Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1901)
- Date
- 1901-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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382 tretene Menschen verdanken derselben ihre Existenz. Nicht große Opfer werden vom Einzelnen verlangt; kleine Gaben, von Vielen geleistet, sind bisher die Hauptquellen für die Erhaltung des Kinderheims gewesen; mögen sie auch in diesem Jahre nicht ausbleiben, sa daß recht Vielen die Genugthuung wird, sich sagen zu können, daß auch sie mitgeholfen, ein großes Werk gefördert zu haben. Posen, im Febr. Trotzdem in hiesiger Stadt Gottlob kein Antisemitismus an's Tageslicht tritt, finden sich doch in der Hefe des Volkes hin und wieder einige Rädau-Antisemiten, die die Lorbeeren ihrer Parteigenosien nicht schlafen laffen. So ist in voriger Woche ein schüchterner Versuch gemacht worden, auch hier das „Märchen vom Blutgebrauche" zu insceniren. Bei dem jüdischen Bäcker M. ist bereits, wie alljährlich, seit dem Jahresanfang mit dem Mazzosbacken begonnen worden, wobei er auch christliches Personal, selbstredend unter gewissenhafter Aussicht eines von dem Rabbinate bestellten ivaen beschäftigt. Eine christliche Arbeiterin verletzte sich nun absichtlich oder zufällig den Finger und das hervorauellende Blut benetzte den Teig. Ein anderer christlicher Gehilfe kam hierdurch auf den spekulativen Gedanken, diese Chance auszunützen. Er nahm den blutbefleckten Teig an sich und ging damit in einige. Schänken, um ad oculos zu demonstriren, daß die Juden zu den Mazzos Christenblut brauchten. Zum Glücke hatte der mpc sein Gebühren bemerkt und seine ferneren Schritte beobachtet. Sofort wurde die Polizei davon in Kenntniß gesetzt, der betreffende Faiseur sistirt und wird gegen ihn Anklage erhoben werden. Somit ist diese Sache geräuschlos im Sande verlaufen. — Daß unsere polnischen Glaubensgenossen nicht durchweg dem Schacher, der Bettelei und dem Müßiggänge obliegen, wie von mancher Seite gewöhnlich behauptet wird geht aus den Mittheilungen hervor, die dem Einsender dieser Zeilen von einem glaubwürdigen Gewährsmann gemacht worden sind. Dieser hat in vorigem Monate Ostpreußen bereist und ist durch einig? Städte gekommen, in denen er zu seinem Erstaunen bei christlichen Tischlermeistern mehrere jüdische Gehülfen aus Russisch-Polen in voller Thätigkeit antraf. Auf Befragen sprach sich ihr Brodherr sehr zufrieden über ihre Leistungen und ihre Führung aus. Selbstverständlich wird ihnen die Beobachtung des Sabbats gestattet, zu dessen Ersatz sie während der Woche Ueberstunden arbeiten. Zu den Sabbaten, an denen „n'i benschen" stattfindet, gehen sie über die Grenze nach ihrer Heimathstadt, um dort i'3L3 zu beten, was ihnen in den diesseitigen kleinen Städten, deren jüdische Gemeinden aufgelöst oder in der Auslösung begriffen sind, nicht möglich ist. Auch beziehen sie aus ihrer Heimath das geringe Quantum Fleisch, dessen sie bedürfen und das sie sich selbst zubereiten. I Sie leben nämlich streng religiös, tragen sich auch noch | ganz polnisch. Zu richtigerer Beurtheilung unserer so vielfach geschmähten polnischen Glaubensbrüder verdienen solche Einzelheiten in weiteren Kreisen bekannt gemacht zu werden. Wiirzburg, 17. Febr. Heute Abend fand in der Seminar-Synagoge dahier unter reger Betheiligung eine ebenso erhebende als der Veranlassung würdige Trauerfeier für den seligen Freiherrn Karl Wilhelm von Rothschild statt, veranstaltet von Herrn Distrikts-Rabbiner Rath. Bamberger, gleichzeitig als Vorstand obiger Anstalt. Eingeleitet wurde die Feier nach dem Mincha-Gebet durch Psalm 16, feierlich und würdig vorgetragen von Herrn Seminarlehrer I. Schlenker. Alsdann begann Herr Rabbiner Bamberger die Trauerrede mit der Begründung für die Abhaltung der Feier mit der allgemeinen Pflicht, große fromme Männer bei ihrem Heimgang würdig zu betrauern und ihren Verlust zu beklagen, im Besonderen aber als einen Akt der Dankbarkeit und der Verehrung Seitens der isr. Lehrerbildungsanstalt dahier für das Wohlwollen und die reichlichen Unterstützungen, welche sich dieselbe von ihrer Gründung an bis zur Stunde von dem hochedlen Dahingeschiedenen zu erfreuen hatte. Den weiteren Ausführungen legte der Redner folgende Talmudstelle zu Grunde: th «3 /ycs rwvb 'b ii88: mxe rnn '8dvrr> "i v>ii pWI N3'v 83 ,tw bv P’ÖSHI N'pv" 83 ,8"’ bv fPDjm bv |Tcjni pipsn 831 ,v'7ie» bv propm nw 11N ,vbv bv 'KbaV '*1 ..TIT 1721383 pH» *1tJ8iP ,7IN8 erklärte: Wohl sind unserm Lehrer Mosche 613 Ge- und Verbote auf dem Berge Sinai zur Beobachtung gegeben worden, da kam aber David und reducierte sie auf 11, Jesaia auf 6, Micha auf 3, Jesaia nochmals auf 2 und endlich Chabakuk auf ein Gebot, denn so heißt es: „Der Fromme lebt durch seinen Glauben." Der Rabbi wollte mit seiner Deutung gewiß nicht lehren, daß Jemand an den auf Sinai geoffenbarten Worten und Gesetzen etwas vermindern oder denselben hinzusügen könne, ji-oS p8 uoci?,'3r6 p8 vbv, sondern jeder dieser heiligen Gottesmänner fand in dem einen oder andern die Grundlage und die Voraussetzung zur Beobachtung der Gesammt-Thora. piprn fand diese in dem Glauben, in der Treue, in der Wahrhaftigkeit und Ausdauer, was alles in dem Begriffe iroiö83 enthalten ist. Dieser Grundzug, diese Voraussetzung traf auch voll und ganz bei dem edlen dahingeschiedenen Herrn Baron Willy von Rothschild zu. Der Glaube, der echte, unverfälschte, hingebende Glaube war die Triebfeder, die Grundlage zu seiner Frömmigkeit, zu seinem tugendreichen Leben. Wie es bet rri? i:'38 etq8 heißt: mrrrsi nrirrip ins t, irtri38i der aus sich selbst den wahren Glauben an Gott sich bildete und sich damit im Gegensatz zu seinen