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Der Israelit · 1901-02-28 · Heft 17 (28.2.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 17 (28.2.1901)
Date
1901-02-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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399 gegen die Juden schmieden. Als Handhabe wird der antisemitischen Presse in Rußland, welche fast ebenso verlogen ist, wie die in Deutschland, die Zahl der bei oer Necruiirung absentirenden Juden dienen. In der 'Thal ist diese Zahl so groß, daß die ruffische Regierung es für nothwendig hielt, sie besonders zu unterstreichen. Sie beträgt nämlich weit über 10,000 und vertheilt sich gleichmäßig über alle Gouvernements des jüdischen Ansiedelungravons. Die antisemitische Preffe wird nun gewiß nicht verfehlen, aus diesen Zahlen Kapital?,n schlagen, um unseren ruffischen Glaubensbrüdern Feigheit vorzuwerfen und sie als „Drückeberger" hinzustellen. Thatsächlich sind aber diese fehlenden 10,000 Juden weder Feiglinge noch Drückeberger, sondern — Verstorbene und Ausgewanderte. Die von den Kronsrabbinern geführten Matrikeln geben nämlich zwar über die neugeborenen, nicht aber über die verstorbenen Juden genaue Auskunft. Erstere werden genau registrrrt, während die Letzteren in den Matrikelbüchern häufig niebt wieder gestrichen werden. Das Ergebniß dieser unverantwortlichen Buchführung ist, daß alljährlich viele Tausende von Juden, welche seit vielen Jahren schon unter der Erde schlummern, zum Militär einberufen werden. Eine zweite unerschöpfliche Quelle der jüdischen „Drückeberger" bildet die Auswanderung. Jahraus, jahrein verlassen Tausende von jüdischen Familien mit sammt ihren Kindern das undankbare ruffische Vaterland, ohne vorher den Behörden „Adieu" zu sagen. Die Auswanderer werden nicht registrirt und nach vielen Jahren werden die Söhne der Ausgewanderten zum Militär einberufen. Weder die russische Regierung, noch das russische Volk werden durch das Richterscheinen der 10,000 Juden irgendwie geschädigt. Für die Negierung, welche nur einen geringen Bruchtheil aller Militärpflichtigen wirklich zum Militär heranzieht, bieten die 45,000 Juden, welche der Einberufung Folge leisteten, ein reichliches Material, hinlänglich genug, um die erforderlichen 16,000 jüdischen Rekruten sich aussuchen zu können. Die nichtjüdische Bevölkerung rekrutirt aber für sich selbst und hat in keiner Weise für die zur Aushebung nicht erschienenen Juden aufzukommen. Die wirklich Geschädigten sind die Juden selbst, und es spricht für die unter den russischen Juden herrschende unendliche Zerfahrenheit, daß bei der alljährlich stattsindenden Rekrutirung immer wieder und wieder zehntausend Juden fehlen, die in der Wirklichkeit gar nicht zu erscheinen brauchen. Hätten die Juden fiir eine sorgfältige Matrikelführung gesorgt, die Zahl der stellungspflichtigen Juden würde nicht 55,000, sondern nur 45,000 betragen und die Juden würden in Rußland alljährlich 3000 Soldaten weniger zu stellen haben. Dazu kommen noch die hohen Geldstrafen, welche die jüdische Gesammtheit für diese angeblich nicht erschienenen Glaubensgenossen zu entrichten hat. Diese Srafen betragen pro Kopf 300 Rubel und werden von den Angehörigen des Fehlenden, im Falle des Unvermögens derselben, von den jüdischen Gemeinden erhoben. Für die nichterschienenen 10,000 Juden bat also die jüdische Gesammtheit in Rußland alljährlich nicht weniger als drei Millionen Rubel an Strafen zu entrichten, welche die russische Regierung schmunzelnd einstreicht. Drei Millionen Rubel sind aber eine gewaltige Summe, welche das russische Ju- .denthum für ihre nothleidenden Brüder in Bessarabien, für die Kolonisation Palästina's und für viele andere höchst dringliche Bedürfnisse, für welche kein Geld aufzutreiben ist, besser brauchen können. T, -£• Vermischter,. .Königsberg i Pr. Das Komitee zur Unterstützung der rumänischen Juden Hierselbst sammelte laut Rechenschaft-- be icht M. 14,86:1. Aus Württemberg, 25. Febr. Anläßlich des heutigen Geburtsfestes Sr. Maj. des Königs erhielten; Der isr. Stiftungspfleger und Kirchenvorsteher Simon Heinrich Steiner von Laupheim die Berdienstmedaille des Friedrichsordens, Hofbankdirektor Ed. v. Kaulla in Stuttgart Titel und Rang eines Geh. HofratbS, Geh. Kommerzienrath Dr. v. steiner in Stuttgart die silberne landwirthschafttiche Medaille. Oberamtsarzt Dr. Rödelheime i i Lauvheim den Titel eines SanitätSraths, die Kaufleute Leoy Jacob urb Martin Erlanger in Stuttgart un> Isidor Ganz in Ulm den Titel eines Hoflieferanten. Berichtigungen. DaS in voriger Nummer besprochene Werk: Dr. L e w i n, „Wo wären die zehn stamme zu suchend ist nicht in Preßburg» sondern in Frankfurt cr. M. im Verlage der Buchhandlung von I. Kaufs mann erschienen. Hamm i. W. Die kürzlich gebrachte Notiz, daß Herr I. Dannenbau m in Lippstadt den rothen Ädlerorden 4. Elasse erhalten, ist nicht genau, vielmehr hat der Eommerzieurath I. Dannen bäum in Berlin, welcher aus vippnadt gebürtig, diese Auszeichnung erhalten. Sif^F Unserer heutigen 'Nummer liegt ein Aufruf des „Deutsch.-Jsr Kinderhort, Limburg a. L " bei, worauf wir unsere verehrten Leser ganz besonders aufmerksam machen. Whirftfafmffltirt« Vor einiger Zeit hat die Firma Meyer ■öMirflf UUl IIUIIUII* Lew) jun. in Berlin. Kaiserstraße 28, die Darmschleimerei der jüdischen Gemeinde übernommen. Di: im Namen der Gemeinde geübte Aufsicht, die >n letzter Instanz Herrn Rabbiner Dr. Esckelbacher untersteht, bürgt dafür, daß allen rituellen Vorschriften in peinlichster Weise genügt wird. Ist diese von Gemeinde wegen geübte Aufsicht auch in erster Reihe für den Bedarf der Berliner Wurstsabrikanten bestimmt, so darf doch das Institut als das einzige in Deutschland und vielleicht in der ganzen Welt, das lediglich koschere Därme versendet, den Fabrikanten koscherer Warst zur Beachtung empfohlen werde». Auch sei die Allfmerksainkeit der Herren Rabbiner und Kultusbeamten, denen in ihrem Bezirk die Ueberwachung der Ritualien obliegt, auf daß Institut hingelenkt, das bereit ist. jeden Bedarf zu demselben Preis wie den der Berliner Wurstfabrikanten zu decken.

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