Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1901)
- Date
- 1901-02-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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319 4 Monaten 1 Tag, Altsitzer Franz Malek aus Friedrichstha! zu 4 Monaten, Besitzer Glodowski, Be- > siher Anton Domascheivski, Schumachergcselle Marcel Domaschewski und Pächter Anton von Malek, sämmtj iich aus Sullenschin, zu je 3 Monaten, Arbeiter Joseph j Pipiorte aus Sullenschin zu 4 Monaten Gefängniß. j Bingen n. Nh., 14, Febr. Am Freitag ist hier; 11ncr der angesehensten jüdischen Bürger, der allgemein; beliebte und verehrte Arzt, Herr Dr. I. E b e r t s -! h e i m , der ein Alter von 82 Jahren erreicht hatte, j von einem sehr zahlreichen Trauergefolge zur letzten! Rübe geleitet worden. Er hat in seiner Vaterstadt! mehr als ein halbes Jahrhundert seinen edlen Beruf : ausgeübt und sich dabei nicht nur als tüchtiger Arzt. : sondern auch als Freund und Berather zahlreicher Fa- , nikien, und besonders als Wohlthäer der Armen bej wiesen. Im Kriege 1870—71 fiel ihm die ehrenvolle! und schwere Aufgabe zu, das Lazareth für Schwer- * kranke zu dirigieren. Auch um das Binger Gemeinde-! Hospital, das er Jahre lang leitete, hat er sich große Verdienste erworben. Die Stadt Bingen ehrte ihn zu seinem Geburtstage durch die Verleihung des Ehrenbürgerbrieses.! Die zahlreiche Betheiligung am Leichenzuge, an j dem die Spitzen der Behörden, die Vertreter der ver-! sibiedenen Vereine, denen der Verstorbene nahegestanden hatte, und viele Bürger ohne Unterschied der Konseffion theilnahmen, legte Zeugniß ab von der hohen und allseitigen Verehrung, deren sich der Verewigte j "Areale. \ Herr Rabbiner Dr. G r ü n f e l d hielt am Grabe! eine ergreifende Rede und auch der Bürgermeister, sowie! die Vertreter der verschiedenen Vereine, widmeten den! hoben Verdiensten des Verstorbenen warme Worte der Anerkennung und legten Kränze an dem Grabe nieder. bare Schmach für die Hauptstadt des Landes, in der zuerst die Menschenrechte proklamirt wurden und um das Blut vieler französischer Bürger für Wahrheit, Freiheit und Recht in Strömen floß. Die ganze Geschichte entbehrt auch nicht der Komik. Regis, der allein den Patriotismus gepachtet zu haben behauptet — ganz nach dem Muster der deutschen Antisemiten! — dieser Patriot, dessen Kandidatur so eitrig non der Patriotenliga unterstützt wurde, ist ein Franzose ganz jungen Datums. Seine Eltern waren biedere italienische Bürger, die wohl den „Franzmann nicht leiden" mochten. Und jetzt bewarb sich dieser so gefährliche Demagoge, der nichts als hohle, abgedroschene Phrasen wiederholt, um einen Sitz im französischen Parlament! Leider waren beim ersten Wahlaang die linksstehenden Parteien nicht einig. Unter den drei Gegenkandidaten von Regis, Allemane, Faberot und Legrain, erhielt Allemane die größte Stimmenzahl. Am Tage der Stichwahl werden alle Republikaner ihre Stimmen Allemane geben, so daß jetzt schon die Riederlage von Regis zweifellos ist. Diese -Niederlage ist für die Freunde der Wahrheit und des Fortschritts um so erfreulicher, als der ganze antisemitische Generalstab im Wahlkreise eine geradezu gewissenlose Agitation betrieben hat; von der schmutzigsten Wahlmache wurde Gebrauch gemacht, auch aas Gesoenst der Dreyfusaffaire mußte herhalten. Aut mich bat besonders die Theilnahme Rocheforts an dieser ganzen Geschichte Eindruck gemacht. Es ist doch jämmerlich, wenn man sieht, daß ein Mann, der in Einer Juaend mit Gut und Blut für die Freiheit gewmvft, in seinen alten Tagen die Ideale seiner Jugend schnöde verrätst und für die schlimmste Reaktion, deren Vertreter dieser Regis ist, eintritt. War's nicht zum Fluchen, so wär es zum Weinen! D e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. S-K'in», 14. Febr. Unter ausdrücklicher Berufung auf die iiingsten Erklärungen des preußischen Justizministers Schönstedt über die „Nichtzulassung jüdischer Richter" brachte Abg. Schönerer eine -Anfrage an den Ministerpräsidenten mit der Forderung ein, Juden in allen Zweigen der Staatsverwaltung künftig nicht mehr oder nur ausnahmweise anzustellen. Frankreich. Paris, 10. Febr. Im hiesigen elften Arrondissement hat vorige Woche die Ersatzwahl zur Deputiertenkammer stattgefunden, da der bisherige Abgeordnete, Vaudin, der zugleich Minister der öffentlichen Arbeiten ist, in einem Provinzialwahlkreis gewählt wurde und daher das Pariser Mandat niedergelegt hat. Unter den Kandidaten, die sich um diesen Sitz bewarben, befand sich auch Max Regis, der Führer der Antisemiten von Algier, der Busenfreund und Bewunderer Drumonts, einer der Hauvtanstifter der Judenkrawalle von Algier. Seine Wahl wäre in der That eine furcht- Personalien. -f AKefcl, 15. Febr. Im Laufe d. Mts., am 22. Februar, wird unser geschätzter Mitbürger, Herr Siiuon Frankfurter, ein seltenes Jubiläum seiner vielseitigen Thätigkeit begehen. Es sind dann 25 Jahre verflossen, seit er zum ersten Male schriftstellerisch an die Deffentlichkeit getreten ist. Herr Frankfurter, der seit jenem Tage sehr Vieles und Gediegenes auf diefem Gebiete leistete, hat speziell unserer Vaterstadt manchen guten und nützlichen Dienst erwiesen. Seine Ajrbeiten werden stier allgemein geschätzt und seine Dichtungen, die von patriotischem Geiste sprühen, haben ihm schon viele Dank- und Anerkennungsschreiben von gekrönten Häuptern eingebracht. Herr Frankfurter ist auch Mitarbeiter großer wissenschaftlicher Fachblätter und baden dessen psychologische Aufsätze, namentlich ans ethymologischem Gebiete, wegen ihres tiefen Gebaltes, in der gelehrten Welt schon oft Anerkennung gefunden. Auch für das Judenthum hat