Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1901)
- Date
- 1901-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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318 früheren Rabbiner folgende Glückwunschadreffe gerichtet hat: Hochverehrter Herr Doctor! Mit Freuden ergreift der große, aus Brüdern aller Lande sich zusammensetzende Kreis Ihrer Freunde und Verehrer den Anlaß Ihres 70. Geburtsfestes, um den warmen Gefühlen, die aller Herzen für Sie beseelen, an diesem Tage Ausdruck zu verleihen. Da drängt es denn auch uns, die wir den Vorzug haben, Sie, hochverehrter Herr Doctor, vor allen Anderen den Unseren nennen zu dürfen, uns heute Ihnen zu nahen, um unsere innigen Glückwünsche Ihnen darzubringen. Wenn für Sie mit dem neuen Lebensjahre die Zeit des Greisenalters beginnt und Sie rückschauend einen Blick auf Ihr Gott- und menschengeweihtes Leben werfen, dann sind doch wir es, denen Sie Ihre Mannesjahre gewidmet, dann ist es doch die Synagogengemeinde Memel, der Sie in der Vollkraft Ihrer Jahre mit Ihrem besten Wollen und Können gedient, deren Anliegen, wenn auch Allgemeinintereffen wissenschaftlicher, sozialer und politischer Natur in Ihre Arbeitssphäre einbezogen waren, doch den Hauptinhalt Ihrer reichgesegneten Thätigkeit bedeuteten. Und wenn wir auch vor bald drei Jahren, als Sie, dem Machtgebot des Alters folgend, von uns schieden, den Gefühlen verehrungsvoller Dankbarkeit, soweit wir es vermochten, Worte liehen, so können wir gleichwohl an diesem Ihrem Jubeltage nicht umhin, der großartigen Leistungen und Schöpfungen zu religiöser Erhebung und Unterweisung, der hochherzigen Thaten allumfassender Nächstenliebe, deren unvergängliche Zeugen der Stolz unserer Gemeinde sind, aber ebenso auch der friedlichen, emsigen, liebevollen und versöhnlichen Art Ihres amtlichen Wirkens dankerfüllter Brust zu erwähnen. So wissen wir uns eins mit all' den vielen Gliedern unserer Gemeinde, Hoch und Niedrig, Arm und Reick, in den innigen Empfindungen aufrichtiger Verehrung und treuer Anhänglichkeit an den unvergessenen, langjährigen Leiter unserer Gemeinde und Lehrer unserer Jugend, wie auch in dem inbrünstigen Gebet zum Allmächtigen, daß er Ihnen einen langen, heiteren und sorgenfreien Lebensabend, eine Zeit wohlverdienten Ausruhens von Ihrem arbeitsreichen Leben gewähren möge, Ihnen und Ihrer werthgeschätzten Frau Gemahlin zur Freude und zum Stolze der gesummten Judenheit. Der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogen-Gemeinde Memel. Außer dieser offiziellen Kundgebung der Gemeinde haben drei Vereine, der „Verein für jüdische Geschickte und Litteratur," der Verein „Gemillus Ehassodim" und der Verein „Zdokoh gdaulo," gemeinsam ihrem Ehrenmitgliede und Mitbegründer eine Glückwunschadresse gewidmet, die mit folgenden Worten beginnt: „Zwei lichtvolle Eigenschaften unseres Volkes, Liebe zur Wissenschaft und Pflege der Wohlthätigkeit, sind cs, die einem jeden auch aus Ihrem ruhmvollen Leben entgegenleuchten." Weiter heißt es in der Adresse: „Wir wußten der Anerkennung für den idealen Inhalt Ihres Wirkens in unserer Mitte keinen geeigneteren Ausdruck zu verleihen, als indem wir das Ergebniß einer Ihnen zu Ehren veranstalteten Sammlung den Armen und Bedürftigen unserer Stadt an Ihrem Jubeltage überwiesen." „Der Tag Ihres 70. Geburtstagsfestes ist auch für uns ein Freudentag, ist es doch der Ehrentag des Mannes, in dem wir den selbstlosen Schöpfer, edlen Förderer und treuen Freund und Gönner unserer Anstalt verehren," so lautet der Anfang einer Adresse des Euratoriums des jüdischen Krankenhauses zu Memel. Diese drei genannten Adressen sind kunstvoll ausgefiibrt und wurden in prächtigen Plüschmappen überreicht, die mit Seide ausgeschlagen und mit Goldstickereien oder vergoldeten Beschlägen geschmückt sind. Auch der Gewerbeverein, zumeist aus christlichen Handwerkern bestehend, dessen Vorstand Dr. Rülf jahrelang angehörte, fehlte unter den Gratulanten nicht. Am Montag Abend veranstaltete der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" Hierselbst zu Ehren des 70. Geburtstages seines Ehrenmitgliedes Dr. Rülf einen Vortragsabend, an welchem Herr Dr. Ernst Tuch aus Berlin über „Die Juden in der Landwirthschaft" sprach, zu welchem auch Gäste, durch Mitglieder eingeführi, Zutritt hatten. Auch einzelne Familien haben dem Jubilar telegraphisch Glückwiinsche gesandt. Emil Benjamin. Granden.;, 15. Febr. Ein Jahrmarktskrawall, verbunden mit einer Judenhetze, führte dieser Tage zehn Angeklagte, zumeist ältere, seßhafte Männer und Familienväter, vor die hiesige Strafkammer. Am 26. April v. I., bei Gelegenheit des Jahrmarktes in Sullenickin, benahmen sich einige der Angeklagten in dem Goldstrom'scken Lokale, dessen Besitzer ein jüdischer Kaufmann ist, derart, daß sie hinausgeworfen werden mußten. Es entwickelte sich bald ein Straßentrawall, der eine große Menschenmenge anlockte und sich vornehmlich gegen das Goldstrom'sche Haus richtete. Bald wurden aus der Menge die üblichen Rufe: „Juden raus," „Juden nach Palästina" etc. laut, und schließlich prasselte ein Steinhagel gegen das Gebäude. Den Gendarmen gelang es nur mit großer Mühe und mit vorgehaltenen Revolvern, die Menge auseinander zu treiben. Es wurden wegen Landfriedensbruch, in Verbindung mit Aufkauf, wegen versuchter Nöthigung und gefährlicher Körperverletzung verurtheilt: Pächter Theophil Jante aus Sullenschin zu 4 Monaten 1 Woche, Pächter Vincenz Sblewski aus Sullenschin zu