Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1901)
- Date
- 1901-02-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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366 noch einmal zu einer ernsten und würdigen Feier. In dem eigenen Klage-Recitativ der ruffischen d’-pm klang der ":bdh an's Ohr, mit dem der na Jizchak Gerschom Bermann aus Ritowo (Gouv. Kowno) das Leid um den Verklärten und die unaussprechliche Verehrung für ihn zum Ausdrucke brachte. An der Hand eines ungemeinen Reichthums von Stellen des Tenach und Aussprüchen unserer Weisen entwarf er eine Schilderung seiner großen Eigenschaften, beklagte er den Verlust, der die Gesammtheit betroffen hat. Der Hingeschiedene sei ein irr-: gewesen, nicht durch Worte, sondern durch das hehre Vorbild seiner Pflichttreue, ein Sckmtz für die Heimathlosen, die dem unstäten Vogel gleichen und jetzt ihren Schmerz in den Schatten tiefer Trauer bergen, eine über die Welt hinstrahlende Sonne, und da sie geschwunden ist, sei unser Trost, daß milde Sterne aufleuchten, zu denen wir emporblicken dürfen. Wie sei diese hohe Reinheit jüdischer Gesinnung und jüdischer Betätigung zu ersetzen? Wir alle, jeder an seiner Stelle, sollen an uns arbeiten, immer beffer und reiner zu werden, so daß eine veredelnde Gesammtheit entstehe, und die Summe ihrer nc ausfüllend in die Lücke trete, die der Heimgang der einen großen Persönlichkeit zurückgelaffen. Tiefergreifende, an's Herz gehende Töne hat der Redner in der einfachen Weise seines Vortrages anzuschlagen gewußt, und mit innerster, wehmuthsvoller Befriedigung empfand man: dieser Hesped war seinem großen Gegenstand gerecht geworden. Höchst n. M., 20. Febr. Am Dienstag, 29. v. Mts., fand die Generalversammlung des isr. Wohlthätisckeitsvereins nepp;? Hierselbst statt. Der Vorsitzende, Herr Mühlenbesitzer Mar Ettinghausen, eröffnete dieselbe mit Worten der Begrüßung und des Dankes an die zahlreich anwesenden Mitglieder und ertheilte zunächst dem Schriftführer, Herrn Lebrer Ledermann, das Wort zur Ablage des Jahresberichts, dem wir Folgendes entnehmen: Der Verein zählt heute 28 Mitglieder. Die diesjährigen Einnahmen betrugen 608 Mk., die Ausgaben 460 Mk. und bat der Verein ein Vermögen von über 2800 Mk. Der Präsident nahm nach der Decharge- Ertbcilung das Wort und führte etwa Folgendes aus: So erfreulich die finanzielle Seite erscheine, so könne er doch ein Wort des Vorwurfes speziell an die Mitglieder nicht unterdrücken: daß nämlich die aktive Betheiligung an den Aufgaben des Vereins viel zu wenig angestrebt wird. Das Motiv zur Gründung war in der damals kleinen Gemeinde, eine Centrale zu schaffen, die in Freude und Leid wahres ri'bv: üben solle, auch sollten die Mitglieder besonders bei Trauerfällen und Jahrzeit auch am Werktage pünktlich zum Gottesdienste erscheinen. Ein grober Tbeil der Mitglieder kommt diesen Verpflichtungen leider nicht nach und daher sehe man im Werktaggottesdienste stets dieselben.Gesichter, ja, in der letzten Zeit mußten zur nöthigen Zahl nipp gerufen! werden. Er ermahne ernst und eindringlich, doch mehr Zusammengehörigkeit und Anhänglichkeit dem Vereine und der Gemeinde zu widmen. Die Morte unseres rührigen Präsidenten machten einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden; — möge er auch Erfolg zu verzeichnen haben. — Die Kultusgemeinde unserer hies. Industriestadt besteht z. Z. aus 52 steuerzahlenden Mitgliedern, die sich zum großen Theil aus Akademikern, Fabrikbesitzern und Kaufleuten zusammensetzen. Handwerker sind hier, außer einem Bäcker und vier Metzgern, die leider alle mv di>nv sind, nicht vorhanden. Trotzdem lvürde sicherlich ein religiöser Metzger gut existiren sonnen, indem hier auch stets eine größere Anzahl Abonnenten vorhanden ist, die demselben gesichert Ivären. Unsere Gemeinde-Institutionen stehen unter orthodoxer Aufsicht. Auch eristiren hier vorzügliche Mittelschulen, an denen jüdischer Religions-Unterricht ertheilt wird. M. München, 19. Febr. Eines der hervorragendsten Mitglieder unserer Kultusgemeinde und gleichzeitig einer der hochangesehensten Bürger der Stadt München. Herr Geh. Kommerzienrath und Generalkonsul Ritter Mar von Wilmersdörfer, ist von einem schmerzlichen Verlust betroffen worden. Seine Gattin, mit welcher er nahezu 52 Jahre in glücklicher Ehe lebte, ist ihm nach ganz kurzem Krankenlager durch den Tod entrissen worden. Im Juni 1899 hatten Beide die goldne Hochzeit gefeiert und zwar — um sich jedem Aufsehen zu entziehen — fern von München. Dies hinderte jedoch nicht, daß dem hochgeschätzten Ehepaare von vielen Seiten — darunter aus den ersten Gesellschaftskreisen — aufrichtigste Glückwünsche zum Ausdruck gebracht wurden, was s. Zt. auch in diesen Blättern Erwähnung fand. Die Dahingegangene hatte überall durch ihren vortrefflichen Charakter und durch ihr liebenswürdiges, vornehmes Wesen, lebhafte Symvathien und größte Werthschätzung gefunden. Zur Beerdigung, welche am 18. c. stattfand, hatte sich eine ungemein große Trauerversammlung, worunter auch verschiedene offizielle Persönlichkeiten und hohe Würdenträger, eingefunden. Stuttgart, im Febr. Mit Bezug auf die jüngsten Vorgänge in den Berliner Parlamenten macht der „Schwäbische Merkur" die folgenden von weitem und scharfem Blick zeugenden treffenden Bemerkungen: „Das hat gerade noch gefehlt, daß zu all' den Problemen, die die innere Lage bereits beherrschen und verwirren, nun auch noch die „Judenfrage" in die parlamentarischen Erörterungen hineingezerrt wird! Der Antisemitismus als organisirte politische Bewegung ist in Deutschland nun seit zwei Jahrzehnten am Werke; Jedermann hat sich über sein Wesen und seinen Werth aus der Erfahrung ein Urtheil bilden können. Für alle Unbefangenen hat sich sehr bald er-