dem Blatte, das mir die Hiobspost gebracht, mit dem Fünkchen Hoffnung, mein Auge könnte.sich geirrt haben. Nein, da stand es, in lakonischer Kürze und von um so erschütternder Wirkung: „Baron Willy von Rothschild heute gestorben." O, wie richtig, wie psychologisch wahr haben unsere Weisen gehandelt, wenn ste zu Zeiten der Trauer jeden äußeren Glanz und Comfort aus unserer Umgebung gebannt wissen wollen. Der heilere Sonnenschein, der noch vor wenigen Augenblicken erquickend und belebend auf mich gewirkt, ich empfand ihn stechend, und unannehmbar; die lachende Natur um mich herum, ste schien meines Schmerzes zu spotten. Ich zog mich zurück in meine kleine Kammer, und hier fand ich wohlthätige Erleichterung in einer stillen Zähre, der ich mich gewiß nicht zu schämen brauche. Da klopft es an meine Thür. Wie eine schrille Dissonanz traf mich der Ruf meines Freundes: „Komme schnell, wir versäumen das Konzert." — So ungefähr mögen unsere Ahnen empfunden haben, als man ihnen zumuthete, auf fremder Erde den göttlichen Gesang erschallen zu lassen. Nur ein ruhiges, heiteres, in sich zufriedenes und glückliches Gemüth vermag die Melodik der Töne wohlthuend zu empfinden. Der ganze innere Mensch muß stimmen zu den Akkorden. Wenn aber das Herz erfüllt ist von unendlichem Weh, wenn unser Geist in trübem Sinnen in ganz anderen Sphären sich bewegt, in der That 1:0 reis bv sich befindet, o wie nahegerückt sind uns da die Worte des göttlichen Sängers: Tire vtr: -p» "21 bv 'n. Nur ein paar Worte der Verständigung genügten, um meinem Freund, den die Trauerkunde nicht weniger erschütterte, als mich, das Ungeheuerliche seines Wunsches klar zu machen. Wir blieben den Nachmittag über beisammen und fanden einigen Trost darin, in gemeinschaftlicher Erinnerung den unvergleichlichen Lebensgang des großen Tobten und den schier unersetzlichen Verlust uns vor Augen zu führen, den das gesammte Judenthum durch den Hintritt eines solchen Mannes erleiden mußte. Ihr geschätztes Blatt hat seither in lebenswarmen Farben das Bild des Verklärten zu schildern versucht. Nur der Nahmen schien mir nicht ganz vollständig; eine Seite habe ich in demselben immer vermißt, eine Seite, welche gerade in aufrichtig jüdisch fühlenden Kreisen in so selten vollendeter Form zum Ausdruck zu kommen pflegt, es ist dies das pnx “i:t, es ist dies die die aus dem Andenken an einen wahrhaften Zadik emporblühen soll, nicht jene volltönende, aber eigentlich selbverständliche und mehr oder weniger unfruchtbare, wohl zu Thaten aneifernde, aber die That selber nicht in sich begreifende nvnv. welche sich darin gefällt, aus dem Bilde des Verklärten aufrichten zu wollen und sich darin genügt, uns zu ermahnen, ein Jeder in seinem Kreise nach bestem Wissen und Gewissen das Seinige zu thun, um in dem Geiste und in dem Sinne des Verblichenen weiterzuwirken. Ein solches Bestreben ist anerkennenswerth und zu beherzigen. Aber die erzielte Frucht erscheint mir einem solchen Manne gegenüber verschwindend klein. Um einem Willy von Rothschild nacheifern zu wollen, müßte man es wenigstens in annähernden Grenzen auch äußerlich einem Rothschild gleich machen können!- Also wären wir wirklich zur Unthätigkeit verdammt, sollten ruhig den Verlust über uns ergehen lassen, die Hände in den Schoß legen in dem unerquicklichen Gefühl, daß es uns von der Vorsehung versagt sei, aus dem Andenken an jenen Großen die mns. das heißt die segenspendende Kraft zu ziehen, welche die Person eines Willy von Rothschild in sich geborgen?

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