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Der Israelit · 1901-02-28 · Heft 17 (28.2.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 17 (28.2.1901)
Date
1901-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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888 Zeitgenossen setzte, so bildete sich auch Willy von Rothschild seinen Glauben, seine strengreligiöse Richtung; zu einer Zeit, da die Wogen des Unglaubens und des Freisinns im Judenthume hochgingen, da wandte er sich noch in den Jugendjahren mit heiliger Begeisterung und Hingebung dem wahren Glauben der Väter zu und suchte sich durch eifriges, in reinster Absicht gepflogenes Thora-Studium, wozu er sich an Thorakenntniß, an Glaubens- und Charakterfestigkeit ausgezeichnete Lehrer wählte, Stärkung und Festigkeit; vr.jrp -rns einzig war er in dieser seiner Erscheinung; entsagend den Genüssen des Lebens, die ihm sein Reichthum gewährte, entsagend öffentlichen Ehrenstellen und Auszeichnungen, die ihm seine finanziellen Beziehungen verschafft hätten, lebte er nur seinen religiösen und bürgerlichen Pflichten, fand er sein Glück, seine Lebensaufgabe in der Bethätigung und Pflege von n'N nrras nun, darum auch Tram» roiaKi war er gewiß von Gott geliebt, wie wir ihn mit Glücksgütern gesegnet gesehen. Muftergiltig war feine Liebe zur Thora; neben seiner großen geschäftlichen Aufgabe versäumte er es nicht, der Thora-Beschäftigung die gebührende Zeit mit Vorrang zu widmen und sich ihr ganz hinzugeben, so daß er es bald zu einem hohen Grade von Thorakenntniß brachte. Mit dieser Liebe zur eigenen Beschäftigung verband sich seine Hoch- und Werthschätzung der Thora, die ihren Ausdruck in der Ehrung und Unterstützung der Talmide Chachomim fand. Wo auch immer es galt, bei Privaten, wie bei Anstalten das Thorastudium zu fördern und zu stützen, da war hierzu Herr Baron Willy von Rothschild bereit, da fanden Gesuche bei ihm ein williges Ohr und Herz. In der Uebung dern-roy, des Gottesdienstes war er ebenso vollkommen und bewundernswürdig. Die besonderen Tage des Jahres, die ernsten wie die freudigen, sie wurden in ihrer Art und nach Vorschrift gefeiert, die damit verbundenen 5ww mit peinlicher Genauigkeit und Auszeichnung erfüllt. Die eigentliche moy, das Gebet, das bei ihm in Wahrheit Herzensdienss war, wurde stets in Gemeinschaft und an bestimmter Gebetsstätte, wozu er Einrichtung getroffen, mit größter Andacht und Innigkeit verrichtet und wobei er meistens selbst mit einer Sprachrichtigkeit und einem Verständniß vorbetete, die Bewunderung erregten. In welchem Maße die Wohlthätigkeit von ihm geübt, welche Mittel er hierzu zur Verfügung stellte, und wie er zur rascheren und regelmäßigen Erledigung derselben einen besonderen Almosenier aufstellte und wie die meisten Gesuche von Einzelnen, von Gemeinden und Anstalten, besonders wenn letztere auf strengreligiösen Grundsätzen beruhten, Berücksichtigung fanden, ist ja bekannt, weniger bekannt, welche Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit auf Dank und Anerkennung ihn dabei zierten, so daß sein Name dabei nicht genannt und nicht veröffentlicht werden durfte. Ein solches Leben verdient es gewiß, bei seinem Abschlüsse erkannt und gewürdigt zu werden, gewürdigt als Vorbild für die Mit- und Nachwelt. Als solches möge es uns stets vorschweben und dann ist Herr Willy von Rothschild für uns nicht gestorben und wird sein Andenken ein ewig gesegnetes sein 127 71212^! Mit dem Wunsche, daß Gott das Leben der hochedlen Gattin, Freifrau Mathilde von Rothschild, die im Leben dem Frommen und Hochedlen würdig und treu in allein Guten und Erhabenen beigestanden und in gleichern Sinne fortwirken wird, schütze und erhalte, und daß Gott uns vor Trauer und Leid bewahre ybz 2'w ho bva nso-n nrrH non schloß die ebenso inhaltsreiche, das Leben des edlen Hingeschiedenen treffend kennzeichnende als ergreifende Rede. Es folgte alsdann das Seelengebet no 'n S3« für den verklärten p'ix und die Recitalion des Psalm 91 mit V-fp. Die fast einstündige Feier machte auf die Versammlung einen tiefen Eindruck. Hegenheim (Elsaß), 26. Febr. Daß viele unserer jüd. Landgemeinden fortgesetzt abnehmen, ist eine bekannte Thatsache, die auch durch die Geschichte der hiesigen Gemeinde bestätigt wird. Unsere Gemeinde zählte am Anfang des Jahrhunderts ca. 206 Familien, heute dagegen nur noch 30 Haushaltungen. Drei Jahreszahlen sind mit der Abnahme der Gemeinde auf's engste verknüpft. Im Jahre 1848 wurde die Auswanderung mehrerer Familien durch eine Judenverfolgung veranlaßt. Die Wegziehenden wandten sich nach Frankreich, da die Schweiz, die ihnen wohl näher gelegen hätte, den Juden bis 1860 verschlossen war. Nur der Kanton Genf machte eine rühmliche Ausnahme. Das Niederlassungsrecht in Basel hatten etliche jüdische Familien unter Napoleons Herrschaft erworben. Im weiteren verhielt sich aber auch diese Stadt der Aufnahme anderer Juden gegenüber ablehnend. Erst durch den im Jahre 1860 abgeschlossenen Handelsvertrag zwischen Frankreich und der Schweiz fielen auch hier die Schranken der Intoleranz. Demzufolge verließen zahlreiche Familien unseren Ort und siedelten nach Basel über, wo sie vorder schon zum großen Theil ihr Gewerbe betrieben hatten. Der Ausgang des deutsch - französischen Krieges endlich entführte uns nochmals eine Reihe jüdischer Gemeindemitglieder, die nur aus französischem Boden glücklich zu werden glaubten. Aus der Blüthezeit unserer Gemeinde stammt die Synagoge mit nahezu 300 Plätzen, die zu den schönsten Dorfsynagogen im Lande gezählt werden darf. Sie wurde im Jahre 1821 erbaut, nachdem die alte 1816 von den Oesterreichern zerstört worden war. Drei Lehrer unterrichteten in der damaligen Glanzperiode über 200 jüd.

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