Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1901)
- Date
- 1901-02-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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i dem Bürger Coppin, dem Kommandanten am Seminar, erteilt wurde: „Wende den grössten Eifer auf, um das Geschwätz der Aristokraten zu demütigen.“ Urheber dieser edlen Weisung war dieserljstets berauschte Kriegsmann, der abwechselnd ein Wütherich oder ein Heuler war und dessen Köchin sogar damals Arrestbefehle erteilte, die bei der öffentlichen Gewalt Gehorsam fanden, wie dieses aus einem offiziellen Brief des Komit6s der allgemeinen Sicherheit erhellt. XVII. Aus der Tiefe seines Gefängnisses versäumte Seligmann Alexander keine Gelegenheit, seinen Patriotismus den städtischen Autoritäten in's Gedächtnis zu rufen. Als Strassburg, Paris nachahmend, am 20. Prairial auf so prunkhafte Weise und, trotz des Terrorismus, mit idyllischen Ceremonien das Fest des höchsten Wesens (8. Juni 1794) beging, liess unser Bankier dem Stadtrat die Summe von 100 1. zugehen, um zu den Kosten der Illumination beizutragen, welche das Fest beschliessen sollte und bei der eine riesengrosse rote Mütze, auf die Spitze der Kathedrale gesetzt „im Schatten wie ein funkelnder Stern erschien, die Volksrechte und das Weltglück verkündend“. Es ist indessen nicht wahrscheinlich, dass der reiche Jude so wohlfeil davon gekommen wäre, wenn nicht am Abend des 31 Juli die Nachricht vom 9. Thermidor und nachher von der Hinrichtung Robespierres sich plötzlich in Strassburg verbreitet hätte. Von diesem Augenblick an wurde das Loos der Gefangenen gemildert, da die hitzigsten Rädelsführer sich des folgenden Tags nicht mehr sicher fühlten. Alexander, der trotz seiner Gefängnishaft es verstanden hatte, freilich nicht ohne Kosten „sich Freunde zu schaffen“, war einer der Ersten, der das Seminar verliess. Dank dem Beistände desselben Stadtrats, der ihn hatte einkerkern lassen. Am 20. August verfügte das KomitG der allgemeinen Sicherheit des Konvents in der That, dass in Betracht der Zeugnisse der Gemeinden Strassburg und Bischheim am Saum, der Bürger Alexander, der im ehemaligen Volksseminar gefangen gehalten wurde, gleichzeitig mit seinem Geschäftsteilhaber in Freiheit gesetzt werde, und dass die Siegel von ihren Wohnungen abgenommen werden sollen. Vielleicht hatte eiserne Befreiung dadurch beschleunigt, dass er dem Bürger Sommervogel, Nationalschatzmeister in Strassburg, die Summe von 22 771 1. übergeben liess, entsprechend dem Gesetz, das die Ablieferung aller Summen verlangte, welche die Franzosen dem Auslände schuldig waren. Sei dem wie ihm wole, der Konventsbeschluss, unterzeichnet von Andre Dumont, Louis vom Niederrhein, Moise Bayle, Merlin, Legendre und Dubarras, wurde einige Tage später den beiden Gefangenen durch den Bürger Kugler, Adjunktsekretär der Kommune, eröffnet. Alexander konnte also ruhig sein Haus auf der Domstrasse wieder beziehen, welches er immer noch von dem Kommissär Laserre bewohnt fand, der seit bald drei Monaten sich häuslich dort niedergelassen hatte. Als der Repräsentant Foussedoire im September nach Strassburg kam und die Reorganisation der städtischen Verwaltung mit der Verabschiedung des Savoyarden Monnet und seiner Helfershelfer begann, stellte unser Bankier sorgfältig die Bilanz seiner Verluste auf, und kaum war Andr6, der neue Maire, vom Konventsabgeordneten in sein Amt eingeführt, als Alexander bei ihm die Weine reklamirte, die früher konfiszirt wurden, und von ihm eine Entschädigung von 10,600 1. herauspresste, ein bemerkenswerter Beweis von der Zähigkeit seines Charakters. Alles eingerechnet blieben die Verluste noch entsetzlich genug, wenn die verschiedenen Paragraphen nicht übertrieben sind. Wir möchten diese Blätter nicht mit deren Einzelnheiten ausfüllen und müssen uns darauf beschränken, zu sagen, dass Alexander selbst, in einer Ergänzung seiner Denkschrift, die gegen Ende des Jahres 1796 veröffentlicht wurde, die Gesammtsumme auf 635 413 1. 12 sous bezifferte, wobei die 12 sous hier offenbar deshalb figuriren, um die ängstliche Genauigkeit bei Aufstellung dieser ungeheuren Summe in die Augen fallen zu lassen. Lange bevor er dieses traurige Verzeichnis beendigt, damals als er kaum das Gefängnis verlassen hatte, empfand Alexander das in einem solchen Falle sehr natürliche Bedürfnis, sich vor den Augen seiner Mitbürger wegen der unlängst gegen ihn geschleuderten Beschuldigungen des Wuchers und des Mangels an Bürgersinn zu rechtfertigen und dem Volke „ein Herz zu öffnen, das lange genug von heimlichen und verfolgungssüchtigen Machenschaften des Neides und von den schrecklichen Trabanten des Diktators geschändet wurde.“ Diesem Gefühl verdanken wir die Abhandlung, die heute sehr selten zu finden ist und bei Treuttel und Würtz erschien und der wir die meisten der in unserer Erzählung zerstreuten Nachrichten entlehnt haben. Man sieht gleich am Anfang, dass sie unmittelbar nach dem Fall Robespierres geschrieben wurde, an den nach-