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Der Israelit · 1901-02-21 · Heft 15 (21.2.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 15 (21.2.1901)
Date
1901-02-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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341 Schwere Verluste erlitt unsere Jeschibah seit kurzem, mächtige Säulen begannen zu wanken und sanken zur Erde; noch nicht lange begruben wir Herrn Joel Wolf, Herrn Simon Berger aus Wien, seitdem uns aber der Ewige befohlen, leget ab euren schönsten Schmuck, eure Krone gebet zurück, da fühlen wir erst die unbarmherzig harten Schicksalsschläge, die uns getroffen, inx n*: rrynn risrbtr rx Tnrx*! nie vermisse ich doch den Verlust dreier Hirten, die alle :n einem Monat dahingerafft. — Als von den drei Hirten Israelis pix cnc und “irr: die beiden ersten starben, fand Israel noch Trost an seinem starken Führer ritr::; als aber auch dieser liebende Hirte feine trauernde Heerde verließ, da begriff und empfand es erst, was es besessen und was es verloren, jetzt erst begann die Erkenntnis; seines Unglücks. Deßhalb klagt der Prophet über den Tod der drei Hirten. Und so klagen auch wir, jetzt empfinden wir erst all' das Unheil. das in letzterer Zeit über uns hereingebrochen, jetzt erst erschüttert uns die Erkenntniß unseres übergroßen Unglückes. Männer, wie der verstorbene Baron von Rothschild, erscheinen nicht täglich, da müssen oft Jahrhunderte vergehen, bis wieder eine solche Ceder emporblüht, deren stolze Schönheit göttliche Dichter begeistert, bis wieder eine solche Palme prangt, deren Honig ermattete Wanderer erfrischt. Treffend bemerkt der Midrasch: nP’x n-x -crP ^irr:: ncb "iznm mT ncn tb prr;* pacanpi popre» p tnvb n^rt: rx oo'poa rtbyb b?,' ’b pisrprc x^x “"v cö'pan -jibj£ drv ’B zb'vrs fo p’ur “rx 7: "icro pnx -jd'dS na-n Warum vergleicht der kgl. Sänger einen Zadik zur Palme u. Ceder? Bei anderen Bäumen, wenn sse alt und umgehauen werden, braucht man nur ein anderes Stämmchen zu setzen und bald blüht ein neuer Baum; Cedern und Palmen aber, sind sie einmal gefällt, wer kann an ihrer Stelle gleich andere blüben lassen? Unter großer Mühe, nach langen Jahren gedeiht wieder ein solcher; ebenso bei dem Zadik, verliert die Welt einen solchen, wer wagt es, wer vermag es, sich gleich an seinen Ort zu stellen und ihn auszufüllen? Der Platz bleibt lange Jahre leer, bis er wieder gehörig besetzt wird. Fast möchte man meinen, daß dieser auf den großen Verstorbenen gemünzt ist. Besonders die Lücke, die er in unserer Mitte zurückgelassen, ist schier unausfüllbar, er war der größte Wohlthäter und Unterstützer unserer Jeschibah, stets erkundigte und interessirte er sich für dieselbe. Es ist jetzt nicht Zeit, die große Frömmigkeit des Dahingeschiedenen zu schildern, ich will nur ein Wort erwähnen, das der große S’XT 't'z zrz anläßlich des Besuches des Barons sagte: Ein armer, an dürftige Verhältnisse gewöhnter Lamden brauche nicht mehr rraws p-r-na zu sein, als der weltberühmte Baron. Ich ordne daher an, daß sämmtliche na'rr" ':z denselben 71m tstü zu sein haben, und täglich für ihn m:tra bei pr: und imp ff* sagt werde. Dies für die Dauer des ersten Trauerjahres. für die folgenden Jahrzeitstage habe ich geborgt, daß sie würdevoll begangen werden. Hiermit wollen wir unsere Dankbarkeit und pietätvolles Andenken an ihn zum Ausdruck bringen. Den hochgeehrten edlen Familienmitgliedern können wir aber zurusen: Euer Schmerz ist gerecht, aber nöstet Euch, Ihr habet nun einen fürsprechenden Engel mehr im Himmel, er wird Euch Euren Weg erleuchten und GoK wird Euch den in Verlust gerathenen Edelstein Eurer Krone durch Euch selbst ersetzen, die Ihr ja alle edle glänzende Tugenden besitzt. Wriczcn, 35. Febr. Ein Mitglied der hiesigen antisemitischen Tischgesellschaft erhielt folgenden Brief: „Die „Alliance israelite universelle" hat in ihrer letzten denkwürdigen Sitzung zu Vne Beris beschlossen, daß in diesem Jahre die Provinz Brandenburg ein Opfer stellen soll. In der letzten Abtheilungssitzung ist nun leider die Wahl auf Sie gefallen. Ich weiß zwar, daß diese Warnung bei Ihnen so wenig fruchten wird, wie bei E. Winter zu Könitz. Der Mann, welcher Sie zu stellen hat, ist ein Wriezener Kaufmann, von nervösem, hysterischem Aussehen, der bei seinen religiösen Anfällen bluttriefende Augen zeigt. Ich warne Sie vor diesem Manne. Schon in nächster Zeit weiß er sich Ihnen zu nähern und unter nichtigen Gründen scheinbar Streit anzufangen. Also Vorsicht. — Parole ist: (Folgt hebräischer Name.)" Als Verfasser dieses Briefes hat sich der hiesige, vor Jahren getaufte Jude Sally, ein Thierarzt, bekannt, und wird sich für diesen Scherz zu verantworten haben. Die „Staatsbürgerzeitung" bemerkt dazu: „Man sieht, wie die Juden nicht bloß frech, sondern auch furchtbar dumm sind." Es ist hier der seltene Fall, wo wir mit der edlen „Staatsbürgerin" vollständig übereinstimmen. Nur hätte sie schreiben sollen: „die getauften Juden." Frankreich. Paris, 34. Febr. An verschiedenen Stellen von Paris wurden Zettel vertheilt, die offenbar aus jenen Druckereien der Assumptionisten-Patres stammen, die ehedem für die Jesuitenzöglinge die kleinen Zettel: .. Mo v tu 11 x J11 i fs! F11a n ca i s! X ’a r 11 e t ez r i e n a 11 x Jui fs “ lieferten, die lange Zeit hindurch die Anstandsorte der großen Boulevards verunreinigten. Das neueste Produkt des Erfindungsgeistes der reaktionären Hetzer lautet: „2 0 M i l l i a rd e n 31t vertheilen an die Sozialisten, Kollektivisten, die Journalisten, die Anarchisten und anderen Schwätzer. Gesicherte Rübe für die alten Tage. Man stelle sich täglich von 9 Uhr früh bis 6 Uhr Abends 21, Rue Laffitte, Paris, vor. NB, Wer zuerst kommt, wird am besten bedient."

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