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Der Israelit · 1901-02-14 · Heft 13 (14.2.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 13 (14.2.1901)
Date
1901-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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»85 wird von einem Midraschweisen in der Gestalt Pharao's verkörpert. Der Midrasch erklärt: Die Härte des Steines und die Schwere des Sandes, das ist ein Bild des Pharao. In welchem Zusammenhang stehen nun die Eigenschaften von Stein und Sand zu Pharao's Charakter? Es ist schwer, in den Stein Buchstaben einzugraben, dazu gehört ein eiserner Griffel. Die mit eisernem Griffel eingegrabenen Worte jedoch bleiben fest eingeprägt für alle Zeiten. Das Gegentheil ist der Fall beim Sande. Mit welcher Leichtigkeit kann nicht schon ein Kind Buchstaben in den Sand zeichnen! Ein leichter Windhauch jedoch genügt, um die hervorgebrachten Zeichen zu verwischen. (Fortsetz, folgt.) Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen Deutschland. Mainz, 13. Febr. Ueber die Judendebatten im Preußischen Abgeordnetenhause erhalten wir von einem gelegentlichen Mitarbeiter folgende Zuschrift: Nachdem die Antisemiten bereits wiederholt die Tribüne des Reichstags benutzt hatten, um das Märchen von Könitz in der bekannten, durch den Dreschflegel-Grafen Pickler genügend charakterisirten Weise frisch aufzuwärmen, hatte am vergangenen Donnerstag, Freitag und Samstag, auch das preußische Abgeordnetenhaus das allerdings sehr fragliche Vergnügen, die antisemitischen Hetzreden anhören zu dürfen. Diesmal kamen ste nun weniger aus dem Munde der Liebermann und Consorten. denn die hatten ihren konservativen Freunden und Gönnern ihr schmutziges Handwerk überlasten. So bot sich denn das widerliche Schauspiel dar, daß dieselben Leute, die sich einem Manne zum Führer erwählt, in besten Adern jüdisches Blut fließt, Leute, denen man nicht wie ihren vollblutantisemitischen Radau-Kollcgen manches wegen einer gewissen Eigenschaft, gegen die auch Götter vergebens kämpfen, verzeihen kann, sich zu den unfläthigsten Beschimpfungen Hinreißen ließen. Viel interessanter aber, als diese Auswüchse krankhafter Hirngespinste, ist sicherlich die Erwiederung des preußischen Justizministers Schönstedt. Dieser Minister, der unter andauerndem Beifall der Rechten und des paritätsfreundlichen Centrums die preußischen Juden gleichsam in eine zweite Vürgerkategorie versetzt hat dadurch, daß er eine Bevorzugung der christlichen Rechtsanwälte ihren jüdischen Kollegen gegenüber zugegeben hat, durste natürlich mit seinen konservativen Freunden nicht brechen, umsoweniger, als sie ihn ja gegen den von freisinniger Seite mit nur allzugroßem Recht gegen ihn erhobenen Vorwurf des Verfassungsbruches in Schutz nehmen müssen. So konnte man denn bei der glänzendsten Vertheidigung der in der Konitzer Angelegenheit thätigen Beamten einen energischen Protest gegen die antisemitische Aufwühlungsarbeit kaum heraushören, ja, der Minister lehnte es sogar ab, über den Verdacht eines Ritualmordes sich weiter auszulassen. Wenn wir nun auch weit davon entfernt sind, das Schweigen des Ministers als Zugelländniß eines „Ritualmordes" aufzufaflen, so wäre es doch mindestens am Platze gewesen, sich mit seiner Person gegen solch' wahnwitzige Beschuldigung in die Schanze zu werfen. So aber wird der antisemitischen Bewegung im Lande, die der Vater unseres jetzigen Herrschers „als die Schmach des Jahrhunderts" bezeichnet hat, weiter Vorschub geleistet. Die Liebermann und Konsorten werden nunmehr den Herrn Justizminister, wenn er es auch auf's Entschiedenste abgelehnt hat, in ihrem „Heldenkampf" als Bundesgenossen bezeichnen können. Diese Vorgänge beweisen wieder einmal der preußischen und der gesummten deutschen Judenheil, daß es Zeit ist, endlich aufzuwachen und durch eine kräftigere Betheiligung bei den öffentlichen Wahlen gegen solche Vorkommnisse zu protestiren.*) Daß ein paar jüdische Rechtsanwälte nicht so schnell zu Notaren ernannt worden sind, als ihre christlichen Kollegen, ist natürlich keine schwerwiegende Sache: daß es sich aber hier um ein System strikter Benachtheiligung preußischer Juden, die ihren Staatsbürgerpflichten ebensogut Nachkommen, als ihre christlichen Kollegen, — nicht allein beim Justizdienste, sondern auch, wie es der Herr Minister in der Hitze des Gefechtes selbst versichert hat, noch viel mehr im übrigen Staatsdienst — handelt, ist tief beschämend für den Staat, der sich stets mit Vorliebe ein Träger der Kultur nennt. Berlin, 4. Febr. Am letzten Sabbat nahm in der Adaß Jisroel-Synagoge Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer Veranlassung, in seiner Predigt des Baron Wilhelm von Rothschild zu gedenken. Er legte den Vers zu Grunde: „Gott zeigte dem Mosche ein Holz, der warf es in das Wasser und das Wasser wurde süß; dort gab er ihm Gesetz und Recht, und dort prüfte er ihn." Wie in Mara, so meinte der Redner, nach einem Midraschwort, das bittere Wasser durch bitteres Holz versüßt wurde, so werde auch heute vielen „aufgeklärten" Juden, denen ihr Judenthum bittere Speise ist, durch die Bitterniß der Zeit dies Judenthum wieder süß; daß ihnen in Mara aber auch Gesetz und Recht gegeben ist, erkennen sie nicht an. Zumal, wenn sie hohe Stellung im Leben einnehmen, scheuen sie sich dessen. Da könne sie das Beispiel des Barons s. A. belehren, der so hoch gestellt war. wie selten ein zweiter Jude und dennoch jedes kleinste Gesetz erfüllte. Die Predigt war von einem mächtigen Eindruck auf die Zuhörer begleitet. C. R. *) Stehe Leitartikel in der Ersten Beilage. Red.

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