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Der Israelit · 1901-02-21 · Heft 15 (21.2.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 15 (21.2.1901)
Date
1901-02-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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336 die von der Regierung geforderten Steuern auSreichen und die Tausende von Armen, Talmidei Chachamim, Wittwen und Waisen, kleine Kinder u. s. w. haben nicht trockenes Brot, um ihren Hunger zu stillen. In der Verwaltung der rumänischen Armengelder ist zwar jetzt, Dank der aufopfernden Bemühung des Herrn Maier Taubenhaus Ordnung geschaffen. Ein Komitee von hierwohnenden rumänischen Gemeindemitgliedern wurde gewählt, anstatt den von den Chassidimrabbis ernannten Memunim, die, auf die Heiligkeit und unantastbare Autorität ihrer Rabbis sich stützend, so manches unter den Heiligenmantel verbargen. Auch in Rumänien wurde ein Komitee in's Leben gerufen, das die Gelder sammelt, um sie hierher zu befördern. Dieses Komitee besteht aus ernsten Männern, ehrlichen Kaufleuten rc. Von dem hiesigen Komitee wurde eine Liste der bedürftigen Familien mit Angabe deren Seelenzahl nach Rumänien geschickt und jeder Summe Geldes, die hierher versendet wird, ist eine Liste sammt Quittungen beigelegt und jeder Empfänger hat durch seine Unterschrift die ihm von dort aus bestimmte Gabe zu bestätigen. Leider aber ist es den armen Empfängern nicht gegönnt für das erhaltene Geld Brot für ihre Kinder zu kaufen, da schon die gierigen Steuereinnehmer der Negierung gewöhnlich gleich beim Ausfolgen darauf die Hand legen. Es ist daher die Pflicht eines jeden Juden diesen armen, hungernden Brüdern eine helfende Hand zu reichen. Zweifelsohne wird sich die Redaktion dieser Zeitung bereit erklären, die gesammelten Gelder für die hungernden rumänischen Juden in P a l ä st i n a in Empfang zu nehmen und hierher zu befördern. Die so viel Sonderausgaben fordernde Peßach- Zeit giebt den schnell gespendeten Gaben einen vielfachen Werth. Misericordis. (Wir sind gerne bereit, uns in den Dienst der guten Sache zu stellen und einlaufende Spenden an das Central-Komitee nach Amsterdam weiter zu befördern. Wir bitten aber auch die deutsch-israelitischen Wohlthätigkeits-Komitee's in Action zu treten, damit diesen Aermsten ein einigermaßen erträgliches Peßachfevt bereite! werde. Red. d. „Jsr.") Literarische Notiz. Ltix, Chriitenthum oder Buddhismus? In Parallelstellen aus dem Neuen Testament und den heiligen Schriften Indiens dargelegt. Leipzig. Verlag von Ludwig K r e i ch a u f. Der Verleger bittet uns, folgende Notiz über das Werkchen wiederzugeben: Der Verfasser hat den Erzählungen des Neuen Testamentes über die Geburt und das Leben des Begründers der christlichen Religion Auszüge aus den SanSkritschriften des Buddhismus gegenübergestellt. Das Schriftchen gibt zu denken und ist für Jeden von Werth, der sich für Religionsgeschichte interessirt. Es berührt auch hie und da die Einflüsse des Judenthums auf die christliche Religion. Angesichts der Wirren in China und des durch unseren früheren Gesandten in Peking, Herrn von Brandt, angefachten Streites über den ethischen Werth des Buddhismus ist das Werkchen besonders interessant. Feuilleton. Mein: MLinister. Von Wobert Käntein. Nun erzählte er dem an seinen Lippen hängenden Lehrer die Geschichte mir dem Pfarrer, wie sie ihn vor zwei Jahren nach Cassel führte und wie er damals Zeuge der Unterredung war, die nun ihre Früchte gezeitigt hatte. „Und das alles tragt Ihr fast zwei Jahre mit Euch herum, ohne mir ein Sterbenswörtchen davon zu sagen? Hättet Ihr mir durch einen Wink nur das, was Ihr gehört habt, angedeutet, so hätte ich, durch Euch gewarnt, jedenfalls mein Ehrenwort verweigert." „Verzeiht meine Zurückhaltung; es war kein Mangel an Vertrauen in Eure Verschwiegenheit und Einsicht, der dieses Schweigen entsprungen ist. Ich war in meinen jüngeren Jahren sehr gesprächig und mittheilsam, aber je älter ich wurde, desto mehr habe ich gefunden, wie wenig Brocho (Segen) an dem gesprochenen Worte ist. Wenn unsere großen Weisen sagen, daß der Segen Gottes nur auf Dingen ruht, die oem Auge entzogen sind, so möchte ich auf Grund meiner Erfahrung auch das Ohr hinzufügen. Dazu kommt, daß ich einmal im Sefer Chassidim (Buch der Frommen) gesunden habe, daß jedem Menschen eine bestimmte Zahl Worte zu sprechen bestimmt ist, wenn er diese gesprochen hat, ist sein Lebensfaden abgelaufen. Warum sollte ich leichtsinniger, oder doch unnöthiger Weise mein Leben verkürzen, wenn ich durch Schweigsamkeit das Mittel in der Hand habe, es zu verlängern?" „Bensew, ich habe Euch immer geschätzt und geachtet, aber daß sich ein solcher Kern unter der unscheinbaren Hülle Eures äußeren Auftretens verbirgt, das habe ich nicht geahnt." „Wenn Ihr wüßtet, wie stolz mich dieses Euer Lob machte, wenn ich es verdiente, und wie ich mich dessen schäme, weil ich es nicht verdiene, so würdet Ihr darin einen ferneren Milderungsgrund für mein Schweigen erblicken."

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