Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-02-11 · Heft 12 (11.2.1901) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 12 (11.2.1901)
Date
1901-02-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449159--52641-2503195
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

376 links), daß es sich mit dem allgemeinen Volksihum amalgamirt. Durch eine neue Ausnahmestellung befestigen Sie gerade die Eigenschaften, über die Sie vorzugsweise klagen. Das befördert auch jene Erscheinung, die wir unter dem Namen Zionismus kennen. Ich finde den Zionismus ebenso tadelnswerth wie den Antisemitismus. (Lebhafte Zustimmung links.) Mainz, 10. Febr. (Baron Willy von Rothschild und der Zionismus. — Aus o e s B a r o n 's Jugend.) Dr. I. Rülf erzählt in der neuesten Nummer der Welt: Einer der größten jüdischen, der Orthodoxie treu anhänglichen Geldsürsten hat den Grund verrathen, warum die gesetzeslreuen Israeliten vom Zionismus nichts wissen wollten. Um seine Unterstützung für die gute Sache des Zionismus angegangen, soll er geantwortet haben: „Ob die Sache gut oder schlecht, ist mir einerlei, genug, ich will mit den „Poschim" nichts zu thun haben." Wenn ein Mann wie Baron Willy, der für die nahewie für die fernliegendsten Dinge stets mit vollen Händen gab, für den Zionismus nichts übrig hatte, io muß er dafür wohl seine wohlerwogenen Gründe gehabt haben — außer den angegebenen. Die „Jüd. Pr." erzählte von einem Renegaten, der den Baron erzogen haben sollte und zwar aus Gewissensbisse über seinen Uebertritt, in strenggläubigjüdischem Sinne. Nun berichtet Dr. Berliner dem genannten Blatte: „Wie in Cammeo's „Geschichte der jüdischen Gemeinde Neapel von 1830—1890" mitgetheilt wird, ließ Baron Carl von Rothschild seine Söhne vom Jahre 1833 an durch einen Convertiten Namens Don Paolo unterrichten, einen ehemaligen polnischen Juden, welcher, damals ein Siebziger, als Professor der semitischen Sprachen an der neapolitanischen Universität wirkte. Wie es mit der „religiösen" Verfassung dieses Neophyten bestellt war, erweist die Thatsache, daß er nicht nur die katholische Messe in der Kirche hörte, sondern auch den protestantischen Gottesdienst in der Kapelle der preußischen Gesandtschaft besuchte und den Baron Rothschild um die Erlaubniß bat, auch zu dem jüdischen Gottesdienste, der am Rosch-ha-schanah und Jom-Kippur in dessen Hause veranstaltet wurde, erscheinen zu dürfen. Dieses Verlangen ward abgewiesen und ihm nur gestattet, in einem angrenzenden Zimmer die Gebete anzuhören. Don Paolo war in der That gewissenhaft bemüht, seine Zöglinge in den Lehren ihrer Religion zu erziehen. In dem drittältesten, eben in Wilhelm Karl, erwachte nach der Barmizwah, welche mit großem Aufwand in Neapel gefeiert worden war, das sehnsüchtige Verlangen, jüdische Lehre und jüdisches Leben an einer lauteren Quelle kennen zu lernen. Mit Erlaubniß seiner Eltern kehrte er nach Frankfurt, seinem Geburtsorte*) zurück, *) Die Angabe sämmtlicher.Blätter, daß Baron Willy! wo er im Hause des frommen Oheims alle seine religiösen Wünsche befriedigt fand und dann in R. Salomon Posen s. A. einen Lehrer und Leiter sich erwarb, der ihn nicht nur in das Talmudstudium eingeführt, sondern auch der Denk- und Handlungsweise des empfänalüben Jünglings die Richtung gegeben hat, welcher er sein ganzes Leben hindurch treu geblieben ist." Berlin, 7. Febr. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hatte s. Z. an das kgl. Provinzial- Schulkollegium das Ersuchen gerichtet, in der Elisabethschule, wo bisher elf jüdische Schülerinnen am christlichen Religionsunterricht theilnahmen, die Ertheilung jüdischen Religionsunterrichts zu veranlassen. Das Gesuch wurde von der Behörde, zunächst mit dem Hinweis auf Raumschwierigkeiten, abschlägig beschießen. Auf eine erneute Eingabe des Vorstandes erging jetzt folgendes Antwortschreiben: „Auf das Gesuch vom 17. Oktober 1900 erwiedern wir ergebenst, daß wir, nach erneuter Prüfung der Sachlage, bereit sind, der Einrichtung besonderen jüdischen Religionsunterrichtes an der hiesigen königl. Elisabethschule näher zu treten. Auf die Schwierigkeiten, die in dieser Beziehung die Raumverhältnisse der genannten Anstalt bieten, haben wir bereits in unserer Verfügung vom 1. September 1900 hingewiesen. Wir glauben jedoch, daß diesen Schwierigkeiten einigermaßen begegnet werden kann, wenn wir für den jüdischen Religionsunterricht, soweit die Unterstufe in Betracht kommt, die Stunden von 12—1, und sofern es sich um die Mittel- und Oberstufe handelt, die Stunden von 1—2 in Aussicht nehmen. Auch hier würden wir bei dieser Einrichtung dafür Sorge tragen, daß an den betreffenden Tagen der Schulunterricht für die jüdischen Schülerinnen der Unterstufen erst um 10 Uhr, für diejenigen der Mittel- und Oberstufe erst um 9 Uhr beginnen würde. Bevor wir jedoch in dieser Richtung weiteres veranlassen, sehen wir einer bestimmten Aeußerung darüber entgegen, ob die jüdische Gemeinde die aus der gevlanten Einrichtung sich ergebenden Kosten zu übernehmen bereit ist." Der Gemeindevorstand hat sich daraufhin sofort mit der Uebernahme der Kosten einverstanden erklärt. Berlin, 6. Febr. Die angebliche Aeußerung des Kaisers gegenüber dem Generaldirektor Ballin in Hamburg, daß dieser noch nicht an der richtigen Stelle stehe und daß dafür gesorgt werden müsse, daß er dahin gelange, mit dem Zusatz: „Daß Sie Jude sind, ist mir gleichgiltig, das macht mir nichts, das können Sie Jedem sagen," regt einzelne konservative und agrarische Blätter auf, weil die Aeußerung allerdings von freisinnigen Organen etwas phantastisch fruktifizirt worin Neapel geboren wurde, ijt unrichtig. Er ist vielmehr in Frankfurt a. M. geboren und kam als dreijähriger Knabe mit feinen Eltern im Jahre 1832 nach Neapel, wo bereiteine Filiale des Hauses Rothschild bestand, tvelche in dem genannten Jahre als selbstständige Firma etablirt wurde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.