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Der Israelit · 1901-02-14 · Heft 13 (14.2.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 13 (14.2.1901)
Date
1901-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dir hochgeborene Mutter des genannten Freiherrn charakterisirte den Verstorbenen mit der tief empfundenen Widmung: „Der liebe Friedmann hat sich ein Denkmal in den Herzen der Mitwelt gesetzt." Dieser Kiddusch haschem verdient gewiß eine ausführlichere Registrirung im „Israelit," dem Gesinnungsorgan und der liebsten Lektüre des Verstorbenen, was wohl auch gestattet wird, da die Prinzipien des „Israelit", „Versöhnung des Thoragedankens mit der Derech Erezidee," hier bestens personifizirt war. Wie oft nahte an den Verlebten, durch seine Beziehungen zu den Gesellschaftskreisen, die Versuchung in Gestalt einer Einladung zu unerlaubten Genüssen, oder zu gewinnbringenden Vortheilen bei einer Entweihung der Sabbatheiligkeit! Die Bethätigung seiner religiösen Grundsätze hatte aber nicht die Verachtung oder Minderwerthschätzung zum Gefolge, im Gegentheil, desto ehrenvoller gestaltete sich der Verkehr der besten Kreise zu ihm. Man schätzte seine hohe Ehrlichkeit und Rechtlichkeit, die Einlösung des gegebenen Wortes, empfahl ihn nicht trotz, sondern wegen seiner Frömmigkeit immer weiter, und man sah es gern, wenn er mit Feuereifer seine heilige Religion und deren Gebräuche vertheidigte. Diese schätzenswerthen und anerkannten Tugenden des Entschlafenen faßte Herr Lehrer Schloß aus Autenhausen zu einem ergreifenden Charakterbilde zusammen, in einer würdigen Grabrede. Der Redner beklagte, daß der Stolz der gleichgesinnten Gattin, der guterezogenen Kinder — wovon die Töchter würdig und out versorgt sind, aber noch nicht die Söhne — die Zierde der ganzen Familie, der Schmuck der jüdischen Gemeinde Autenhausen, so rasch und unerwartet dahin gerafft wurde, bei noch so vielen berechtigten Ansprüchen auf das Leben. Ein Haus wäre zerstört, in welchem die besten jüdischen Geister wach waren, der Sinn für Thora durch die sinnige und werkthätige Unterstützung des Talmide Chachomim, n'z wurde in der idealsten Weise gefördert, und seinem Schöpfer bat er in der schönsten Weise gedient, so daß ein guter Name, das beste Facit des Lebens, auf ewige Zeiten ihm verbleiben wird. Glückliche Zeiten machten ihn nicht übermüthig, aber auch in der schwersten Heimsuchung, bei dem im vorigen Jahre erfolgten Tode einer erblühten Tochter, die nun seine Nachbarin verbleibt im ewigen Schlafe, suchte er Trost und Fassung bei dem gütigen Schöpfer, der ihn nunmehr eingehen lassen wird in das Reich der Seligen. Fr. Bechhofen (Bayern), 11. Febr. Heute beging ein wackeres Mitglied unserer kleinen Kultusgemeinde, der Kaufmann Herr Samuel Schloß, seinen siebzigjährigen Geburtstag. Obwohl derselbe in seiner Bescheidenheit keinerlei Aufsehens davon machen wollte, ließen es die Kinder sich nicht nehmen, mit den geliebten Ellern diesen Tag zu feiern. Herr Schloß, der in der ganzen Gegend als ein angesehener braver Mann bekannt ist, und auf den man sagen kann nan bzh N1XV. „Zu jeder guten That war und ist er bereit," möge feiner Familie und uns allen nach lange in rüstiger Gesundheit und Frische erhalten bleiben. Feuilleton. USeim äSmifter. Bon Wobest Käntoin. bj lV. Obwohl Bensew sich keines Unrechts bewußt war, drückte es ihn doch, daß er die Unterredung der beiden Männer angehört hatte, ohne ihnen seine Anwesenheit mitzutheilen. Aber er war auf den Platz angewiesen worden, an dem er jedes Wort hören mußte, ohne selber gesehen zu werden: er hätte nicht in's Bureau hineingehen dürfen, ohne sich einer Aufdringlichkeit schuldig zu machen. Aber wie dem auch sei, ganz geheuer war ihm bei alledem nicht zu Muthe. Er nahm sich vor, für's Erste keiner Seele ein Wort von dem zu sagen, was er gehört, als höchstens seinem väterlichen Freund und Nathgeber, Rabbiner Wetzlar in Gudensberg. der auch Mitglied des Landrabbinats, und zwar einer von den Einfältigen war, welchen ihre Einfalt verbietet, ihr Ehrenwort zu brechen. Von Malsfeld nach Gudensberg sind drei starke Wegstunden, die Bensew oft zurücklegte, um seinen Rabbiner zu besuchen. Einen Augenblick trug er sich mit dem Gedanken ,ob er nicht direkt von Kassel nach Gudensberg gehen solle. Aber es zog ihn doch nach Hause, wo er wußte, daß ihn der Pfarrer sehnsüchtig erwartete und so trat er sofort um die Mittagszeit den Rückweg an, obwohl die Sonne hoch am Himmel stand und heiß herniederbrannte. Was er heute alles erlebt und erfahren, beschäftigte ihn so unausgesetzt, daß er weder Müdigkeit, noch Hunger und Durst verspürte, bis er gegen Abend nach Hause kam. Ermattet von dem vierzehnstündigen Marsche und der seelischen Erregung legte er sich zur Ruhe nieder und suchte erst am andern Morgen das Pfarrhaus auf. — Die Niedergeschlagenheit und Bestürzung war daselbst noch größer als vorher. Der Herr Pfarrer konnte die trübe Seelenstimmung nicht soweit beherrschen, daß sie der Frau Pfarrerin und der ganzen Familie entgangen wäre. Er theilte ihnen sein Unglück mit, wodurch dasselbe nur vergrößert wurde. Alle gingen mit verweinten Augen umher und mußten so zu ihren

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