Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1901)
- Date
- 1901-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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365 stellen, sondern sie durch die Th«t ihres LebenS längst verneinend beantwortet staben. Angesichts der rosten Gewalt, der Rechtskränkung und des Angriffs auf unsere primitivsten Menschenrechte fehlt es ja nicht an Stimmen, welche unseren Niedergang nicht dem Abfall und religiösen Leichtsinn zuschreiben, der so erschreckende Dimensionen in unseren illeisten angenommen hat. Sie meinen im Gegentheil in dem letzten Neste von Judenthum, das uns noch verblieben Et, sei die Ursache für alles Leid und Weh zu suchen, an welchem unsere Zeit für Juden und Judenthum so reich ist. Demgegenüber sollten wir doch aus der Vergangenheit und ihren Geschehniffen die Erfahrung schöpfen und beherzigen, daß uns auf diesem Wege kein Heil erblüht. Wenn uns das über unseren Häuptern kreisende Schwert schreckt, so müssen wir die Blicke zu unserem Vater im Himmel richten und nicht von Parlamentsverhandlungen, nicht von Protesten, nicht von Versammlungen und Petitionen unser Heil erwarten. Leider, leider fehlt uns der Moses, der uns diese Richtung zu Gott als den einzigen Weg nahelegt, der allein zur Heberwindung aller Schrecken führt, die der Judenhaß für uns bereit hat. Und wenn sich ein solcher Moses fände, so fehlten die Ahron und Chur, fehlten die Männer, die ihm muthig, fördernd, stützend zur Seite träten, ohne die Steinwürfe zu fürchten, welche die verblendete, irregeleitete Masse gerade für ihre bewährteren Führer jederzeit bereit hat. Amalek und seine wahlverwandten Epigonen sind sich zu allen Zeiten gleich geblieben. An sie werden wir erinnert, auch wenn wir ihrer nicht gedenken wollten. Aber unsere unb unserer Ahnen Vorbild in solch' schwerer ernster Zeit müßte die nai nVvL - Mahnung neu beleben 'r-xb "nS -cva*: unsere Herzen wieder dem Willen unseres himmlischen Vaters unterzuorvnen. Das wäre die bewährteste Abwehr, mit der wir zu allen Zeiten unseren Feinden erfolgreich entgegengetreten sind, und die allein auch in unseren ernsten Zeiten sicher zum Ziele führen wird. Zeitungsnachrichten nnd «Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 20. Febr. (Die betrogenen Antisemiten.) Der „Vorwärts" schreibt: Wie unsere Leser dem Prozeßbericht aus Könitz in der Anklagesache gegen Levy entnehmen können, ist der Korrespondent der „Staatsbürgerzeitung," Herr Zimmer, der die wüstesten Ritualmordgeschichten aus Könitz schrieb, zu gleicher Zeit auch bereit gewesen, seine Dienste der anderen Partei zur Verfügung zu stellen. Wie er behauptet, stände er sogar seiner inneren Ueberzeugung nach ganz auf dieser Seite. Da seine Dienste dort aber nicht die richtige Wertschätzung erfuhren, h«t er dann tüchtig in Ritualmord für das Pücklerblatt und ähnliche Preßerzeugnisse alles mögliche zusammenfabuliert. Der „Staat^bürgerzeitung" ist natürlich die Sache nicht sehr angenehm und sie findet nur die eine Lösung, daß hinter allem die Juden stecken, die sie betrogen haben; sie gibt ihrem Verdacht in Folgendem Ausdruck: ..Uns ist schon vor Monaten über diesen Herrn Zimmer und über den Detektiv Wienecke mitgetheilt worden, daß sie in jüdischem Solde ständen. Wenn wir trotzdem auch von diesen Leuten Berichte aufnahmen und nach Prüfung ihres Inhaltes verbreiteten, so geschah es, weil wir lediglich die Ermittelung des Mörders im Auge haben, deßhalb uns auch für verpflichtet stielten, von allen jenen Thatsachen Kenntniß zu nehmen, die zur Entlarvung des Mörders dienen konnten, gleichgültig, ob sie aus jüdischen, unparteiischen oder antisemitischen Duellen stammen. Der Fall Wienecke, '.nie der Fall Zimmer, liefert den erneuten Beweis für das Vorhandensein jenes jüdischen Verwirrungs- und Verdunkelungskomitees, das sich in Könitz zu dem Zweck etabliert hat. künstlich die Verdachtsmomente gegen Juden zu beseitigen und falsche Zeugen zur Ueberführnng eines Unschuldigen herbeizuschaffen. Wie die Schiller, George, Wienecke und Rauch hängt auch dieser Zimmer an den Rockschößen des jüdischen Verwirrungs- und Verdunkelungskomitees, init dein wir uns noch weiter zu beschäftigen haben werden. Unsere Ueberzeugung davon, wo der Thäter zu suchen ist, wird durch den Fall Zimmer nicht beeinflußt." Man könnte Mitleid mit den Betrogenen haben. Ist denn kein Mensch unter den Antisemiten, der den Semiten an „Schläue" überlegen wäre und diesen Neinfall verhüten konnte? Wir müssen uns ja vor unseren arischen Stammesgenossen selbst schämen, daß sie so große Tölpel sind. Immerhin wird jetzt die Machination des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus bald ganz enthüllt werden, denn es unterliegt für uns keinem Zweifel, daß Graf Pückler und Ahlwardt von den Juden gekauft sind, um den Antisemitismus zu kompromittiren, und daß Liebermann nur deßhalb so bewuchert wurde, damit er zum Antisemitismus sich bekehrte. Wer kann jetzt mit Sicherheit behaupten, daß überhaupt ein einziger Antisemit in der „Staatsbürgerzeitung" sitzt oder ob nicht die „Alliance Jsraelite" ihre Hände dabei im Spiele hat. Alle werden sie gekauft und verkauft von den Juden. Wir müssen uns noch aus große Ueberraschungen gefaßt machen. Frankfurt a. M., 21. Febr. Schon neigen sich die ersten Trauerwochen um den Heimgang Wilhelm Carl von Rothschild s. A. ihrem Ende entgegen, da vereinte uns das Russisch-Polnische Beth-Hamidrasch