Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1901)
- Date
- 1901-02-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449160--52668-2503223- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SSL Eine Stelle (Jore Dea 265) sagt, bei dem Erscheinen vor Gottes Gericht werde die erste Frage an einen Israeliten sein, ob er im Handel rechtschaffen gewesen sei, die zweite, ob er nicht ganz im geschäftlichen Leben aufgegangen sei, sondern täglich eine bestimmte Zeit seiner geistigen Fortbildung gewidmet habe. Von einem jüdischen Weisen, Rabbi Safra, der im dritten Jahrhundert lebte, wird erzählt, daß er sich über den Verkauf einer Waare nicht mit einem Käufer habe einigen können. Nachträglich entschloffen sich aber Beide anders. Als nun der Käufer zurückkehrte und den geforderten Preis hinterlegte, gab ihm der Verkäufer zwei Goldstücke zurück mit der Bemerkung, er habe sich seinerseits auch bereits entschloffen gehabt, die Waare um so viel billiger abzulassen, und das müsse Geltung behalten." Bei dem großen Vorurtheil, das in außerjüdischen Kreisen leider noch immer gegen die Rechtsmoral nicht nur der Juden, sondern auch ihrer Bekenntnißschristen vorherrscht, sind obige Sätze von nicht zu unterschätzender Bedeutsamkeit schon durch das Buch, in welchem sie niedergelegt sind. Dasselbe wird vom schweizerischen Bundesrath in einer beträchtlichen Anzahl von Exemplaren verbreitet und ist dadurch in allen Verwaltungs-Ressorts vertreten. Aber auch davon abgesehen erfreute sich dasselbe wie alle Schriften des berühmten Verfassers, einer großen Verbreitung. Eine Bekämpfung dieses traurigen Vorurtheils kann aber kaum nachhaltiger erfolgen, als wenn sie freiwillig von dem Gerechtigkeitssinn recht erleuchteter Christen von so autoritativer Bedeutung betrieben wird, wie es in vorliegendem Falle geschieht. Marokko. Marokko. Die Allianceschule in Marrakesch wird bald eröffnet werden. Die Lehrerin für die Mädchenschule und ein Lehrer nebst Hilfslehrer für die Knabenschule sind in Marrakesch eingetroffen und die aufzunehmenden Schüler und Schülerinnen bereits bezeichnet. Aehnliche Schulen werden in absehbarer Zeit in Larasche und Saffi eröffnet werden. Es ist hohe Zeit, daß in Marokko recht viel jüdische Schulen eröffnet werden, da nur durch Bildung die Stellung der Juden in diesem Lande dauernd gehoben werden könnte. Alle anderen Mittel haben nur vorübergehenden Werth. So hat ganz vor kurzem ein höherer Beamter in Marrakesch wieder begonnen, die Juden nach alter Sitte zu peitschen. Die Juden ließen das über sich ergehen, bis schließlich das eintraf, was unvermeidlich eintreffen mußte: Der übermüthige Beamte dehnte seine grausame Thätigkeit immer weiter aus. bis er einen Juden zu Tode gepeitscht hatte. Jetzt erst flehten die Juden den Sultan um Hilfe an, mit dem Erfolge, daß der betreffende Beamte einen strengen Verweis erhielt. Letzte Nachrichten. 8onitr, 13. Febr. Der Prozeß gegen den Fleischergesellen Moritz L e v y, der sich heute vor dem Schwurgericht des kgl. Landgerichts wegen wissentlichen Meineides zu verantworten hat, weil er unter seinem Eide in Abrede gestellt hat, den ermordeten Gymnasiasten Ernst Winter persönlich gekannt zu haben, bildet in hiesiger Stadt ein großes Ereigniß. Schon lange vor Beginn der Verhandlungen, drängt eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge nach dem Zuhörerraum des Schwurgerichtssaales. Eine große Anzahl Gendarmen sind in und vor dem Gerichtsgebäude zwecks Aufrechthaltung der Ordnung postirt. Den Gerichtshof bilden: Landgerichtsdirektor Schwedoniitz (Präsident), Landrichter Ritzkow und Gerichtsassessor Mürau (Versitzende). Die kgl. Staatsanwaltschaft vertritt der Erste Staatsanwalt Dr. Schweigger, die Vertheidigung führen Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld-Berlin und Rechtsanwalt Appelbaum-Konitz. Bei Ausloosung der Geschworenen werden drei Israeliten vom Ersten Staatsanwalt abgelehnt, ebenso der Oekonomierath Borrmann aus Groß-Paglau, der als liberal bekannt ist. Der Angeklagte bleibt dabei, daß er Winter nicht gekannt habe. Es werden eine große Anzahl Zeugen vernommen. Die Gymnasiasten sagen meistens zu Gunsten Levv's aus. Alsdann wird die Verhandlung auf Donnerstag, Vormittags 9 Uhr, vertagt. > Vermischtes. < Frankfurt a. M. Der Verein ..Lemaan Zion" gewährte im Jahre 1900 in seiner Apotheke zu Jerusalem 2-»2l Recevte gratis. In seiner Klinik wurden 18296 Patienten und in der Au'gen-Klinik seit Juni 7467 Kranke behandelt. Die Zahl der gemachten Krankenbesuche. in die sich die Aerzte Krisckewsky, Nagnony, Friedmann und Loewentauer tbeisien, betrug 7729. Birkenfeld, 12. Februar. An den hiesige,t Großherz. Landrabbiner Herrn Dr. L o e v h, ist vor einigen Tagen au« dem Geheimkabinet des Kaisers ein anerkennendes Dankschreiben für die Behandlung seiner Festschrift: „Zwei Jahrhunderte unter dem schwarzen Adler" gelangt. Briefkasten der Redaetion. Abraham Weinstein, Oscie-Biskuvie Mit dieser Sache müssen Sie sich an eine medizinische Zeitschrift wenden. Briefkasten der Expedition. H. (S. in U.: M. 5 — empfangen.