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Der Israelit · 1901-02-14 · Heft 13 (14.2.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 13 (14.2.1901)
Date
1901-02-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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388 Berlin, 5. Febr. Eine seltene, schöne Feier bej ging am letzten Sonntag die hiesige Schas chewra durch einen Sium der unter die Mitglieder vertheilten Talmudtraktate. Der Saal von Caffel's Hotel war übervoll, als der Lehrer der Chewra, Herr Rektor Dr. H o f k m a n n , die letzte Mischna des Traktats »on:: vortrug. Hierauf vereinigten sich die Anwesenden zu einem Festmahle. Die Spitze der langen Tafel zierten, neben j dem verehrten Lehrer, die Herren Rabbiner Dr. Auer- , bach, Dr. Hildesheimer, Dr. Munk, die Dozenten des j Rabbinerseminars, die Herren Dr. Baneth, .Bleich- > rode und Andere.! Das Mahl wurde gewürzt durch eine Fülle von! höchst geistvollen Reden, die von dem der Redj ner Zeugniß ablegten. Sie alle nur zu skizziren, ist unmöglich. Hervorgehoben sei nur die geistvolle Rede j des Herrn Dr. Hoffmann, der einen Zusammenhang! zwischen Anfang und Schluß des Traktates ste xe;! in hagadiscker Weise herstellte. Da die letzte Mischna! von „Bürgschaft" handelt, verwies er auf den bekann- ' ien Midrasch, der von der Bürgschaft erzählt, welche; die Israeliten am Berge Sinai stellten. Die Erzväter j wurden von Gott nicht angenommen, weil ja deren Söhne (Ismael, Esau) zeigten, daß die Söhne den Vätern nicht zu gleichen brauchen. Darum stellten die Israeliten ihre Söhne als Bürgen, d. h. sie versprachen, bei allen ihren Handlungen stets an den Eindruck zu denken, den diese aus ihre Söhne machen müßten. Wenn dies die Väter thun, werden sie nie etwas gottloses begehen, denn jeder Vater will doch, daß sein Sohn genau in seinem Leben wandle. So wären die Verpflichtungen aus dieser Bürgschaft gegenseitig, der Väter gegen die Söhne und der Söhne gegen die Väter. Diese Gegenseitigkeit liege auch bei einem Compagnie- Verhältniß (irsnp) vor, von dem der Anfang des Traktats erzählt. Das älteste derartige Verhältnis sei das zwischen Jsachar und Sebulon, der eine beschäftigt sich mit dem Handel, der andere mit der Gotteslehre. Zum Bestände der Welt sind beide nöthig, keiner könne . sich als der Wichtigere ansehen. Es ergehe ihnen wie den Comvagnons jener Mischna, jeder erhält genau die Halste seines Lohnes. Ein solches Verhältniß stelle auch die Schaß Chewra dar, weil in ihr sich Kaufleute i und Gelehrte gegenseitig ergänzten. Die von geistreichen Nebenbemerkungen durchsetzte Rede fand stürmischen Beifall, und bis nach der Mitternachtsstunde folgte eine Rede der anderen. Nachdem der Vorsitzende, Herr Fabriksbesitzer Aron Hirsch, welcher mit Hinweis auf den 16. Schewat, den Jahresanfang für die Bäume, d. h. den Baum der Thora, die Versammlung eröffnet hatte, zum Schluffe allen Anwesenden zugerufen, daß die Früchte dieses Baumes ihnen allen neue Nahrung zuführen möchte, wurden die Talmudtraktate von Neuem vertheilt und das Tischgebet gesprochen. ' Hamburg, 11. Febr. Der hiesige „Verein für Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder und Ferienkolonie" hat an der Nordseeküste in Cuxhaven ein schön gelegenes und geräumiges Haus auf vorläufig drei Jahre gepachtet, woselbst alle Mal auf Monatsfrist von etwa Mitte Juli bis Mitte September, je sechzig Kinder Aufnahme und Pflege unentgeltlich finden können, so daß also der Verein im Ganzen 180—200 Kindern diese Wohlthat zu erweisen in der Lage sein wird. Selbstverständlich geschieht Alles unter strengster Wahrung der religiösen wie rituellen Vorschriften, wie es auch die Statuten dieses segensreich wirkenden Vereins ausdrücklich vorschreiben. Außer den Zinsen eines Stiftungskapitals von 30,000 Mark, von einem bekannten, aber ungenannt zu bleibenden Wohlthäter gespendet, bestehen die Einnahmen dieses Vereins, der Kindern bedürftiger Eltern nahrhafte Mittagskosi verabreicht, aus einer Gemeindesubvention von Mk. 10Q0 pro anno und etwa Mk. 4000 regelmäßigen Mitglicdsbeiträgen, abgesehen von Geschenken in noch zu erwartenden testamentarischen Zuwendungen. Ursprünglich war obige Ferienkolonie für Norderney und zwar in Verbindung mit anderen Vereinen geplant: die Verhandlungen zogen sich aber zu sehr in die Länge, insbesondere aber war es wohl der Kostenpunkt, der für das bescheidene und eigene Unternehmen in Cuxhaven den Ausschlag gab. H. B. Hannover. Am verflossenen Sabbat Beschalach vereinigten sich die Vorstände unserer Gemeinde und deren wohltbätigen Vereine zu einer schönen Doppelfeier. Es handelte sich um die Einweihung der Altersversorgungsanstalt und des neuen Krankenhauses. Eingeleitet wurde die Feier durch den Gesang des Ps. 30 n-n “vr töte. Der Gesang, welcher von unserem Dberkantor G. Lienhard eigens zu dieser Feier komvonirt und von dem Männerchor unserer Synagoge vorgetragen wurde, machte auf sämmtliche Zuhörer einen überwältigenden Eindruck, ganz besonders, als Herr Lienhard das Solo -pin:: vortrug. Dem Gesang folgte die Weiherede unseres verehrten Herrn Landrabbiners Dr. G r o n e m a n n. An der Hand des Tertes rnw 'bx n: schilderte der Herr Landrabbiner die Entstehungsgeschichte und zeigte die Ausgaben dieser beiden Gebäude. Er gedachte besonders des um beide Anstalten so hochverdienten Herren Jsaae Hirsch sowie seines Sohnes Dr. Raphael Hirsch, die Beide den Grundstein mitaelegt, aber die Vollendung des Baues nicht erleben sollten. Mit von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten übergab Redner beide Anstalten darauf ihrer Bestimmung. Namens der Synaqogengemeinde führte alsdann der erste Vorsteher, Herr I. Kauffmann, aus, daß das gute jüdische Herz die Errichtung beider Ge-

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