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Der Israelit · 1901-02-14 · Heft 13 (14.2.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 13 (14.2.1901)
Date
1901-02-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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MMMMWWW, SS» mung der Juden sei, für Glaubensfreiheit nicht bloß einzutreten, sondern auch zu leiden und zu dulden, das muffe die Anhänglichkeit der Glaubensgenossen unter einander stärken und festigen. Wie das Judenthum noch ganz andere Verfolgungen überstanden habe, so werden auch diese Kränkungen der Rechtsgleichheit dazu beitragen, das Judenthum kräftig zu erhalten, bis endlich die Zeit kommt, wo die Vorurtheile schwinden und die schöne Devise: .,suum euiciue" voll zur Wahrheit werde. (Lebhafter Beifall.) Als dritter Redner führte Rechtsanwalt Eugen Fuchs den juristischen Inhalt der Sätze der Verfassung vor, um die es sich hier handle, um zu dem Schlüsse zu kommen, daß Wortlaut und Geist der Verfassung ganz klar und unzweideutig seien und der Minister weder den Wortlaut noch den Geist der Verfassung für sich habe. Rach einigen Worten des Prof. Dr. Mendel im Sinne der Vorredner erinnerte Dr. Nathan zum Schlüsse noch an ein Wort, welches Peter Neichensp e r g e r bei der Judendebatte im Abgeordnetenhause am 20. bis 22. November 1880 gesprochen. Es lautete: „Ich hätte gewünscht, daß die Staatsregierung noch hinzugefügt hätte, daß sie auch auf dem Verwaltungswege nicht gedenke, eine andere Behandlung gegenüber unseren jüdischen Mitbürgern eintreten zu lassen, vielmehr das Prinzip der Gleichheit auch auf diesem Boden gewahrt bleiben werde." Zur einstimmigen Annahme gelangte folgende Resolution: „Die versammelten jüdischen Bürger Berlins legen nachdrücklich Verwahrung ein gegen die aus den Reden des preußischen Justizministers vom ".1. Januar und 8. bis 9. Februar er. ersichtlichen Verwaltungsgrundsätze, welche mit aller Deutlichkeit ergeben, daß unsere Glaubensgenossen wegen ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion die Gleichberechtigung tm preußischen Staatsdienst nicht genießen." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 11. Febr. Die am Sonntag in der Aula der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft veranstaltete Trauerfeier zu Ehren des Heimgegangenen Baron Willy von Rothschild s. A. verlief in würdigster Weise. Prof. Dr. S u l z b a ch entwarf in zu Herzen gehender, formschöner Ansprache den Schülern und Schülerinnen ein Charakterbild der großen Persönlichkeit Wilh. von Rothschild's, während Namens des Schulrathes Herr Jacob Rosenheim der besonderen Beziehungen des Entschlafenen zu den Unterrichtsanstalten der Religionsgesellschaft gedachte und ihn als bewußten Förderer der von der Schule vertretenen Bildungsprinzipien pries. Passende Gesänge des Schülerchors leiteten die Feier ein und schlossen sie. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Nadziechow (Galizien), 18. Schewat. Wie sehr das Hinscheiden des großen Zadik Wilh. Carl von Rothschild s. A. von ganz Israel aller Länder bedauert wird, beweist zur Genüge, daß auch hier am 14. Schewat sich die ganze Gemeinde in der Synagoge versammelt hat, und nachdem der Chasan das Gebet Van p-nn row*? gesprochen, hielt .nvn 2'n rvn *nai Rabbiner Chajem Majer Jchiel Schapira eine mehrstündige Rede, indem er ausführlich schilderte, was wir, das ganze orthodoxe Judenthum, in dem verblichenen Baron s. A. gehabt und was wir durch sein Hinscheiden verloren haben. Das anwesende Publikum war so tief gerührt, daß fast alle mit Thränen die Synagoge verließen. Möge uns beschieden sein, die Lücke, die sein Hinscheiden gerissen hat, durch würdigen Ersatz auszufüllen, seine Seele aber wandle im Bunde des Lebens. Auf Wunsch vieler Gemeindemitglieder wird der Hesved gedruckt (in hebräischer Sprache) erscheinen und der Erlös zu humanitären Zwecken im Sinne des Verblichenen verwendet werden. Schweiz. Zürich, ii. Febr. Die treffende Beurtheilung des Zionismus, welche Ihr Berner Correspondent aus dem „Politischen Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft," von Professor Dr. Hilty, reproducirte, hat mich veranlaßt, mir das Buch selber anzuschaffen. Ich finde darin unter vielem Trefflichen eine Abhandlung „lieber die Handelsmoral," welche mit folgenden Sätzen schließt: „Da man heute, und zum Theil nicht ohne Grund, den Juden die Verschlechterung der Handelsmoral zuschreibt, so wird es nur gerecht sein, zu erwähnen, daß der Talmud zahlreiche ganz entgegengesetzte Vorschriften für die „gläubigen" Bekenner dieser Religion ertheilt, z. B. folgende: Man darf keiner Maare ein täuschendes Ansehen geben, oder ibren Werth durch eine Mischung mit schlechterer vermindern. (Maimonides vom Verkauf, Cap. 180 Der nämliche Schriftsteller sagt: „Das deinem Nächsten zu erhaltende Vermögen soll dir ebenso theuer sein, als dein eigenes." Man soll es sogar vermeiden, Gewinn an Gegenständen zu suchen, die zu den nothwendigen Lebensbedürfnissen gehören. (Baba Bethra 91.) Die Hohlmaße sollen zweimal wöchentlich gereinigt werden und der Verkäufer soll immer etwas zugeben, als Ersatz für allfällig vom Maße fehlendes. (Baba Bathra 88.) Zwei Arten von Getreide sollen nicht miteinander vermischt werden.

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