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Der Israelit · 1901-02-25 · Heft 16 (25.2.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 16 (25.2.1901)
Date
1901-02-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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y*fc unzufrieden zu sein. Ihr Lahn steht in gar keinem Verhältnis; zu ihrer Leistung, auch ist die Arbeitszeit in manchen Geschäften eine überaus lange. Kurz, jeder ehrliche Mensch muß zugeben, daß dieser Schneider^ und Schneiderinnenstreik durchaus berechtigt ist. Das war nun für die hiesigen Antisemiten man verzeihe mir den Ausdruck? — ein gefundenes Fressen. Heute wüthen Rochefort und Drumont in ihren Leitartikeln gegen die „jüdischen Ausbeuter und Blutsauger." Daß in vielen christlichen Geschäften die Arbeiter noch viel schlimmer ausgebeutet werden, scheinen die Herren nicht zu wissen. Auch bei dieser Gelegenheit möchte ich eine Parallele zwischen den hiesigen Antisemiten und ihren deutschen Parteigenossen ziehen. Vor einigen Jahren kam im Reichstag eine Interpellation über den Konfektionsarbeiterinnenstreik zur Sprache. Die Interpellation rührte von einer Seite her, die keinen großen Anspruch auf Arbeiterfreundlichleit machen kann: sie kam vom rechten Flügel der Rationalliberalen und war durch den agrarischen Herrn Heyl von Herrnsheim vertreten. Alle Parteien waren darin einig, die traurige Lage der Konsektionsarbeiterinnen und die volle Berechtigung des Streikes anzuerkennen. Als der Abgeordnete Zimmermann, der jetzt politisch todt ist und damals noch ein Busenfreund Liebermann's war, zu Worte kam, hatte er statt sachlicher Gründe, eine antisemitische Hetz- und Brandrede gehalten. Er bat ganz genau so wie jetzt Rockefort und Drumont gehandelt. Es ist sehr charakteristisch, daß die Antisemiten, die so stolz auf ihre nationale Gesinnung, in ihrem ganzen Vorgehen und Handeln so durch und durch international sind. Ich will jetzt Rochefort und Drumont das erwiedern, was damals im deutschen Reichstag ein Redner der Linken dem Abgeordneten Zimmermann erwiedert hat: „Es ist ganz egal, ob man arisch, oder semitisch, ob man getauft oder beschnitten ist, es ist ganz egal, ob es Herr Kvhn oder Herr Levy, ob es Herr Müller oder Herr Schultze thut! Man muß die ökonomische Thatsache klar und nüchtern beurtheilen; überall den Juden zu suchen, ist antisemitische Logik, die allerdings nicht beneidenswerth ist."Pi. MIltyeiluMN aus de« M. Arvleuverelllen «ad für dieselbe«. (Eämmtltche füb. War»d,rbettelvereine und Kaffen für Durchreisende sind gebeten, und Mittheilungen über Erfahrungen, die fie auf den, Gebiete ihrer Thüttgkeit machen, zukommen zu lassen.) Höchst i. C., im Febr. In hiesiger Gegend sucht ein gewisser Joseph Böhm aus Straßburg durch Schilderung seiner traurigen Lebenslage, sowohl bei den Armenunterstützungsvereinen, als auch bei Privaiiers, größere Beträge zu erhalten. Rach eingehender Erkundigung an zuständiger Stelle erfahre ich, daß der Genannte ein Schwindler ist, der falsche Papiere mit sich führt und daß die Beträge, die als Spenden auf einer mitgeführten Liste figurirten, niemals gegeben, sondern von ibm selbst gezeichnet wurden. Der Betreffende steht übrigens im Verdacht, ein zu sein. Bitte deßhalb um Vorsicht. H. Kahn, Lehrer, Vorstand des Armenvereins. Literarisches. Wo ivären die „Zehn Stämme Israels" zu suchend Rach Quellen dargestellt von Dr. M. L e v i n , Rabbiner zu Malaczka. Preßburg 1901. A k k a l a ch u. Soh n. 143 S. Ein guter Gedanke liegt diesem Merkchen zu Grunde. Die alte Frage nach den uns verlorenen Bolkstheilen Israels ist immer noch eine offene, wohl bis zu der Zeit, wo sich unser ganzes weithin zerstreutes Volk wieder zusammenfindet, überhaupt nicht zu lösende. Die Juden eines jeden Landes, das weit entlegen und dessen Verhältnisse wenig bekannt waren, wurden von der Masse, sobald die Nachricht von ihrer Existenz zu ihr drang, als Reste der zehn Stämme, oder der Söhne des Moses angesehen. Der Verfasser gebt nun die ganze Litteratur über die vom Volkskörper losgelösten jüdischen Siedelungen in den ver-- schiedensten exotischen Ländern durch, untersuchte stets, ob es möglich sei, in diesen vergessenen Glaubensbrüdern die vielgesuchten zehn Stämme wiederzufinden. Der Verfasser erhält so Gelegenheit, wie in einem Bilderbuche, in fesselnder Weise uns die Verhältnisse derjenigen Stammesgenossen zu zeichnen, deren Lebensgewohnheiten von den unserigen in merkwürdiger Weise abweichen. Mit großem Interesse folgen wir dem liebenswürdigen Darsteller ebensogern nach Arabien und Bersten, Ehina und Indien, Aethiopien und Egypten, rote nach Amerika und Ausstralien. Die umfangreiche Litteratur ist mit großem Fleiße benutzt. Kein Leser wird es bereuen, dem Verfasser auf seinen Wanderungen in fremde Länder und ferne Zeiten gefolgt zu sein. Feuilleton. Weirn ÜJtntfter. Von "gtoßert Käntein. 8] „Ich halte davon, daß Eure Liebe zu Eurer Religion und Euer Eifer für dieselbe Euch so blind gemacht haben, daß man den sonst so einsichtigen, klarblickenden Heinemann Bensew gar nicht wiedererkennt.

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