Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1901)
- Date
- 1901-02-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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274 Die scharfe Abkanzelung hatte ihren Eindruck auf den Landrabbiner nicht verfehlt. Bensew hörte es dem kleinlauten Tone an, mit dem er entgegnete: »Ich füge mich ja gerne Ihrer längeren Erfahrung und gründlicheren Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse. Aber einmal zugegeben, wir werden mit dem Lande fertig, wir werden ja im Landrabbinate niemals die Zustimmung zu diesen weitgehenden Reformen erlangen." ,.Jm Landrabbinate werden die Geister schon aufeinanderplatzen, aber wenn Sie als Vorsitzender entschieden zur Sache der Reform stehen, dann ist mir nicht bange. Ich habe das bereits sorgfältig erwogen, wir werden die Synagogenordnung im Landrabbinate mit einer Stimme Majorität durchbringen." „Wie können Sie an meiner entschiedenen Stellungnahme auch nur zweifeln, Herr Doktor? Aber wenn die ansehnliche Minorität gegen diese Majorisirung Protest erhebt, das Land aufwiegelt und selbst bei der Regierung unsere Bestrebungen durchkreuzt?" „Ihre Kollegen, die hier in Betracht kommen, sind ehrliche, einfältige Leute; von ihnen lasse ich mir ihr Ehrenwort geben, daß sie über unsere Verhandlungen kein Wort außerhalb des Sitzungssaales verlieren, und dann bin ich ihrer sicher. Daß vom Land nichts zu fürchten ist, habe ich Ihnen bereits auseinandergesetzt. Und die Regierung? Ich bin jetzt fast zwanzig Jahre Sekretär des Vorfteheramtes, es wäre das erste Mal, daß sie einem unserer Beschlüsse die Genehmigung versagte. Sie hat keine Ahnung von den Gegensätzen und Kämpfen der heutigen Judenheit. Se. Excellenz Minister Hassenpflug hält uns alle für stockorthodox. Hätte er einen Schimmer von unserer wirklichen Gesinnung und religiösen Richtung, dann wäre es allerdings schlimm. Aber das ist vollständig ausgeschlossen. Also schlagen Sie ein, Herr Landrabbiner, und machen Sie sich an den Entwurf einer neuen Synagogenordnung, wie wir sie brauchen!" Daraus hörte Bensew einen Handschlag und eine Bewegung der Stühle, die den Schluß der Besprechung ankündigte. Seine Müdigkeit war geschwunden, das, was er als unfreiwilliger Zeuge hier gehört hatte, war vollständig geeignet, sie zu verscheuchen. Er glaubte mit Recht, daß die Herren nicht sehr erbaut sein würden, wenn sie wüßten, daß er ihre Besprechung mit angehört habe. Flugs öffnete er die Vorzimmerthüre und verließ das Haus, bevor einer der Herren etwas von seiner Anwesenheit bemerkt hatte. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Walender. Freitag, 15. Februar, 26. Schewat. Sabbat-Anfang in Mainz 5 Uhr 15 Min Samstag, 16. Febr.. 27. Schewat 's n"mo ,d»bd»d. Sabbat-Ausgang in Mainz 6 Uhr 30 Min. — Berlin 6 Uhr 03 Min. — München 6 Uhr 17 Min. — Hannover 6 Uhr 19 Min. — Stuttgart 6 Uhr 29 Min. — Prag 6 Uhr — Min. - Straßbug 6 Uhr 30 Min. - Posen 5 Uhr 51 Min. Dienstag, 19. Februar, 30. Schewat, n"Vi 'n dv. Mittwoch, 20. Februar, 1. Adar, n""n 'D Qi\ Der „3 8 r a e 1 i t" erscheint wöchentlich zweimal, Mont «g:s nnd Donnerstags, jede-mal te mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlicy» halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. M. Steinacker. Lripxig. Wotzplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für’S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702 Telephon 315. Etue Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalteu. Stellensuchende erhalten aus Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang grattS und franco zugesandt. Ebenso stunde« wir auf Wunsch die Zahlung des Jnsertionsbetrags an außer Stelle Befinvliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Die Großmacht des jüdischen Kapitals. — Leitender Artikel: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Düsseldorf. Zabern. Weißenburg. Aus Bayern. — Vermischtes. — Feuilleton: Beim Minister. (For'etzung.) Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz Berlin. Königsberg. Schweinfurt. Schweiz: Bern. Blätter für jüdische Geschichte und Literatur. Extta-Beilage: Spenden-Verzeichniffe. Berantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Nr. 2. Main- Druck und Berlag oer Job Wirth scben Hoibuchdruckerei Actien-Gesellichaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen. mm \ '■i MiiHHi