Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1901)
- Date
- 1901-02-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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290 „Warum schleicht Ihr Euch denn so heimlich aus dem Hause? Ihr wäret der theilnehmende Genoffe in den Stunden des Leids, Ihr müßt jetzt auch die Freude mit mir theilen. Wir trinken eine von dem halben Dutzend Flaschen Rüdesheimer zusammen, die mir mein Sohn zu meinem jüngsten Geburtstag geschickt hat. Da gibt's keine Widerrede und ich wäre ernstlich böse, wenn Ihr meine Einladung ausschlagt; also kommt, Bensew!" „Herr Pfarrer, Sie dürfen meine Freundschaft und Hochachtung für Sie und Ihr Haus nicht nach dem Weine beurtheilen, den ich bei Ihnen trinke oder nicht trinke. In Ihrer Freude haben Sie ganz vergesten, daß ich ja Ihren Wein nach unserem Gesetz gcirnicht trinken darf; Sie wollen mich doch gewiß nicht verleiten, mein Religionsgesetz zu übertreten?" Der Pfarrer schlug sich mit der flachen Hand ärgerlich auf die Stirn. „Ich habe ja daran gar nicht gedacht; aber es ist doch schade, daß wir Beide nicht einmal ein Glas Wein zusammen trinken können! Es wäre doch schön, wenn ich's noch erlebte, daß diese Scheidewand fiele, die uns Christen von Euch Juden so unliebsam trennt." „Der Rater im Himmel, der Vater der Juden und Christen, soll Sie noch ungezählte Jahre in ungetrübter Frische Ihrer Familie und Ihrer Gemeinde erhal- | ten, aber das werden Sie nicht erleben, auch wenn Sie | das Alter von Methusalem erreichten. Ich sehe zudem j gar nichts von der Scheidewand, von welcher Sie da s svrechen. Wir haben so unendlich viel Gemeinsames, das uns in Treu und Freundschaft verbindet, daß das bischen Essen und Trinken, in dem wir uns unterscheiden, ganz dagegen verschwindet. Man müßte dem Esten und Trinken eine viel höhere Bedeutung beilegen, als es in Ihren und meinen Augen in Wirklichkeit hat, um mit irgend einem Schein von Recht deßhalb von einer Scheidewand zu sprechen. Ich kann mir z. B. nicht denken, daß die Gemeinschaft der Interessen und die innige Freundschaft zweier Christen oder zweier Juden davon berührt würde, wenn der eine ein leidenschaftlicher Verehrer von Butter, Käse, Fischen und dergleichen wäre, während der andere diese Speisen nie über die Lippen bringt. Unser Herr Rabbiner hat mir einmal erzählt, daß die alten Römer für „Esten" und für „Sein" ein und dasselbe Wort hätten. Wenn Esten — Leben, und wem Leben — Essen bedeutet, der mag wohl in der Verschiedneheit von Speise und Trank eine Scheidewand erblicken, aber dazu zählen wir Beide doch nicht. Am wenigsten könnten wir jetzt von einer Scheidewand sprechen, wo Sie mich doch eines Vertrauens gewürdigt haben, wie man es. nur einem ervrobten Freunde entgegenbringt und wo ich geradeso Ihnen gegenüber gehandelt hätte, wenn ich in derselben Lage gewesen wäre." (Fortsetzung folgt.) Für». Allerlei. Aut einer Reise im Auslande besuchte Baron Willv s. A. die Synagoge einer größeren Stadt. Nach Schluß des Gottesdienstes hätte er gern ein wenig Thora gesprochen. Um mit einem Manne, der ein rn war. in's Gespräch zu kommen, frug ihn Baron Willy von Rothschild s. A.: „Was ist Ihr Beruf?" „Koscher-Seifenerzeuger," erwiederte der Gefragte. Hierauf bemerkte der Baron schlagfertig mit der Gemara in Kiduschin 82 b: -2°?' “nrx '~ ■*p; nurx vzb. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montngg nnd Donnerstags, jedeSmal tu mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjahrliq, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V Zf. Kternackev, Leipzig. Nohplatz sb. —Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Pesttzeile oder deren Raum. 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