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Der Israelit · 1901-02-28 · Heft 17 (28.2.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 17 (28.2.1901)
Date
1901-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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381 Periode der damaligen Freiheit in ihrem Schoße für die jüdischen Zerstreuten barg. Wenn die Weisen jener Zeit nicht so gefeit gegen jeden Ehrkitzel gewesen wären, welche Gefahren hätten sie für ihr Volk heraufbeschwören können, wenn es auch gar keinen Haman gegeben bätte! Die Königin Waschti war als Tochter Belschazar's den wahrhaft königlichen Intentionen der Freiheit und Gleichheit aller, wie sie ihren Gemahl erfüllten, in tiefster Seele gram. War doch ihr eigener Vater einer der von Ahasveros depoffedirten Fürsten. Von ihm mag sie auch den Judenhaß als väterliches Erbstück überkommen haben, von dem unsere Ueberlieferung mehrere widerliche Züge erhalten hat. Vielleicht war es gerade der moralische Erfolg, den die königlichen Gastmähler bedeuteten, welche sie ihr unsympathisch machten, vielleicht war die Freiheit und Gleichheit aller und der Juden insbesondere, wie sie bei diesen! Gastmahle zum Ausdruck kam, nicht das letzte Motio, welches die Königin bestimmte, ihm ostentativ fernzubleibcn. Jedenfalls wußten der König und die Königin, daß letztere ihren erbittertsten Feinden überantwortet war, wenn ein Collegium von jüdischen Richtern über sie zu Gericht saß. Hätten diese Richter menschlich gedacht, hätten sie natürlich gehandelt, so hätten sie die Gelegenheit mit Freuden ergriffen, die erbitterte Feindin ihres Volkes bei dieser Gelegenheit für alle Zeit unschädlich zu machen. Sie haben nicht so gehandelt, weil sie weise waren, und weil sie ihre Zeit kannten. Wer will die Repressalien ermessen, die man z. B. im Geburtslande der Königin an den babylonischen Juden dafür genommen hätte, daß ein Gremium von jüdischen Richtern dieses Todesurtheil fällte! Wir stehen heute jener Zeit zu fern, um die Folgen und Verwickelungen alle ermessen könnnen, welche eingetreten wären, wenn die damaligen v'van sich nicht als otijh ’jht» die erforderliche Resignation auferlegt hätten. Aber das eine sehen wir, daß Memuchan, wenn er mit Haman identisch ist, seinen Rath, die Königin zu tödten, mit dem Galgen büßen mußte. In dem Augenblick, in dem durch den Rath Hamans die Königin getödtet wurde, war der Platz für Esther frei, die dann zur rechten Stunde den Todesstreich gegen den Erbfeind ihres Volkes führte. Wenn Jemand auch die von unseren Weisen geübte Zurückhaltung bemängeln wollte, die Vordringlichen und Aufdringlichkeit, die Haman bei diesem Anlaß bekundete, wird Niemand als Ausfluß einer charaktervollen Denk- und Handlungsweise beurtheilen. Man kann Richter sein wollen, um Recht zu sprechen und der Gerechtigkeit zur Anerkennung zu verhelfen. Daß es aber auch Richter geben kann aus Streberthum und ehrgeizigen und wer weiß aus welch anderen unlauteren Motiven, das beweist ein Charakter, wie es Haman war, dem Niedrigkeit der Gesinnung kein Hinderniß, sondern das Mittel war, die höchste Höhe zu erklimmen. Sollen wir die Nutzanwendung dieser Wahrheiten auf unsere Zeit noch aussprechen? Während die Megilla uns erzählt, daß die alten jüdischen Weisen es ablehnten, Richter zu werden, selbst wenn man ihnen dieses Ehrenamt freiwillig angeboten hat, macht sich in unserer Zeit das volle Gegentheil bemerkbar. Die Art und Weise, in der dies geschieht, läßt uns die Worte unserer Megilla croan cwn ■’jrm. „Weise, welche die Zeit verstehen," in einem ganz besonderen Sinne auffassen. Man sieht daraus, daß Weisheit und Verständniß der Zeit verschiedene Begriffe sind, daß der Besitz von nvrn noch nicht nyn» in sich zu schließen braucht, daß man ein arn sein kann, ohne ein dw jhv zu sein. Wüßten wir das nicht aus der Magillas Esther, so könnten wir es aus den Erfahrungen der jüngsten Tage lernen. Es brechen aus unserer Reihe Männer in einer Weise für das jüdische Richterthum Lanzen, die zu ernsten Bedenken Anlaß giebt. Die lautere Absicht, unser verletztes Recht zu vertreten, soll gewiß nicht in Zweifel gezogen werden. Auch mögen die Männer auf der Höhe ihres Geschäftes und-Berufes als Gelehrte, Kaufleute und Schriftsteller stehen, und sich darin als Weise bewährt haben. Aber als amvn 'sm', als Männer, die unsere Zeit verstehen und ihr Rechnung tragen in dem Geiste, wie es unsere großen Altvorderen gethan haben, als solche Männer bewähren sie sich in ihren Maßnahmen so wenig, daß es geboten erscheint, auf den Unterschied zwischen a'oan und 'rmv dwj recht nachdrücklich zu verweisen. Zeitungsnachrichten «nd «Korrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 25. Febr. Das Fest naht heran, welches mit der Pflicht, der Armen zu gedenken, dem jüdischen Wohlthätigkeitssinn entgegenkommt. Angesichts dieses Festes möchten wir den Blick unserer Brüder und Schwestern auf das „Deutsch-Israelitische Kinderheim, zu Dietz" hinlenken, am Tage der Freude dieser so segensreich wirkenden Stiftung ein kleines Opfer zu bringen. Was gibt es wohl Edleres, als Menschenpflanzen, die ohne die liebende Fürsorge Wohldenkender, verkümmern würden, zu erhalten und sie zu einem menschenwürdigen Dasein zu erziehen, daß sie nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft werden! Solchem edlen Denken und Streben verdankt das Kinderheim seine Entstehung, und auch nur dieses kann seinen Fortbestand sichern. Gegenwärtig genießen 45 Zöglinge die Wohlthat der Stiftung und schon viele tüchtige, in's Leben einge-

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